Ein einfacher Herr

Wir sind nur Schatten (dafür zu zweit)

Er fragt sehr leise, bedacht, ich muss mich nach vorn beugen, um ihn zu hören. Dabei umfängt mich ein Hauch seines Atems, der nach Nikotin und Alkohol riecht. Ob ich Kleingeld hätte für etwas zu Essen; ich verneine wahrheitsgemäß, habe zwei Minuten vorher mein Kleingeld eingetauscht in jenen Becher Kaffee, der vor mir steht auf dem Tisch und auf den ich während meiner Antwort zeige. Er schaut erst zu ihm, dann zu mir, aus traurigen Augen.

Ein Beamter des Sicherheitsdienstes tritt an uns heran, auch er hat eine Frage an mich. Ob dieser Herr, wie er ihn despektierlich nennt, mich… weiter kommt er nicht, ich sehe ihn nach Worten ringen, die er nicht findet. Auf mein Verneinen reagiert er erstaunt und fragt wieder. «Ich weiß, was du willst« denkend sage ich »Nein.« Er wünscht einen schönen Tag und bleibt in der Nähe.

Ich will gerade meinerseits zur Frage ansetzen, als sich der Alte erhebt, wortlos, und geht.
Gern hätte ich erfahren, warum man sich hier, in der Universitätsklinik in Göttingen, um ihn kümmert.

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