Dreitortentag

Der Besuch hatte sich bereits Stunden vorher verabschiedet, als wir aus dem Haus traten auf die Straße in eine Menge von Menschen. Marathonläufer keuchten vorbei, doch fanden wir nicht heraus, ob wir in das Mittelfeld oder die Nachhut gerieten. Wir ließen uns ein Stück treiben in Richtung der Universität, einer Gruppe von Trommlern entgegen, die man an allen Marathonstrecken findet. Sie standen zu zehnt auf jener Kreuzung, die Museen in verschiedene Quadranten einteilt und sie schlugen einen Rhythmus, dem sich wenige Zuschauer entziehen konnten. Auch wir standen ein paar Sekunden, ließen uns dann fortreißen, zwischen uns schleppten sich die Läufer hindurch.

Eigentlich ein Kuchen

Wenn man das Hauptgebäude der Universität betritt, einen kleinen Lichthof durchmisst und im darauf folgenden Gebäude links in einem Gang folgt, an dessen Wänden Schaukästen die Anschläge des Prüfungsamts präsentieren, gelangt man in ein helles und weitläufiges Treppenhaus, in dem sich breite Stufen emporschrauben in den fünften Stock, auf das Dach. Es gibt einen Fahrstuhl, an dessen Warteschlange wir uns vorbeidrückten, der bis in den vierten Stock fährt, doch für die letzte, etwas abseits liegende Treppe gibt es keine Alternative. Sie führt in einen kleinen, karg eingerichteten Raum: In das Café dieses Forums, das zum Fachbereich Architektur gehört und seinen Besuchern die Epoche der Klassischen Moderne präsentiert. Junge Menschen stehen in Mäandern vor der Kaffeeausgabe, draußen auf der Dachterrasse stehen lose Stühle, und jene, die nicht in Gruppen sitzen, richten sie aus in Richtung der Alpen. Klassische Moderne: Flugzeughangar im Winter, ein leeres Speicherkabinett mit Blick auf die Berge.

Torte und Tee

Der Concierge schaut uns freundlich entgegen und weist uns den Weg: Links liegen die Aufzüge und im siebenten Stock sei die Terrasse und das Café, einen Stock überhalb des Schwimmbeckens auf dem Dach dieses Hotels. Gäste in Handtüchern oder Bademänteln bestellen sich eine Erfrischung mit Kokosraspeln, wir sitzen neben zwei jungen Männern, die einen Sekt im Eiskübel bestellen, anstoßen und beim Sprechen nicht aufeinander achten, den jeweils anderen geradezu missachtend über ihn hinwegsehen – ich beobachte sie lange mit ihrer übertriebenen Mimik, die sich nicht anblicken beim Reden, als kennten sie sich seit einem halben Jahrhundert, als führten sie eine eingerostete Ehe, in der alles Gewohnheit ist, eingespielt, alles eingeschliffen, geprägt. Es kommen Gruppen von Frauen heraus, die sich laut unterhalten, im hinteren Teil der Terrasse beschwert sich ein in Handtücher gekleideter Hotelgast beim stoisch mechanisch dreinschauenden Kellner, der pflichtbewusst einen Teller in die Küche zurückträgt. Als wir gehen, nehmen zwei ältere Herren unseren Tisch, ich verabschiede mich, beide schauen grußlos an uns zweien vorbei, als gäbe es keinen von uns.

Gedeck

Vivaldi, das wunderschöne Mädchen und ich sitzen am Tisch, wir haben das beste Geschirr aufgedeckt und in der Bäckerei eine Straße entfernt eine Torte gekauft. Unten sammeln sie die Pylone ein, die Nachhut ist eingebogen auf die letzten Kilometer des Laufs, während hinter ihnen eine Gruppe älterer Männer bereits die Absperrgitter auf den LKW heben. Unser Tee knistert in der Kanne, wenn wir sie zurückstellen auf das Stövchen, weil sich durch die Hitze am Boden kleine Blasen bilden. Das letzte Stück Torte mit Blick auf den Asphalt, auf dem sich bereits ungeduldige Sportwagenpiloten den desinteressierten Menschen präsentieren, die noch an der Rändern der Strecke verweilen. Sie sind auf dem Weg auf die nächste Dachterrasse, Sekt oder Champagner zu trinken, in eine Umgebung, die hallt und die Menschen, die einen Kindle besitzen, wahrscheinlich als schlicht und modern euphemisieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.