Dreißig Bibeln machen fromm

Schön waren die Zeiten.
Normalerweise bin ich kein Mensch, der alten Tagen nachtrauert; sollte das dennoch phasenweise vorkommen, hat das bestimmt einen guten Grund, eignet sich aber nicht als Leitmotiv für mein Leben.

Als wir gestern in der Frankfurt Batschkapp vor der Bühne standen, sehnte ich mich allerdings in die alten Zeiten zurück, in denen man die Band noch auf direktem Wege und nicht nur durch diese kümmerlichen Displays der hochgehaltenen Digitalkameras und Multimediahandys sehen konnte. Spätestens seitdem die Hersteller eine Videoaufnahmefunktion integriert haben, nerven die Dinger auf Konzerten wirklich.
Ich, der auch mit Konzertfotos nie viel anfangen konnte, stelle mir die Frage nach dem Sinn der briefmarkengroßen Videoschnipsel mit grauenhaftem Ton. Zum Konservieren des abendlichen Eindrucks sind sie ebenso unbrauchbar wie zum Überzeugen von Freunden, und ein Konzert in der Erinnerung Revue passieren zu lassen, stellt sich mir reizvoller dar, als meine Phantasie mit dem Entschlüsseln des nicht erkennbaren Pixelbreis auszulasten.

Dass eine Fotomöglichkeit dennoch praktisch sein kann, habe allerdings auch ich erkannt. Ein paar lohnenswerte Bilder wären nie zustande gekommen (na nuuna na?), auch eignet sich diese Funktion für das Archivieren von Öffnungszeiten oder sonstigen öffentlichen Informationen, die ich allzu gern vergesse.
Für die mir stets fremd gebliebene Videofunktion gibt es allerdings auch begeistert angenommene Anwendungsszenarien. Warum also sollte sich nicht auch irgendwer Konzerte im Handy ansehen?

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