Dottore Mata

Ich habe noch italienischen Staub an den Schuhen, die ich im vorvergangenen Monat in Mantua trug. Staub von den Wegen zwischen den Kirchen und Palästen, Staub von den Straßen, auf denen wir mit unseren alten italienischen Fahrrädern fuhren. Staub, den ich nicht abtragen möchte am grauen Teppich im Büro vor der Stadt.

Fahrrad, alt, italienisch

Der Weg zu der Kirche führte vorbei an einem riesigen Einkaufszentrum, an damals schon verdorrt aussehenden Gräsern, unter der Mittagssonne, die Ende April schon beinahe unangenehm brannte.

Wenige Tage danach fuhren wir zu einem Radgeschäft – er vorweg in seinem italienischen Cabrio, wir hinterher in unserem gemieteten Kleinwagen – an dem ich selbst mit einer sehr genauen Wegbeschreibung vorübergefahren wäre. Heute schüttle ich den Kopf über mein damaliges Zögern, dieses eine Rad zu kaufen im Hinterhof dieses Geschäfts.

Unser Gastgeber und der Besitzer des Ladens, den er mir auf englisch vorstellte – Radbegeisterte unter sich, und ich mittendrin mit der Ahnung, bestenfalls an der Oberfläche des Wissens zu kratzen, doch immerhin begeistert von alter italienischer Handwerkskunst, deren Namen ich weiß. So halte ich mich gegenwärtig über Wasser: Ich flicke alte Schläuche, um etwas mit den Händen zu machen, mich langsam heranzupirschen an die Normalität, ein Fahrrad komplett zu zerlegen. Ich habe gestern den Keller umgebaut, dass man eine Werkstatt hineinbekommt. Für den Fall, dass das Rad irgendwann da steht, dieses Rad, das ich suche.

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