Die Wahl

Den Wahlsonntag habe ich irgendwo zwischen München und Pfaffenhofen verbracht, möglichst weit weg vom Ausnahmezustand, der München zur Zeit heimsucht. Ich dachte mir, wenn mich schon ein Betrunkener überfährt, möchte ich wenigstens gut aussehen, zog also die neuen Schuhe mit den Weltmeisterstreifen an und putzte das Rad heraus, das mich neulich noch nach Italien trug. Die Schuhe waren Belohnung dafür.

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Nächste Woche fahre ich wieder in Italien, diesmal mit dem Nachtzug nach Rom. Weil sie auf dem Ausnahmezustand ein italienisches Wochenende haben, bekamen wir gerade noch das letzte freie Abteil. Die Dame am Schalter schaute mich bei der Buchung verständnisvoll an, sagte, sie würde auch gern in den Süden flüchten in Wochen wie diesen, denn viele Menschen am Bahnhof seinen in einem bedenklichen Zustand. Drei Jahre sei sie jetzt hier, drei Jahre hat sie sich herauswinden können aus dem Gruppenausflug ins Bierzelt. Ich weiß was sie meint.

Kuchen

Das Dachauer Hinterland, das mich durch den Sonntag begleitete, ist weder Italien noch hübsch. Langweilig würde es nicht treffen, doch ich habe mich zweimal beim Gedanken erwischt, wie es wohl ist, durch die Gegend zu fahren, in der ich aufgewachsen bin. Im Süden sind die Farben schöner, das Grün intensiver und jenseits des Alpenhauptkamms hat die Sonne ein anderes Licht. Aber es reicht, nach Süden die Stadt zu verlassen, der Norden hat mich nicht überzeugt.

Dachauer Hinterland

Am Wochenende habe ich außerdem das – noch immer habe ich keinen guten Namen – Alltagsfahrrad (das klingt viel zu unspektakulär!) umgebaut: Endlich ein Rennlenker, endlich Bremsschalthebel wie an den Rennrädern. Die Stunden im Keller sind beinahe so schön wie die Fahrt. Es ist: Mit den Händen zu schaffen, Probleme zu lösen. Der Vorgang dabei ähnelt sich stets: Man tritt zurück, kratzt sich am Kinn und dann fällt einem eines der anderen Fahrräder oder das alte Holzkisterl ein, das genau dieses Teil beherbergt, dass man gerade sucht. Man braucht nur ein bisschen Spaß am Probieren, etwas Zeit und eine ausreichende Anzahl anderer Räder.

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