Die Sache mit den Schuhlöffeln

Was auch geschiehtAn diesem Wochenende habe ich meine neuen Schuhe eingelaufen. Es ist ja immer so eine Sache mit neuen Schuhen: Man sollte sie nie lange an einem Stück tragen, dass sich das Leder des Schafts und der Brandsohle langsam an den Fuß gewöhnt. Am Samstag abend besuchten wir alte Freunde, am Sonntag waren wir im Theater zu Gast.

Vielleicht hätte ich besser zuhören sollen. Es hatte etwa sechzig Minuten zuvor geregnet und wir waren froh, trockenen Fußes die Haustür der Freunde erreicht zu haben. C. nahm uns strahlend in die Arme, ich strich die Falten aus meinem Jackett und die Schuhe vom Fuß – das Einlaufen musste sich auf den Hin- und Rückweg beschränken. Er strahlte uns an, das Wetter würde schon halten: «Grillen!» Im Anzug. Ohne Schuhe. Ein paar Stunden später kniete ich vor ihnen im Treppenhaus, versuchte mein Bestes, sie ungläubig: «Schuhlöffel?»

In der Hotellobby warten einige andere, als wir uns bei der Rezeptionistin erkundigen. Es ist die letzte Vorstellung, für die wir uns hier zusammenfinden. Die Teppiche in den Fluren sind für die nächsten zwei Stunden ideales Terrain, das gestern Verpasste nachzuholen. In den Zimmern und Fluren des Hotels geschehen Dinge, und vor einem Zimmer recht bald nach Beginn werden wir aufgefordert: «Schuhe bitte ausziehen». Wir sitzen auf dem Bett, bzw. die anderen. Es hat gedauert, bis ich die Schuhe abgelegt hatte und als letzter, unter dem fragenden Blick einer Darstellerin, die wenigen verbleibenden Zentimeter auf der Bettkante erreichte: Die besockten Füße an der Wand gegenüber, dass ich nicht weiter abrutschen kann.

Die Gruppe wartet, ich wage erst gar nicht zu fragen und kämpfe einen einsamen Kampf, sie schaut und erklärt: «Sonst hätten die Füße nicht auf die Decke gedurft!»

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