Die Partei hat immer Recht

Haben die Alten alle träumen verlernt? Oder liegt die sentimentale Stimmung und das Schweifen der Gedanken an der Vergangenheit? Die alte Aufnahme der sowjetischen Nationalhymne verbreitet etwa den Flair alter NS-Dokumentationen im Fernsehen. Es geht eigentlich gar nicht darum, dass es “rechts” und “links” so eigentlich nicht gibt (also schon, aber wer zu weit geht, kommt “drüben” wieder an), es scheint als läge alles auf einem Kreis, oben – auf zwölf Uhr sozusagen – “die Mitte”, unten die extremen Positionen jeder Richtung auf sechs Uhr, die spätestens dort ineinander überfließen.
Ich war weder “kurz nach der Wende” in den neuen Bundesländern, gewann aber in den vergangenen Jahren einen wahrscheinlich noch ganz guten Einblick in das Leben dort. Noch habe ich die gut dokumentierten 30er und 40er Jahre erlebt, auch nicht “das Wirtschaftswunder” oder die Landung auf dem Mond. All das ist mir erspart geblieben.
Ein wichtiger Freund schätzt, dass schlimmere Zeiten erst anbrechen. An der deutschen Volksfront werden die Truppen bereits zusammengezogen. Die Antideutschen separieren munter in “Gut” und “Schlecht”, während ein als rechtsextrem eingestufter Unteroffizier das mir gegenüber auf den Punkt bringt: “Eigentlich wollen wir das Gleiche. Wir haben beide etwas gegen den Staat.”

2 Gedanken zu „Die Partei hat immer Recht

  1. Mein Kommentar:
    Wenn ich ehrlich bin verstehe ich den tieferen Sinn dieses Textes nicht, da mir der Zusammenhang auch nicht klar ist.
    Aber dennoch möchte ich einige Thesen näher kommentieren, da sie mir höchst widerstreben.
    “Es geht eigentlich gar nicht darum, dass es “rechts” und “links” so eigentlich nicht gibt (also schon, aber wer zu weit geht, kommt “drüben” wieder an), es scheint als läge alles auf einem Kreis, oben – auf zwölf Uhr sozusagen – “die Mitte”, unten die extremen Positionen jeder Richtung auf sechs Uhr, die spätestens dort ineinander überfließen.”
    Erstens lieber Niels: es gibt ein “rechts” und “links”, wobei dies natürlich letztlich der Definition obliegt – also das Ende der jeweiligen Richtung und damit auch der Beginn dessen wird durch die Radikalität der jeweiligen Position bestimmt. Natürlich mag es “Linke” geben, die so “radikal” sind und auf das nationale Argument der “Volksfront” eingehen und damit nach rechts abdriften. Ein wesentliches Merkmal der Linken (das ist meine Meinung) wurde allerdings von Deiner Seite bei diesem Gedankengang vergessen, was bei diesem “Ineinandergehen” auch nicht von Relevanz ist, für die Linke (Kommunismus und Sozialismus) aber höchst wichtig sein sollte: Internationalismus. Das ist bitteschön auch ein sehr prägnantes Moment der Abgrenzung zur “Rechten”. Natürlich gab es auch mal andere Zeiten, als das wilhelminische Schlagwort ertönte: “Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche.” Dies führte aber auch zur Spaltung der Sozialdemokratie und deren Ende unter emanzipatorischen Gesichtspunkten. Ferner wären Abgrenzungsmomente meiner Meinung nach politische und gesellschaftliche Emanzipation beider Geschlechter, radikaldemokratische Mitbestimmung, Abschaffung des Privateigentums, kurz die freie Assoziation unter Gleichen. Dass es auch in der Linken einen verborgenen Nationalismus und Antisemitismus gibt ist meiner Meinung nach unbeschritten, wie weit mensch damit geht das ist jedem selbst und damit auch den Antideutschen überlassen. Nicht alle ihrer Positionen sind schlecht, so einige aber auch zu hinterfragen.
    Kurz: ich widerspreche eindeutig Deiner “Theorie von der Uhr”. Diese ist hanebüchen. Zudem verstehe ich den letzten Satz nicht. Wer ist das “mir gegenüber”? Der rechtsextreme Unteroffizier, die Antideutschen? Wo stehst Du? In der Mitte? Nach Deiner Theorie wäre rechts und links Dir gegenüber? Nach meiner eher zwischendrin. Natürlich kann mensch die Mitte noch definieren. Rein oberflächlich wäre diese in der Mitte zwischen Rechts und Links anzusiedeln, aber wenn wir ehrlich sind, erfordert eine antinationale und emanzipative Grundhaltung vielmehr Kritik und Widerstand als eine national orientierte und herrschaftslegitimierende. Adjektive, mit denen ich auch die “Rechte” verbinde. Die “Mitte” gibt es meiner Meinung nach nicht in ihrer Exaktheit. Wenn mensch sie suchen wollen würde müsste er sie auf der rechten Seite suchen.
    Soviel dazu.

  2. Hallo,
    ich las gestern einen Text, welcher nochmal meine These unterstreicht, dass viele, die sich als einfach “links” bezeichnen, doch “mitte” sind und damit tendenziell “rechts” (in manchen Kreisen auch als “Bauchlinke” bezeichnet:
    “In den Vorerhebungen einer Studie, die – nicht zuletzt aufgrund intensivierter Bemühungen national(istisch)-konservativer Organisationen, ihren Einfluß im universitären Bereich zu vergrößern – den Verbreitungsgrad rechtsextremer und fremdenfeindlicher Einstellungen bei Studierenden ermitteln soll, wurde festgestellt, daß bei einem nicht unerheblichen Teil der Befragten mit linksorientierten Selbstverständnis Unentschiedenheit gegenüber “nationalistischen und fremdenfeindlichen Statements” nachweisbar ist und “ein bemerkenswerter großer Teil…seine Zustimmung zu diesen Statements erkennen” läßt. Damit mehren sich aber die Anzeichen dafür, daß “die Studierenden…gegenwärtig schon in einem spannungsreichen Nebeneinander von linksliberalen demokratischen und anderen Ideologemen leben, die in ihrer Dynamik nach rechts tendieren. Der linksliberale Konsens verhindert nicht nur Einsichten in die jeweils eigenen Widersprüche der Studierenden, sondern stellt so etwas wie eine Schutzhülle dar, unter der die neurechten Ideologeme eine immer weitergehende alltagspraktische Plausibilität gewinnen können” (…) Trotz Zunahme liberalerer Einstellungen ist daran zu erinnern, daß der autoritäre Charakter als massenhaft auftretendes Phänomenen und Ergebnis der herrschenden Erziehungs- und Sozialisationspraktiken längst nicht überwunden ist. (…) ´Zeitgeist-adäquat´ könnte eine solche “neurechte Ideologie als ultrarealistische Leistungsideologie” es nicht nur erlauben, “Konkurrenten institutionell nachhaltig auszuschließen” sondern gleichzeit das Gefühl verstärken, “nonkonformistisch gegen bestehende Lebensverhältnisse zu handeln”. (…)”
    aus: Birgit Wellie, Hochschule als Arbeitsplatz und politischer Lebensraum – zur Sozialisationsrelevanz der akademischen Freiheit, in: Die Politisierung des Menschen, Instanzen der pol. Sozialisation, Leske + Opladen 1996, S. 225 f.
    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen.
    Freundschaft!

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