Der Typ vom Grab nebenan

Der Kaffee versucht, die deutlich zu kurze Nacht zu kompensieren.
Morgen ist also heiliger Abend und die Kürze der Nacht ist der bisherigen Geschenklosigkeit zuzurechnen. Freunde weilen in Frankreich, viele daheim und fragen mich, was ich in der nächsten Woche vorhabe. Auf Fragen, warum ich nicht zu Hause verbrächte, entgegne ich immer, dies sei mein zu Haus. Und ob ich allein sei beantworte ich mit einem Verweis auf Leo. Ansonsten habe ich ja die Bücher und die Musik. Und genug zu tun.

Ich setzte mich hin und, wie es so meine Art ist,
tat ich genau das, was Du von mir erwartest:
Ich begann damit, ihr Leuchten im Dunkeln zu beschreiben
und es mir in achtundvierzig Versen einzuverleiben
Nein: niemand ist allein! Und wir haben die Musik…

(Tom Liwa – Wir haben die Musik)
vor etwa einem Jahr in meinem Blog

Kennst du die Geschichte vom alten Kind? fragte sie. Nein. und: Der Titel klingt, als würde mir das Buch zu gut tun. Vielleicht aber ist auch das Gegenteil der Fall, dann wäre es in einem Atemzug mit der Legende vom Glück ohne Ende zu nennen. Ich will gar nichts fühlen, weißt du?
Ich habe gelesen: Die schwierige Sache mit dem Glück und fand es sehr gut. Und, weil Liegen lernen auch ein schmutziges Buch ist, nach dem ich sogar duschen musste, hielt ich das neue von Frank Goosen in der Hand. Wenn ich nachher Geschenke kaufen gehe… ein formidabler Vorwand.

Die schönsten Kuverts machst immer noch du.
Die Post kommt nur im Mittel pünktlich.

Er tat alles, wie es die anderen taten; es war aber eine entsetzliche Leere in ihm, er fühlte keine Angst mehr, kein Verlangen, sein Dasein war ihm eine notwendige Last…

Georg Büchner (in: Der Kulterer (Thomas Bernhard))

Ein Gedanke zu „Der Typ vom Grab nebenan

  1. Jaja, die üblichen Fragen zur Weihnachtszeit. Das Schlimmste: Man bekommt tatsächlich irgendwann ein schlechtes Gewissen, wenn einem alle zwei Tage von jemandem zu Verstehen gegeben wird, dass man mit der heiligsten aller Regeln bricht, wenn man nicht vom 23. bis mindestens 27. Dezember zurück in Mutterns Schoß kriecht…

    Bekloppte Welt.

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