Der sehr alte Hund und sein Herrchen

Du
blöde
Schalotte!

höre ich mich im Hinausgehen sagen und weiß, dass er diesen Satz zu verstehen Jahrhunderte braucht. Es ist beinahe verrückt, wie viele Dinge ich hasse.

Gestern, im Hinterhof zwischen den Mülltonnen, kam die Erkenntnis, dass man mitnichten nachsichtig wird; das Gegenteil ist der Fall. Vielleicht liegt es daran, sich eine Konsequenz angewöhnt zu haben, keine Zeit zu verschwenden, in der man barfuß auf einer Lichtung voll Moos durch den Wald laufen könnte.
Kurz: man gibt auf sich Acht.

Einhunder Jahre alte Buchrücken

Von den sechzehn gut einhundert Jahre alten ledernen Bänden, die ich heute im Antiquariat auf meinem Weg nach Hause entdeckte, besaß ich nur einen bereits. Später diskutierte ich in einem unscheinbaren Feinkostladen mit einer alten Italienerin, die meine Wahl mit einer Handbewegung mißbilligte und aus einem kleinen versteckten Regal eine Packung Kaffeebohnen zog, überschwänglich lobend, »Bohnen mit Geschichte«.

Es sind Situationen wie diese. Gliche der kleine Laden einem der Supermärkte, in denen die Kaffeebohnen nie ausverkauft sind, ich hätte diese Situation verpasst wie das Gespräch mit einer Sennerin, die endlich Bergkäse mit mikrobakteriellem Lab vertreibt, weil der Käseverkäufer dort anrief und mit ihr sprach.

Es sind Situation wie diese. Schließe ich meine Augen, träume ich einen verrückten Traum, von dem ich keinem erzähle. Vielleicht liegt das daran, dass ich gesehen habe, dass es geht. Während andere gegen den Staub in ihren Billy-Regalen mit Samstags dafür angeschafften Glastüren kämpfen, sind meine Füße dunkel vom Dreck auf unserem Balkon.

Und unten wartet der sehr alte Hund auf sein Herrchen.

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