Der Schuss in die Öffentlichkeit

Wie gestern bereits im Heise Newsticker zu lesen war, möchte Microsoft die Updates seines Betriebssystems für Raubkopien nicht mehr zur Verfügung stellen. Danach sollen laut Ballmer die Updates für nicht lizensierte Versionen gar nicht oder nur kostenpflichtig zur Verfügung stehen.

Im dazugehörigen Forum freuen sich die Linux-Fanatiker über das Ende von Microsoft, aber welche Auswirkungen hätte eine solche Entscheidung, würde sie denn fallen, tatsächlich?
Otto Normaluser, der sich bisher kaum um Sicherheitsupdates geschert hat, wird es egal sein. Firmen haben sowieso Lizenzen und können sich damit registrieren. Und die Halbstarken an ihren kraftprotzenden Game-Computern tun einen FTP-Server auf, der die Patches und Updates bereithält. Alternativ verbreiten sich die Sicherheitspakete über P2P-Netze.
Auf der anderen Seite ist allerdings – begründet auf der Unwissenheit des unbedarften Anwenders zu Hause, dessen System nun auch keine Updates mehr über die autmatische Aktualisierungssoftware von Microsoft beziehen kann – ein Anstieg der Ausnutzung von Sicherheitslücken zu befürchten. Es könnte also einfacher werden, Passwörter oder andere sensible Daten zu sniffen und zu missbrachen. Es gibt Stimmen, die einen “Internet-Führerschein” fordern und damit die Sensibilisierung in Sicherheitsfragen fordern. Selbstverständlich ist ein gewisses Hintergrundwissen wünschenswert, doch wäre der ein oder andere Computernutzer damit überfordert.
Ganz klar ist von Herstellerseite dem Missbrauch ebenfalls vorzubeugen. Der Schritt Microsofts geht meiner Meinung nach in die falsche Richtung. Schon die Einführung des monatlichen “Patch-Day” ist fahrlässig, da auf aktuelle Sicherheitslücken meist nicht unmittelbar reagiert wird. Die Frage, warum Microsoft ebenfalls nicht lizensierte Windows-Versionen unterstützen soll, lässt sich aus marktwirtschaftlicher Sicht recht einfach beantworten: Am guten Ruf, den Windows bei Heimanwendern genießt, wird natürlich von auftretenden Missbrauchsmeldungen gekratzt. Hierbei wird vermutlich nicht unterschieden, ob das Windows lizensiert war oder nicht. Nur ein Bruchteil der Windows-Lizenzen dürfte registriert sein aus Angst vor dem Eindringen in die Privatsphäre, die im Falle Microsofts jedenfalls in der Vergangeheit begründet war. So ist es also möglich, dass einige Benutzer von Microsoft weg auf freie Betriebssysteme wie Linux oder Unices bzw. samt Hardware auf die Apple-Plattform schwenken werden. Indes ändert sich für den Softwarehersteller aus Redmond kaum etwas, da weder Lizenzgebühren noch Marktanteile verschwinden. Doch mit der Verbreitung von Linux könnte die Akzeptanz bei unbedarften Anwendern wachsen, was zumindest langfristig einen Einbruch der Marktanteile für Windows zur Folge haben könnte.
Als ein auf Profit ausgerichtetes Unternehmen dürfte sich Microsoft schwer tun, diese Entscheidung tatsächlich zu fällen. Die Idee krankt an der gleichen Stelle wie die Klagewellen der Musikindustrie gegen Tauschbörsennutzer: Es wird davon ausgegangen, das jedes Album, das sich ein Benutzer herunterlädt, von diesem gekauft werden würde.

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