Der kleine Knigge

Da wirft man mir also vor, ich sei zu unpolitisch und – was eigentlich schlimmer ist, denn ich verstehe unpolitisches Handeln nicht als schlimm – beteilige mich an einer Hetzjagd auf einen, der (noch) dem StudiVZ vorsteht.

Die Ausrede, dieser Blog wäre privat, gilt insofern nicht, da diese »Privatheit« dem Herren bereits von der Blogosphäre – zu recht – um die Ohren gehauen wurde: Was im Netz steht, ist nicht mehr privat. Zumindest kann man sich nicht darauf berufen, denn mag es auch privater Natur sein, alle Internetuser haben potentiell Zugriff darauf. So geschehen mit der Einladung im Stil einer NS-Postille.
Ich muss mir also vorwerfen lassen, ich würde mich am Absägen Darianis beteiligen. Darauf möchte ich eingehen.

Die genannte Einladung halte ich für eine grobe Verfehlung – Darianis Aufforderung, sich mit der eigenen Geschichte anders auseinanderzusetzen als bisher steht auf einem völlig anderen Blatt – weswegen ich mich vom StudiVZ abgemeldet habe.
Dass Daten zum Verkauf gesammelt werden, wäre für mich noch kein Grund gewesen, dieser Flirtplattform den Rücken zu kehren, ein dicker Hund ist trotzdem, dass man dies offensiv äußert. Wenigstens ehrlich.

Der Vorwurf, ich beteilige mich an einer Hetzjagd, wiegt schwer.
Dariani ist mir unsympathisch (von Fotos, von seinen Äußerungen, von seinen Blogeinträgen und den Videos, die ich von ihm kenne, wegen der Einladung und der Unfähigkeit, sich dafür zu entschuldigen (und ich meine, dass er sich dafür entschuldigen muss)). Meiner Meinung nach genießt (besser: genoss) er seine Prominenz und stilisierte sich selbst zum Vordenker und Vorsteher der Community, so kam es mir jedenfalls vor.
Ich bin der Meinung, dass jemand, der sich so verhält, nicht in diese Position gehört.

Das hat mir viel Kritik eingebracht und den Vorwurf, ich würde die Fähigkeit eines Menschen an seinem Betragen festmachen. In der Tat meine ich, dass man sich gesellschaftskonform und manierlich zu verhalten hat, wenn man sich in einer Position wie dieser befindet. Mag sein, dass manchem die Regeln nicht passen, dass nach ihnen gespielt wird ist allerdings Fakt. Das kann man gut finden oder nicht.
Nun bin ich ein Verfechter dieser Regeln, andere sagen “spießig”.
Ich sage: Weg mit Dariani. Oder er rehabilitiere sich.
Das hat er in meinen Augen nötig. In denen anderer nicht.
Hier bin ich nicht konsensfähig. Als Beteiligung an einer Hetzjagd empfinde ich meine Äußerungen dennoch nicht.

Das andere, von Dariani unabhängige, Problem, dass StudiVZ scheinbar kein Interesse daran hat, die Server- und Erreichbarkeitsproblematik in den Griff zu bekommen (obwohl sie eigenen Angaben zufolge 2,5 Mio. Euro Venture Capital im Rücken haben), lässt auf eine denkwürdige Priorisierung schließen und Äußerungen, die »Studis« stünden im Mittelpunkt des Unternehmens, in einem anderen, einem fragwürdigen Licht erscheinen.

Die ganze StudiVZ-Problematik wurde und wird an der Blogbar aufgearbeitet. Ich spare mir einzelne Links. Dort lassen sich auch Belege für die in diesem Text aufgestellten Behauptungen finden.
Ja, manchmal mache ich es mir einfach.

5 thoughts on “Der kleine Knigge

  1. Wieso hattest du dich eigenltich beim StudiVZ angemeldet? Was war deine Motivation? Ich wurde in den vergangenen Monaten ein paar Male gefragt ob ich mich dort nicht auch registrieren mag. Mir war das StudiVZ von Anfang an zu dubios, aber davon mal ab habe ich den Sinn des ganzen Portals nicht verstanden. Das schien mir damals noch ueberfluessiger als myspace. Hat StudiVZ auch Interessantes neben den Veroeffentlichungen die dieser Wochen ans Tageslicht kommen zu bieten?

  2. Ich finde die Idee des StudiVZ noch immer gut. Ich habe mir davon versprochen, verstreute Bekannte wiederzufinden. Dabei heraus kamen ein paar wertvolle Bekanntschaften, natürlich ein paar der verstreuten und oben erwähnten, sowie Schulfreunde und sogar Verwandtschaft in Hamburg.

    Ich habe mich bei myspace nie registriert und fand das StudiVZ immer eine gelungene Alternative (als es noch funktionierte, aber – wie erwähnt – scheint das nicht das vorrangige Ziel der »Chefetage« zu sein) zu OpenBC/Xing oder Stayfriends, die Nachrichtenaustausch erst bei gebührenpflichtigen Account-Stufen erlauben und sich aus meiner Sicht deswegen qualifizieren.

    Überlegungen, wie man das ganze dezentral aufziehen kann, finden sich hier:
    http://fx3.org/blog/2006/11/16/studivz-dezentrale-alternativen-unter-studentischer-selbstverwaltung/

  3. Danke fuer die Antwort.
    Generell finde ich das Thema sehr fragwuerdig. Vielleicht hast du schon etwas von Stine gehoert? Das ist eine Software die die Studenten der Hamburger Universitaet seit diesem Semester verwaltet. Sicher ist es nicht schlecht wie gut das bisher geklappt hat, da so eine Software nicht einfach zu realisieren ist. Dennoch sollte so eine Software wie Stine nicht ohne ausreichende Tests online gehen. Ich denke dass es auch bei dem in deinem Link vorgeschlagenem System aehnliche Probleme geben wuerde.

  4. Stine kenne ich nicht.
    Fragwürdig finde ich nicht die Art der Software an sich, sondern wie mit den Daten umgegangen wird – das ist ja auch ein Problem.
    Ich würde ein solches System begrüßen, wenn der Schutz der Daten sichergestellt ist. Um die Realisierung oder überhaupt die Machbarkeit dieses Modells habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Spannend wäre dies, gerade weil ich mich schon beruflich/studientechnisch mit verteilten Systemen beschäftige.

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