Das Schloss

Man muss schon Kafka gelesen haben, um diese deutsche Bürokratie mit einer gewissen Gelassenheit zu ertragen.

Ich kehrte gerade zurück von einem Spaziergang, den ich mit Kafka in der einen und einem alten Freund an der anderen Hand erledigt hatte. Hier oben unter dem Dach herrscht für gewöhnlich eine gemütliche Temperatur, aber irgendwann vor dem Tag der Deutschen Einheit ist eine Pumpe ausgefallen und hat das Haus in eine fahle Kühle gelegt. Der alte Freund hat darauf verzichtet, nach oben zu kommen und einen Tee einzunehmen, so blieb mir die Ruhe am Nachmittag, die von einfach verglasten Fenstern gegen die Lärmenden unten auf der Gasse verteidigt wird.

War es nicht an einem Sonntag nachmittag?

Man kann diese Stadt sehr gut orthogonal zu den Straßen durchqueren, die jene benutzen. So kommt man zu einem alten Café, in das sich selten Touristen verirren. Selbst Barbour-Jacken trägt man hier selten, man kennt sich und nickt sich wohlwollend zu. Es ist eines dieser Cafés, in das man gern allein geht, man begegnet sich dort wie selbstverständlich. So saßen wir nur wenige Stunden zuvor an einem der hinteren Tische und haben – wie man sagt – den Sonntag genossen.

Den Tee trank ich schließlich (hier oben) allein, die letzte Tasse hinterlässt noch ihren Atem in der Kühle des Raums, die sich die Kerzen langsam geschlagen gibt. Frau Hoffmann – die Katze – zuckt schlafend im Bett, sie werde ich gleich zur Seite schieben und irgendwann heute Nacht in die Gasse entlassen. Die Woche kann kommen.

(Foto: Peryton – Marburg, 16. August 2009)

2 Gedanken zu „Das Schloss

  1. ach, schau … mir scheint, wenn ich dich fotographiere, siehst du zerzauster aus (lebensnäher?) als auf den fotos, die du sonst von dir präsentierst (… räusper …)

    schickst du mir das bild mal? möglichst gross, bitte, wie immer. das will ich auch mal zeigen

    bin gerade am bodensee und habe überlegt, ob ich auf dem rückweg den (um-)weg zu dir schaffen kann. nein, niels, ich denke noch darüber nach; weisst doch selber schon: im alter wird die zeit knapp

    und noch etwas erfreuliches, vielleicht? ich hab ein neues lied geschrieben. hmmmm Рja. ein sch̦nes. wird dir gefallen, glaube ich

    liebste grüsse – und: jajaaa, ich sag noch rechtzeitig bescheid

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