Das Bild im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit

Ich habe den heutigen Feiertag damit verbracht, Betriebssysteme von Mobiltelefonen zu aktualisieren. Nun kann man einwenden, dass dies ja nicht nötig gewesen sei und die Telefone früher oder später wieder in der Schublade verschwinden, man also die Zeit hätte durchaus sinnvoll verwenden können, doch den Kern der Sache trifft das nur halb. Wir, die nicht aufpassten, sind zu einem Volk von Smartphonebenutzern geworden, die nützliche Funktionalität mitbringen. Und ebenso natürlich verändert sich unser Verhalten. Waggons voller guter Beispiele bieten sich morgens in der U-Bahn oder im Bus. Als Dorfkind bin ich in den den Achtziger Jahren keine U-Bahn gefahren, als ich Ende der Neunziger Jahre Abitur gemacht hatte, besaß einer von einhundert ein Telefon: Ein großes graues Gerät mit grün-schwarzem Bildschirm, der nur Zahlen darstellen konnte.

Nokia 6310i

Von Zeit zu Zeit hole ich ein altes Telefon aus dem Schrank, bei dem man als Benutzer wenig selbst machen konnte: Keine Bilder, kein Social Media, Telefonieren und Nachrichten schreiben ging schon. Um das Betriebssystem des Telefons zu aktualisieren, musste man zu einem der seltenen Händler gehen, die ein spezielles Gerät in der Werkstatt hatten und eine Stunde warten. Jedes Update kostete Geld und eigentlich waren die Updates damals ebenso wichtig wie heute. Nicht erst nach dem Sturz vorgegangene Woche habe ich darüber nachgedacht, ob es wirklich ein Gewinn ist, mit dem Telefon zu fotografieren und die Bilder unterwegs in die sozialen Netze zu laden. Was würde sich ändern, eine Kamera mitzunehmen um erwähnenswerte Situationen festzuhalten und diese Abends vom Laptop zu Hause in den Netzen verfügbar zu machen. Von einer deutlichen Verbesserung der Bildqualität abgesehen wirkte man der Inflation der Bilder entgegen.

Buch im Bildschirm

Aber: »Unterwegs auf Instagram schauen, Nachrichten und die RSS-Feeds lesen, Twitter, Facebook, hin und wieder ein Spiel!« Die Entgegnung hierauf ist einfach: Ich nutze die Möglichkeiten tatsächlich selten, seit ich aufgehört habe, U-Bahn zu fahren. In Zügen habe ich meinen Laptop dabei und mindestens ein gebundenes Buch. Ich bin nur unsicher, weil ich fürchte, etwas zu verpassen. Nicht im Hinblick auf Information, sondern auf das Wissen, wie das alles funktioniert. Ich habe nicht die Motivation, mich der Technik zu entwöhnen, ich möchte nur weniger zerstreut leben, getrieben von Information. Abschalten. Lesen. Fotografieren. Am Blendenring drehen und dann, nach endlos erscheinender Zeit, den Auslöser zu drücken und nicht einen Lautstärkeknopf oder einen Bereich irgendwo auf dem Schirm.

Bilder

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