Coffee to stay

Ich habe den Kindle in die Ecke gelegt. Seit Tagen kommen wieder stapelweise Bücher bei mir an, bevor ich ein eBook kaufe, zahle ich zehn Euro mehr für die gebundene Ausgabe oder – wenn es nicht anders geht – die zwei Euro für das Taschenbuch. Und so reise ich doch wieder mit einer dedizierten Tasche für Bücher, die ganzen Vorteile von Hintergrundbeleuchtung und Gewicht der Bibliothek hinter mir lassend, denn das ist nicht, worum es geht.

Kindle Nook Sony Reader I say Hardwick this sure is an impressive library a cartoon by Jeffery Koterba

Es geht um das Gefühl, es geht um die Haptik. Einen Plastikkasten in der Hand zu halten und auf einen Bildschirm zu starren bleibt etwas anderes als die Maserung und der Geruch des teilweise Jahrzehnte alten Papiers, die sich von Buch zu Buch unterscheiden. Wie ich Notizen auch noch immer handschriftlich mache, weil ich mir einbilde, einmal durch den Stift auf das Papier gesetzt habe ich sie länger präsent im Gedächtnis als in einem lokalen Wiki auf meinem Computer. Auch hier bin und bleibe ich analog.

Schloss Trautmansdorff

Ich habe aufgehört, Coffee to go zu trinken. Vielleicht, weil ich die Zeit im Café brauche, meine Notizen zu sortieren, weil ich einen Freiraum brauche zum Lesen, in den ich mich bewusst begeben muss, weil ich die Bücher digital nicht mehr dabei habe. Sicher, weil die Abfallerzeugung durch die Kaffeebecher dumm ist. Wie vieles zur Zeit.

b: Jeffrey Koterba

3 Gedanken zu „Coffee to stay

  1. Nicht dass ich Mister Lebenskunst höchstpersönlich wäre, aber ich habe in meinem Leben noch keine 10 Pappbecher-Kaffees geschlürft. Das ist nur etwas für Notfälle. Und so ähnlich kann man das mit den Bücherlesegeräten auch sehen. Besser damit lesen als gar nicht, aber wenn man wirklich die Wahl hat, sind andere Optionen oft vorzuziehen.

    Und dazu gehört m.E. auch, sich nicht permanent irgendwas reindrücken zu müssen, sei es Buchinhalte, Mails übers Mobilgerät, Musik per Ohrstöpsel und was weiß ich noch alles. Aber vielleicht ist das zum Teil auch eine Altersfrage, dass irgendwann das Bewusstsein dämmert, dass weniger manchmal mehr ist.

  2. Ich sehe das mit dem Kindle komplett anders. Ich empfinde dieses kleine Gerät als Segen. Es hat meiner Meinung nach nur Vorteile: Man kann damit im Bett lesen, ohne seine Partnerin zu stören (oder seinen Partner, je nachdem), man kann echt viele Bücher überall mit hinnehmen, ohne dass man noch eine extra Tasche dafür braucht. Man kann das Ding mit einer Hand halten, egal, wie schwer das Buch wäre. Das E-Ink-Display ist angenehm zu lesen, für mich zumindest. Ich lese “echte” Bücher nur noch, wenn ich sie geschenkt bekomme oder wenn es keine elektronische Version davon gibt.

    Bei dem letzten Absatz bin ich allerdings wieder bei dir. Und abgesehen davon gefällt mir der Text :)

    Viele Grüße und einen guten Start in 2015!

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