Chanson an die Frisur

Wüssten das meine Eltern, sie würden Dinge sagen wie: »Diese Kombination aus “Sie” und deinem Vornamen, das passt doch gar nicht!«
Meine Markthalle liegt die Straße runter, statt Schweinebraten gibt es dort neue Frisuren, und wird von allen meinen Freunden gemieden, die nicht verstehen, wieso man regelmäßig einen Betrag in die Frisur investiert, der verglichen mit den Preisen des Haar-Discounters um die Ecke oder »Juttas Haarstudio« geradezu maßlos erscheint.
Ich frage sie dann immer, ob ihre Friseurin oder ihr Friseur von russischem Punkrock erzählt, von Hamburg, Berlin und München oder von Themen, die man anspricht, wenn man sich bereits drei Jahre kennt. Meistens legen diese Freunde deutlich mehr Wert aufs Essen.
Aber sie kennen meine Friseurin ja nicht.

»Für dich ist dies Gedicht geschrieben.
Dafür sollst du mich einmal lieben.
Dafür sollst du mich einmal küssen.
Und nicht nur einmal, sollst du wissen.
Und nicht nur küssen, meine Liebe.
Ich denke auch an andre Triebe,
Die, weißt du, weiter südlich liegen.
Ich dichte nur. Um dich zu kriegen.«

Rayk Wieland (SZ Wochenende vom 3. März)

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