Archiv der Kategorie: Netzkultur

Treffen sich die Leute, die wir nicht mögen, immer noch auf den Terrassen

Blogs sind irgendwie so erwachsen. Ich meine damit die ,,richtigen” Blogs, die zurecht hunderte Leser haben (,,zurecht” weil ich sie ja auch lese :-)).

In den anderen Blogs, damit meine ich Communities wie LiveJournal (mit dem ich damals selbst anfing), kursieren noch heute Fragebögen wie damals und man trifft dort noch immer die gleichen Leute, die heute genauso aktiv sind wie früher. Dabei schleicht sich das Adjektiv hängengeblieben in die Gedanken; man selbst schreibt jetzt schließlich (wo)anders, und man hätte doch kaum das eigene Blog auf dem eigenen Server mit der eigenen Domain, wenn man es damals beim LiveJournal so klasse gefunden hätte (wobei es phantastisch ist, dass solche Dienste existieren!).

Auch in der Blogosphäre, die sich gern vernetzt gibt, ohne den anrüchigen Muff einer Community, und doch irgendwie lose und frei ist – jedenfalls habe ich dieses Gefühl -, auch in Kleinbloggersdorf also existieren Fragebögen. Doch im Gegensatz zu jenen von früher wirken diese erwachsen – im Sinne der Fragen. Vielleicht gibt es die anderen auch, irgendwo am Rande, weit weg von meinem Bewusstsein; auch ich lese am Rand ein paar Blogs – wahrscheinlich häufiger als Blogs in der Dorfmitte – und ich lese sie gern, weil die Menschen mich faszinieren. Vielleicht ist man sich auch deshalb in der Schrift so sympathisch, weil man gemein hat, dass einen diese jugendlichen Fragebögen nicht mehr interessieren.
(Die Fragebögen sind nur ein Beispiel, das mir eben unter der Dusche einfiel. Vielleicht das Beste hierfür.)

Es sind Dinge unwichtig geworden.
Es haben sich Sichten verschoben.
Wir fahren ja heute auch anders.

Es ist beruhigend zu sehen
wie man älter wird

— Tomte – Theestube

Dogfood has left the building (schon eine ganze Weile)

Menschen emanzipieren sich, hoffentlich, gelegentlich.
Kein neuer Trend aber ein persönlicher ist die Emanzipation von Technik 2.0, die als Wundermittel im Internet gepriesen wird (bzw. wurde). Dazu zählen Blogs, Twitter, irgendwelche Online-Fotogalerien oder die sozialen Netzwerke, die man (glaube ich manchmal, wenn ich mit Freunden darüber rede) bald mit großem »S« schreiben muss.

Screenshot von Dogfood

Ich war irgendwann einmal Mitglied in mehr sozialen Netzen als jetzt, und das finde ich nicht schlimm. Ich habe den Trend des Twitterns und der Onlinegalerien auf Flickr (der gefühlt langsamsten Seite im Internet, auf die jeder zweite leider verweist) verschlafen und nie einen Urlaub mit geocodierten öffentlichen Fotos dokumentiert. Und mich deswegen nie schlecht gefühlt. Es gibt zahlreiche Blogs, die nicht weitergeschrieben werden. Diese drei allerdings würde ich tauschen gegen die oben genannten Techniken:
Kai Pahls Dogfood, Lyssas Lounge und Siebenviertel.com.

Ich weiß, dass sie teilweise anderswo schreiben.
Aber eben auch über andere Dinge.

Der lange Weg zurück

Vor ziemlich genau fünf Monaten habe ich mich beim StudiVZ abgemeldet. In diesen fünf Monaten habe ich bei Wein in fremden WG-Küchen meine Gründe breitgetreten, warum ich nicht mehr Teil dieses Netzwerkes sein wollte. Ich bin auf Widerstand und Zustimmung gestoßen, doch habe immer wieder gesagt, dass ich die zugrunde liegende Idee sehr sympathisch finde.

In den vergangenen fünf Monaten ist etliches passiert. Ehssan Dariani ist bei StudiVZ ausgeschieden. Die Webseite war aus Gründen der Sicherheit mehrere Tage offline. Die Firma wurde verkauft und haut einem jetzt nervige Werbung und ebensolche Sicherheitsabfragen um die Ohren.

Ich denke, ohne Schadenfreude oder Daten-Hysterie: In der Offenlegung von privaten Daten in sozialen Netzwerken müssen wir alle noch dazulernen. Ich hab da am Anfang auch Fehler gemacht – sag aber nicht, wo sie zu finden sind.

(Peter Turi in den Kommentaren)

Ich habe die letzten fünf Monate nachgedacht.
Und mich heute wieder angemeldet.
Ich freue mich, wieder dort zu sein. Andere auch:

Schön, dass du da bist!

»Ich habe nichts zu verbergen!«

Ein unzerbrechliches Spielzeug kann man gut dazu verwenden,
um andere Spielsachen damit kaputtzumachen.

(Van Roy’s Gesetz)

Frankreich, im November. Der Freund beugt sich herüber und sagt Dinge, die ich nicht hören möchte. Dinge, die mit Google zu tun haben und mit persistenter Datenspeicherung im Netz; mit Informationen, über die man in zehn Jahren vielleicht stolpert und die einem, wenn nicht sogar das Genick brechen, doch hinderlich sein können.

Warum der Satz »Ich habe nichts zu verbergen« eine grobe Fehleinschätzung der eigenen Situation ist, kann man in diesem hervorragenden Artikel in der Blogbar lesen.

Diedrich Diederichsen

Brief an die Eltern: Negativ aufgefallen weil uncool verhalten:
Hat laut versucht zu atmen und die Luft für sich behalten.

Weil ich gute Geschichten mag, weil ich sie gern lese und weil ich mich in Situationen, die aus Amélie-esken Filmen stammen könnten, weil ich Bilder liebe und weil ich unbedingt Teil einer Jugendbewegung sein möchte, kommt mir der Geburtstag von Onkel Ingo im letzten Jahr ins Gedächtnis. Und damit Diedrich Diederichsen, der mich in Ingos Stammkneipe angelächelt hat (ja, Doreen, er hat mich angelächelt!). Und weil ein Auslöser immer auch Konsequenzen bedingt, fällt mir jene Geschichte ein, die ich vor Jahren las und die mir gut gefiel. So schließt sich der Kreis, ich habe sie heute wiedergefunden: In einem Forum für höfliche Paparazzi.
Dass ich in beiden seiner Bücher, die ich besitze, auf Seite zwei stecken blieb, daran werde ich nicht gern erinnert. Trotzdem.
Vorbilder sehen so aus:

Diedrich Diederichsen

Nein, kein Vorbild. Mir gefiel nur das Foto.

Foto von Scheinschlag.de.

Der kleine Knigge

Da wirft man mir also vor, ich sei zu unpolitisch und – was eigentlich schlimmer ist, denn ich verstehe unpolitisches Handeln nicht als schlimm – beteilige mich an einer Hetzjagd auf einen, der (noch) dem StudiVZ vorsteht.

Die Ausrede, dieser Blog wäre privat, gilt insofern nicht, da diese »Privatheit« dem Herren bereits von der Blogosphäre – zu recht – um die Ohren gehauen wurde: Was im Netz steht, ist nicht mehr privat. Zumindest kann man sich nicht darauf berufen, denn mag es auch privater Natur sein, alle Internetuser haben potentiell Zugriff darauf. So geschehen mit der Einladung im Stil einer NS-Postille.
Ich muss mir also vorwerfen lassen, ich würde mich am Absägen Darianis beteiligen. Darauf möchte ich eingehen.

Die genannte Einladung halte ich für eine grobe Verfehlung – Darianis Aufforderung, sich mit der eigenen Geschichte anders auseinanderzusetzen als bisher steht auf einem völlig anderen Blatt – weswegen ich mich vom StudiVZ abgemeldet habe.
Dass Daten zum Verkauf gesammelt werden, wäre für mich noch kein Grund gewesen, dieser Flirtplattform den Rücken zu kehren, ein dicker Hund ist trotzdem, dass man dies offensiv äußert. Wenigstens ehrlich.

Der Vorwurf, ich beteilige mich an einer Hetzjagd, wiegt schwer.
Dariani ist mir unsympathisch (von Fotos, von seinen Äußerungen, von seinen Blogeinträgen und den Videos, die ich von ihm kenne, wegen der Einladung und der Unfähigkeit, sich dafür zu entschuldigen (und ich meine, dass er sich dafür entschuldigen muss)). Meiner Meinung nach genießt (besser: genoss) er seine Prominenz und stilisierte sich selbst zum Vordenker und Vorsteher der Community, so kam es mir jedenfalls vor.
Ich bin der Meinung, dass jemand, der sich so verhält, nicht in diese Position gehört.

Das hat mir viel Kritik eingebracht und den Vorwurf, ich würde die Fähigkeit eines Menschen an seinem Betragen festmachen. In der Tat meine ich, dass man sich gesellschaftskonform und manierlich zu verhalten hat, wenn man sich in einer Position wie dieser befindet. Mag sein, dass manchem die Regeln nicht passen, dass nach ihnen gespielt wird ist allerdings Fakt. Das kann man gut finden oder nicht.
Nun bin ich ein Verfechter dieser Regeln, andere sagen “spießig”.
Ich sage: Weg mit Dariani. Oder er rehabilitiere sich.
Das hat er in meinen Augen nötig. In denen anderer nicht.
Hier bin ich nicht konsensfähig. Als Beteiligung an einer Hetzjagd empfinde ich meine Äußerungen dennoch nicht.

Das andere, von Dariani unabhängige, Problem, dass StudiVZ scheinbar kein Interesse daran hat, die Server- und Erreichbarkeitsproblematik in den Griff zu bekommen (obwohl sie eigenen Angaben zufolge 2,5 Mio. Euro Venture Capital im Rücken haben), lässt auf eine denkwürdige Priorisierung schließen und Äußerungen, die »Studis« stünden im Mittelpunkt des Unternehmens, in einem anderen, einem fragwürdigen Licht erscheinen.

Die ganze StudiVZ-Problematik wurde und wird an der Blogbar aufgearbeitet. Ich spare mir einzelne Links. Dort lassen sich auch Belege für die in diesem Text aufgestellten Behauptungen finden.
Ja, manchmal mache ich es mir einfach.

Schnösel

Das war es also mit mir und dem StudiVZ.
Eigentlich eine nette Idee, Kommilitonen und andere Wahlverwandtschaften als “Freunde” hinzufügen und Kontakt mit ihnen aufnehmen zu können. Interessant ist allemal, mit wem die Exfreundin bekannt ist oder wer auf der Freundesliste des besten Freundes steht; eigentlich keine neue Idee, trotzdem wuchsen die Benutzerzahlen dieses Community-Systems schneller als dessen Server die Anfragen beantworten konnten.

Ich habe noch immer nicht den Eindruck, als würden sich die Betreiber um die Probleme des Systems und deren Lösung kümmern. Nach allem, was man in den vergangenen Tagen an der Blogbar lesen konnte, ist man vor allem mit einem beschäftigt: negativ aufzufallen.
Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es bis auf Spiegel Online geschafft. Der Artikel gibt einen guten Überblick über jene Aspekte, die man in Dons Artikeln an der Blogbar nachlesen kann.

Wir sind total gegen Zensur!

Für mich war die Verfehlung Darianis bezüglich seiner Einladung im Stile des Völkischen Beobachters der Grund, meine Sachen zu packen. Er hat es nicht einmal fertiggebracht, sich zu entschuldigen. Mich würde nicht wundern, wenn diesen Artikel, der die Presse beruhigen soll, auch »einer der ausländischen Praktikanten« geschrieben hat.
Die groß angekündige Information über die Finanzierung des StudiVZ jedenfalls schreibt bereits jemand anderes als der frauenbelästigende Unternehmensgründer.
Vielleicht hat der ja heute als Praktikant außerhalb gearbeitet…?

(Der Titel ist dem verlinkten Blogeintrag des Shopbloggers entnommen.)