Archiv der Kategorie: Musique

Vom irrationalen Versuch, die Menschen zu lieben

Ich bin zeitweilig nur begrenzt gut auf Menschen zu sprechen. Vielleicht liegt das an meiner Sozialisierung, die mit einem guten Wiener Freund und dem Autoren Thomas Bernhard zusammenhängt; dass es indes nicht schlecht ist, unvoreingenommen in fremde Länder zu reisen, hat sich unzählige Male gezeigt.

Küchenschrankkunst

Als wir am Sonntag in das Münchner Künstlerhaus kamen, hatte mich der Begriff Kammerkonzert begeistert und – wie sich wenig später herausstellte – geblendet. Ich mochte bisher stets die Instrumentierung bei Kammermusik und ihre Weise.

Tatsächlich hätte es mir Warnung sein können (ja: müssen!), dass ein Akkordeon spielte. Tatsächlich hat mich der Begriff »Faschingskonzert« nicht stutzig gemacht. Beides Folgen des Versuchs, meiner Skepsis (und Erfahrung!) gegenüber Mitmenschen keine Beachtung zu schenken – wie sagt man so schön: offen zu sein. Erst als vor uns ein mittelalter Mann Platz nahm in einer mit Löwen bemalten seidenen Weste, kroch die Vorahnung – mit ihr die Verzweiflung – eiskalt an meinen Beinen hinauf. Dann saßen wir da. Staunend. Und flüsterten uns in der Pause zu, man könne, ginge man jetzt, noch schnell etwas essen. Doch entschieden wir uns für die – noch irritierendere – zweite Halbzeit eines Potpourris, das wir nicht verstanden, das uns nicht berührte.

Der Pöbel tobte zuletzt. »Wir sind«, raunte ich ihr zu, »gefährlich nahe an Österreich.« Selten habe ich Bernhard verstanden wie in jenem Moment. Und doch weiß ich wohl: Mit Österreich hattte das gar nichts zu tun.

Ein Date mit dem Dalai Lama

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten für meine Verhältnisse sehr viele Filme gesehen. Obwohl mir alle gefielen, stach doch eine einzelne Szene im Film Pianomania deutlich heraus. Eine einzige, die viel mit der eigenen Sicht auf die Welt und dem Umgang mit Herausforderungen zu tun hat.

Die neue alte Lampe

Für alle Dinge, die gerade geschehen – und gerade passiert ziemlich viel – habe ich eigentlich keine Zeit. Keine Zeit mich zu freuen und gar zu planen, mit einem Auge bin ich irgendwie immer schon weg. Weiter. Zurück.

Nicht, dass sich das ändert; ich weiß, das ändert sich nicht. Jedenfalls nicht diesen Dezember.

Es leidet gerade so viel.

«Tut mir leid.»

Pianomania erscheint im April 2011 auf DVD.

Heart of the Continent

Left & Leaving

Das passierte zu einer Zeit, als der Streit zwischen dem Finanzamt dieser Stadt und dem Café Trauma gerade eskalierte und die Konsequenz daraus noch fern lag. In einer Zeit, in der man in niedrigen Räumen tanzte, das billige Bier noch nicht schlecht und die Musik angenehm laut war. Olli war Donnerstags immer da und man musste seinen Rollstuhl und ihn die Treppen hinauftragen und wieder hinab, die Stimmung war damals besser als in den behindertengerechten neuen Räumen, die man dem Café seitens der Stadt später zuwies.

In jener Zeit stürzte ich mich in die Menge und blieb, wo man mich fing, stehen, als er mir auf die Schulter tippte und wir ein paar Worte wechselten. Hinterher erfuhr ich, dass er ehemals in einer Hardcore-Band spielte, was ich ihm heute, Einblick wegen fehlgeleiteter Freunde habend, hoch anrechne.

Ich erzählte lange, ich hätte mich monatelang nicht gewaschen, wo sein Finger meine Schulter berührte. Das war gelogen wie das Früher war alles besser weiter oben.
Aber es hatte mehr Charme.

Wer die Monatskarte hat, sollte besser nicht am Monatsanfang sterben

Ein alter Tunesier

Wenn ein Fluss kein Wasser führt
muss einer, der rüber will, nicht schwimmen

Ich erinnere staubige Straßen, die Palmen säumten und Männer mit alten Gesichtern. Der Müßiggang hat Einzug gehalten und fremden Bussen winkt man gern, wenn man ein Kind ist. Eine verwitterte Katze sucht Essen im Müll, schaut ängstlich und scheu und kommt man zu nah, nimmt sie Reißaus.

All das solltest du sehen, auch wenn du sagst, du kenntest das schon. Du bist woanders gewesen und hast andere Menschen erlebt. Hinterher sei man entspannter und du könntest verstehen, wenn ich anders wiedergekommen bin.
Es ist die Entwicklung, die ich seit beinah zwei Jahren merke. Ich sehne mich nach etwas, das ich nicht kannte – verabscheuen tu ich nichts neues – unter dem Strich ein Gewinn.

Es ist alles so lächerlich, ich habe die Anzeigendrohung gelesen, die ein Michel an seine Hauswand geschlagen hat. Ich habe eine böse Befürchtung; vielleicht sind nicht Menschen en gros mein Problem, sondern bloß diese. Drum versteh ich mich gut mit Du weißt wen ich meine und mit den Wenigen, die anders sind.
Ich glaube, ich möchte irgendwohin.

Komm mit mir woanders hin
ich weiß noch einen Weg
den kann man nicht alleine gehen

Element of Crime – Bitte bleib bei mir

Ammerland

Tom Liwa ist in der Stadt. Ich hätte es beinahe nicht mitbekommen, jedes seiner Konzerte hat Geheim-Gig-Charakter und wie immer ist das Publikum angenehm klein. Später werden wir zu dritt auf den Couchen sitzen und Julianastraat im tête-à-tête-Konzert hören.

Tom Liwa auf der Bühne

Es wird einer dieser Abende gewesen sein, nach denen man immer zu wenig Schlaf bekommt.
Weil man nicht möchte, dass sie irgendwann enden.

Einer unglücklichen Liebe hinterherzulaufen, ist wie als Hund den Autos nachjagen; und das ist aus zwei Gründen sinnlos:
Erstens wird der Hund die Autos nie kriegen;
und falls er sie doch erwischt, kann er nichts mit ihnen anfangen

Der Schatz am Silbersee

Nach dem Brand

Am Ende war dann alles ganz unspektakulär.
Sollte es sich nicht anders anfühlen? Da geht eine Ära zu Ende und das fühlt sich also so an. Wenn das immer so ist, lasse ich nie wieder eine Ära zu Ende gehen, jedenfalls nicht aufgrund eines Gefühls des Wechsels.

Da packt man sein Leben in Kisten, um Musik nur noch online zu kaufen. Man zelebriert das letzte Hören jener CDs, die einem einst so wichtig waren.
Und dann fühlt sich das seltsam vertraut und richtig an.
Macht’s gut!

An Elephant never forgets

Tunesien

Ich habe wirklich versucht, mich in sie hineinzuversetzen, mir vorzustellen, wie das ist, mit nur einem halb vollen VW-Bus umzuziehen – mit ihr ziehe ich gerne um – und was das bedeutet: Die Bücher aus der Stadtbibliothek, genau wie die CDs und kauft man Musik, dann doch über iTunes, so dass man von den physikalischen Randerscheinungen verschont bleibt.

Ich habe wirklich versucht, nicht daran zu denken, in manchem mir so lieb gewordenen Booklet zu blättern (zum Beispiel in jenem, in dem Thees seine Lieder erklärt oder in dem mit den Bildern), ich habe mir den CD-Ständer und die Plattenkisten weggedacht und überlegt, was ich an deren Stelle hätte.

Ich habe wirklich versucht, im iTunes Store jene Lieder zu finden (und ich fand sie fast alle). Sie sind billiger und ich kann sie sofort herunterladen und zwei Minuten später schon hören.

Ich freue mich auf den Briefträger, der in fünf Tagen kommt.
Weil ich weiß, wie alte Bücher riechen.
Weil ich weiß, wie alte Platten klingen.

Jed the Humanoid

Jed the Humanoid is a song on the 2000 album The Sophtware Slump released by the Modesto, California indie-rock band Grandaddy. The song is an elegy for an android who drinks himself to death, and is taken to be central to the nature versus technology parable of the band’s sophomore album. A music reviewer for the The Guardian, Dorian Lynskey, called it “the saddest robot song ever written.”

Jed the Humanoid

t/p: Wikipedia

Der Satz im Kaffee reimt sich auf Abschied

Ein Lied, das ich in Zeiten der Melancholie sehr schätze.
Dort, wo die Pathetik wohnt.
Die Musik der Marburger Band, die es schon lange nicht mehr gibt, wird rausgekramt in Zeiten, die gerade erst begonnen haben.

Und irgendwie ist alles gut. Seltsam melancholisch; ich kann nicht behaupten, das vermisst zu haben und doch fühlt es sich angenehm warm an, wie ein alter Bekannter, mit dem man einst zu viel Zeit verbrachte. Von dem man sich länger entfernt hat und sich doch freut, ihn wieder zu sehen.
Wie beim zehnjährigen Abitreffen vielleicht, das in einer Woche beginnt.
Und wenn ich nicht mehr mag, kann ich einfach fahren.

Die Band, die ich meine: Hotel Stern

Der Satz im Kaffee
reimt sich auf mich.

Bei Skype gibt es da diesen Smiley…

John Dee, Olso.

Mädchen

Mein ersten Emo-Konzert. Ich kenne wirklich einige Comics, blöde Witze und Vorurteile über Emos, aber die sehen tatsächlich so aus. Auf Konzerten wie diesen haben sie sogar Handys mit schwarzem Bildschirmhintergrund. Und sie sehen alle aus wie Elliott Smith – der sich im Grab umdrehte, wüsste er das.
Diese Musik, von der meine Gastgeberin schwärmen wird »diese Melodie!«, die ich verpasst haben muss. Und Geschrei. Die Band kündigt another hardcore song an, doch man versichert mir, das sei Emo. Und Elliott wippt mit dem Kopf.

Die Bands, die hier spielen, kenne ich nicht. Mit der berliner wird meine Gastgeberin später Pizza essen gehen, wozu ich keine Lust habe. Ich werde lieber zwanzig Minuten auf die Bahn warten.