Archiv der Kategorie: Lifestyle

Leawiche Stuwwe

Ich habe mich heute morgen an eine Zeit in meinem Leben erinnert, in der ich morgens zu meinem Nachbarn ging, ihn oft aus dem Bett klingelte und er mir für die Minuten, die er im Bad brauchte, einen Kaffee servierte. Ich saß dann an den alten Doppelfenstern, die im Winter außen gefroren waren, und schaute den Eisblumen zu. Später gingen wir zu seinem Auto, das er üblicherweise an den alten Universitätsgebäuden abstellte, die noch heute die Physik beherbergen. Auf dem Weg zum Fachbereich Informatik kamen wir an einer Bäckerei vorbei, an der wir öfters anhielten wegen einem Brötchen und wegen Kaffee. Ich weiß noch, wie kalt der Nordwind war, bis wir in der Backstube standen. Heute morgen, im Kalten, um kurz vor 9 drüben allein in der Bäckerei hatte ich wieder dieses Gefühl, als die Kaffeemaschine vertraute Geräusche in den Raum schickte.

Isarauen

Das waren Zeiten! Ein bisschen heimelig ist es gerade, die Wohnung liegt still, nur nebenan blubbern die Kartoffeln auf dem Herd. Es läuft keine Musik und jeder, der laut sein könnte, schläft; die Nachbarwohnungen stehen leer, vielleicht, weil man bereits im Skiurlaub ist, vielleicht, weil man sowieso nur sporadisch hier übernachtet. Das köchelnde Wasser weckt die Romantik: Ich erinnere die Küche im alten Steinhaus am See, den alten Ofen, den man mit Holz anheizen muss und der die Küche in eine angenehme Wärme taucht, während vor der knarzenden Holztür der Flur in eisiger Kälte liegt in diesem ungeheizten Haus. Ein paar Minuten glaube ich ,,so möchte ich wohnen’’. Aber eben nur ein paar Minuten.

Graffiti

In diese Stille bricht die Musik vor mein inneres Ohr. Eine hessische Band, die es schon lang nicht mehr gibt, in hessischer Mundart. Ich würde – fände ich ihn – einen Link veröffentlichen, aber das Internet ist leer, wenn ich danach suche. Bis heute habe ich nicht herausbekommen, was ,,Leawiche Stuwwe’’ eigentlich sind; ich aber auch keinen der Alten gefragt. Es singt von der Atmosphäre in den alten Bauernhäusern, die aus den Wänden kriecht, wenn man still darin sitzt. Ruhig; allein; glücklich.
Und nebenan blubbern Kartoffeln. Es riecht ein bisschen wie früher.

Braunland

Heute Nacht wurden in Paris sehr viele Menschen ermordet. Noch gibt es niemanden, der sich zu den Anschlägen bekennt, doch wie es nun einmal die Sache der Sozialen Netzwerke ist, wird aber schon über die Konsequenzen diskutiert.

Was mich am meisten erschüttert: Jetzt ist der Terror da, der Terror, wegen dem unsere Ersteinrichtungen für Flüchtlinge aus allen Nähten platzen. In konservativen Kreisen ist man sich jedoch sicher, dass die Flüchtlinge nur deshalb ins Land kommen, weil sie mit ihren Smartphones schöne Alpenpanoramen fotografieren, vorzugsweise mit dem eigenen Haussee im Vordergrund und diese Bilder nach Hause schicken um zu sagen: »Kommt her, ich habe das Paradies gefunden.« Stattdessen wird spekuliert, wie diese Attentäter wohl ins Land gekommen sind.

Die Bauernschläue dahinter ist folgende: Die vollständige Netzüberwachung in Frankreich hat im Vorfeld nicht dazu geführt, diese Attentate zu verhindern. Da eine vollständige Überwachung Attentate jedoch verhindern würde, ist es wohl so, dass die Attentäter gar nicht vorher im Land gewesen sein können, sondern eingereist sind. Wahrscheinlich über die Routen, über die auch Flüchtlinge ins Land kommen. Wir müssen also alle Grenzen schließen! Das Perfide daran: Mit diesem Twist werden die Attentäter aus Frankreich mit den Flüchtlingen gleichgesetzt. Dies wird sich in den nächsten Tagen auch in der ein oder anderen öffentlichen Diskussion wiederfinden.

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Bullshit. Die Flüchtlinge kommen nicht wegen der Berge und den Seen. Würden die gleichen Konservativen einmal mit den Flüchtlingen reden, statt gegen sie zu hetzen oder sich um die Belastbarkeit des eigenen Landes sorgen, würden sie vielleicht auch von den Nachrichten hören, die viele zusätzlich zu den Bergbildern nach Hause schicken: »Kommt nicht, der Weg ist gefährlich und unangenehm. Es ist anders, als alle erzählen!«

Und während sie immer mehr Menschen anzünden
bist du noch immer am Reden, am Differenzieren
man dürfte seine Werte jetzt nicht verlieren!
Dieser Wert im Klartext heisst: das Weiterleben vom großdeutschen Geist

Das ist keine Urlaubsfahrt hierher, schon gar nicht für junge Frauen, die wie die Männer in großer Zahl zu Hause aufbrechen, aber nie ankommen werden, weil sie unterwegs sprichwörtlich auf der Strecke bleiben. Die unschönen Details überlasse ich deiner Phantasie; es ist nicht meine Aufgabe, die Geschichte des wunderschönen  Mädchens zu erzählen, die in der Flüchtlingsbetreuung für Jugendliche arbeitet – vielleicht will sie sie gar nicht erzählen. Und das ist das Drama. Die Menschen, die helfen, haben keine Energie mehr, im Netz über ihre Erfahrung zu sprechen, während die Demagogen ununterbrochen schreiben.

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Und jene der CSU machen ihrem Namen alle Ehre, sie verteidigen den deutschen Michel auf dem bayerischen Land. Grenzen schließen, Familiennachzug begrenzen oder besser noch: verhindern, komplett! In den Aufnahmelagern drehen die Jugendlichen durch, wenn über die Telefone die Nachricht kommt, dass ihre Mutter erschossen, der Vater in die Luft gesprengt oder der kleine Bruder zur Armee eingezogen wurde. Aber wo, frage ich sie, sollen die ganzen Flüchtlinge denn hin!? Doch bitte nicht unter die malerischen Zwiebeltürme der bayerischen Dorfkirchen! Das sind ja nicht einmal Christen!

Alle schauen sich hilflos um
und wissen nicht warum
und in welchen Löchern die Ratten lagen
die hier marschieren und losschlagen
doch sie lagen nicht in Löchern rum
oft sahn wir sie auf der Straße gehn
und sie grüßten dich mit gestrecktem Arm
Du hast eínfach weggesehn

So sind wir, der kleine Staat in der Mitte Europas, dem es wirtschaftlich so gut geht, weil er seine Waffen in Krisenregionen exportiert. Wir wundern uns, warum wir das Ziel der Flüchtlingsströme sind und haben Angst um unseren Besitz. So haben wir es eben gelernt: Wir, das sind die besseren.
Der deutsche Michel ist ein Einzelkind.

Wisst ihr noch, wie besonnen der Norwegische Ministerpräsident nach den Anschlägen auf Utøya reagiert hat? Ich habe große Sorge vor der Reaktion Mitteleuropas in den kommenden Tagen.

t: Slime – Schweineherbst

Erzengel Rapha

Vor genau zwei Wochen stand ich im Olympiapark mit zwei Freunden am Rande der Strecke und feuerte Cyclocross-Fahrer an. Einige Fotos habe ich bereits in der Galerie auf dieser Webseite veröffentlicht.

Am Rand der Strecke

Heute habe ich drüben im Radblog ein wenig darüber erzählt, wie dieser Samstag gewesen ist.

Die Kurzfassung davon lautet: Der Tag war toll, eBay ist furchtbar und ich bin jetzt pleite. Nächstes Jahr kann ich vielleicht/möglicherweise/umhimmelswillen aus einer anderen Perspektive berichten.

Alle Deine Worte

Wenn Du neben mir liegst
und im Schlaf murmelst
»Ba Ba Di«
manchmal schreist, weinst
und mich aus aufgerissenen Augen anstarrst
die zufallen, sobald Du mich siehst
hätte ich Zeit
hier zu schreiben.

Aber diese Zeitfenster sind selten, und sie sind sehr begehrt; alles konkurriert um diese Zeit: Meine Liste an Briefen, die ich schreiben möchte, ist lang, zwischendurch muss ich eMails beantworten, ein Fahrrad putzen und generell aufräumen – jeden der Räume, den Du betrittst.

Hier ist es zur Zeit etwas ruhig, doch sicherlich ändert sich das irgendwann.

Bleibt bitte.
Ich habe noch etwas zu erzählen.
Ich habe am Freitag gekündigt.

Chiemsee

Wam Kats 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung

Die Nacht war wirr und kurz, gegenüber flimmert die Fassade des Museums bereits in der Hitze und ich genieße den letzten Schatten auf dem Südbalkon, den Dinkelkaffee und die aufgestauten und gesammelten Artikel, die ich mir zum Lesen aufbewahrt habe. Das wunderschöne Mädchen ist zu einem See geradelt, das Haus liegt wieder still und ich bin müde von der Stunde auf dem alten Nordfriedhof, die wir mit den Füßen im nassen Gras verbrachten.

Museumsfassade

Genau so, denke ich mir, kann es jeden Tag sein. Sogar das frühe Aufstehen macht mir von Tag zu Tag weniger aus; die Stadt gefällt mir besser, wenn sie noch schläft. Allein im Grünen, das war auch jener Traum, den ich hatte, als ich das erste Mal nach Helgoland fuhr. Damals schon hatte ich das Kochbuch. Ich wollte jeden Tag kochen und im Oberland zwischen den Bombenkratern essen. Mein Appartement lag direkt am Kai und hinten bei der Jugendherberge führte eine Treppe die Felsen hinauf aufs Plateau. Ich hatte jedoch vergessen, wie Helgoland mit Lebensmitteln versorgt wird: Angebaut wird nichts, die wenigen Beete in der Schrebergartenkolonie dienen der Selbstversorgung. Das Regal der Bio-Waren im Insel-Edeka ist 60 cm breit und nur unwesentlich höher.

24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung

So fuhr das Buch unbenutzt wieder nach Haus. Bis gestern habe ich kein Gericht aus diesem Buch gekocht, es nur zweimal gelesen. Weil es neben den Rezepten autobiographische Geschichten enthält, die das jeweilige Essen in Bezug setzen zu der Situation, in der es entstand. Gestern gab es ,,Woodstock’’ – Chili sin Carne. Und falls ich heute Lust bekomme, Küche und Hände rot zu färben, bereite ich den ,,Rainbow“-Salat.
Die Zutaten habe ich hier.

Woodstock

Während ich mich langsam daran gewöhne, häufig zu kochen, weht ein bisschen Liebe durch die verwinkelten Gassen von Blockwartsdorf. Wir könnten mehr davon gebrauchen.

Blockwart

Intervalle (Voran voran)

Wir werden in den nächsten Minuten versuchen, die Schwelle deiner individuellen Leistungsfähigkeit herauszufinden.

Der Bahnsteig ist überfüllt. Ich wollte den früheren Zug nehmen, der ausgefallen ist. Wie immer, wenn ich allein reise, habe ich keinen Sitzplatz reserviert, bin so einer der Wenigen, die von der kurzfristigen Änderung der Wagenreihung nicht betroffen sind. Doch die Nachwirkungen erwischen auch mich: Deutsche Planungsfanatiker treffen auf Unvorhergesehenes;
die Germanen toben und schimpfen.

Ein Mädchen

Zeit, die Anstrengung zu erhöhen.
Verausgabe dich noch nicht zu sehr.

Ich bin unterwegs in den Norden, kaum jemand weiß etwas davon. Zu groß wären die Erwartungen und die Enttäuschung. Ich bin nur kurz dort, kaum jemand wird Notiz von mir nehmen. Haben Tomte nicht einmal gesungen »Und das Ding, auf dem ich fahre, fährt glaube ich zu schnell«? Ich bleibe nicht, ich steige nur um, bin ein Blitzlicht im Wald meiner Heimat. Nach dreißig Minuten bin ich schon wieder fort, ich habe ein Loch hinterlassen, das Liebste vergraben. Andere schütten die Wunde im Wald für mich zu.

Ein Mädchen

Die nächsten fünf Minuten werden dir sehr lang vorkommen.
Sehr lange.

»Es war ein langer Weg nach Hause, doch jetzt bin ich da.«
Mein Großvater lächelt das erste Mal seit Wochen.

Eine Geschichte über die Liebe und eine über Musik

Diese Geschichte reicht etliche Jahre zurück. Ich kann mich erinnern, wie ich ihn kennengelernt habe in Köln. Wir standen am E-Werk und warteten dort, sie führte ein Telefonat und dann hieß es, er käme in zwanzig Minuten. Es war warm und ich weiß nicht mehr, welche Band abends dort auftrat; vielleicht The Notwist, das würde passen. Irgendwann kam ein Taxi und ich erinnere mich, wie seltsam ich fand, dass er ein Taxi benutzte.

Seine Wohnung sah ich erst Monate später. Irgendwann saßen wir in einer Bar und sprachen über Diedrich Diederichsen. Siebzigerjahre Deckenanhänger schmückten die Wände und was mir außerdem im Gedächtnis blieb waren meine Magenprobleme aufgrund der Menge an Bionade, die ich an jenem Abend trank. Das alles liegt mindestens fünfzehn Jahre zurück.

Mixer

Er war es auch, der mich fragte, ob ich an seinem Geburtstag auflegen möchte und der mich unvorbereitet hinter ein DJ-Pult stellte. Ich hatte einige Platten dabei, ich war zwar nicht überfordert – zumindest kam mir selbst das anders vor – doch die Leute tranken ihr Bier lieber auf dem Balkon. Ich glaube, bei einem Tocotronic-Song kamen einige zurück in das Zimmer.

Jahre später, an unserem ersten gemeinsamen Abend im Zimmer meiner alten WG, stand ich mit dem Rücken zum wunderschönen Mädchen. Ich weiß nicht mehr, was ich aufgelegt hatte (ich wette, sie weiß es noch ganz genau!), doch als wir uns zum ersten Mal unter dem Mistelzweig küssten, der über meiner Zimmertür hing, bin ich mir sicher gewesen, dass der CD-Player und das Mischpult jeden Cent wert waren – auch wenn aus mir nie ein wirklich guter DJ werden sollte.

Plattenspieler

Es ist sechs Jahre her, dass ich das alte Mischpult und den CD-Spieler bei eBay verkaufte. Seit vorgestern trauere ich um den Player, nie hat mich ein Verkauf im Nachhinein ähnlich geärgert. Zum Glück habe ich den Plattenspieler behalten und all die Schallplatten und CDs, die ich im Zuge der Überzeugung, MP3s würden reichen, in Kartons verpackt habe.

Einen Scheiß reichen sie!
Und die Hardware kaufe ich mir gerade wieder zusammen.

Eine vermutlich ganz gute Sache

Ich wusste, sie würden kommen; weil ich es übertrieben habe, zu diesen Zeitpunkt übertrieben habe, vor allem wegen der fehlenden sechshundert Kilometer in den vorausgegangenen Wochen. Sie kamen, jedoch nicht bereits auf dem Weg hinaus aus der Stadt, nicht unten in den Auen beim Isarkanal, an dessen Ufer ich das letzte Gel mit dem Koffein zu mir nahm. Nicht einmal nach den Serpentinen hinter dem Kloster hinauf im Wald, vor denen ich mich (wie immer!) zur Besonnenheit mahnte, die ich (wie immer!) nach der zweiten Kehre vergaß. Am Ende werde ich fast eine Minute langsamer sein auf diesem Anstieg als im Mai vor zwei Jahren.

Kapelle irgendwie südlich von München

Lange bin ich nicht mehr am alten Ententeich gewesen mit dem verrotteten Steg. Ein Erpel taucht nach Essbarem, ob es der gleiche ist wie im letzten September? Vor drei Jahren habe ich hier angehalten und mich neben den Steg gesetzt, neben die beiden Enten, die in der Sonne schliefen. Sie blinzelten kurz hinüber und schlossen wieder die Augen, als sie wussten, ich würde den Abstand bewahren. Das ist etwas, das ich mir über die Jahre behielt. So fuhr ich vorbei, nur meine linke Hand verließ kurz den Lenker zum Gruß.

Arbeiter am Waldrand

Seit vier Wochen war ich nicht mehr im Büro, seit vier Wochen habe ich wieder mehr zu erzählen. Das fiel mir auf, als ich letztens bei M. saß und wir uns unterhielten. Vier Wochen, in denen ich mich mit Menschen unterhalte in Situationen, in denen ich vorher nie war. Wenn man sich treiben lässt und das Steuer dem Wind überlässt, erlebt man, was man sonst immer vermeidet. Nicht weil es schlecht ist, nur weil man es nicht kennt. Ich genieße diese Zeit wie den Kaffee in der Sonne wochentags zur besten Stunde in den Cafés dieser Stadt. Jetzt kann ich ihn mir leisten.

Ein guter Autofokus ist einiges Wert

Die Schmerzen kamen schließlich zehn Kilometer vor dem Ende der Fahrt zu einem Zeitpunkt, an dem ich nicht mit ihnen gerechnet habe. Als ich am Ende einer Unterführung aus dem Sattel ging, einen Jungen in meinem Alter zu überholen, fühlte es sich an, als würde jemand die Muskeln drückend quer zu meinem Oberschenkel bewegen. Ein Schmerz, wie damals auf dem Pausenhof der alten Schule, auf dem wir uns vormittags schlugen und quälten, um nachmittags gemeinsam im Baumhaus in der Krone der alten Eiche zu sitzen. Mit einem Blick auf unser Dorf, das vor uns lag und blinzelte, wir mögen den Abstand bitte bewahren.

A sad state

Ich bin in den letzten beiden Jahren den Großteil der Wochentage jeweils vierzig bis fünfzig Kilometer Fahrrad gefahren. In den letzten drei Wochen bin ich zehn Kilometer gefahren – insgesamt. Das ist nicht nicht anstrengend. Das auszuhalten ist Arbeit.

Jaguar E-Type

In diesen Tagen habe ich Freunde getroffen, erfolgreich, unterwegs und gestresst. Sie saßen vor mir, erzählten mir von den Berufen und verschmolzen etwas mit ihrem Hintergrund. Zehn Stunden arbeiten täglich, »mehr Ringe als Augen und die unterlaufen« (Kettcar). Alles bestens, man könne sich etwas leisten und sie meinten es wörtlich. Mit jedem Satz verschmolzen sie noch etwas mehr.

Kutsche

Ich habe die Sorge, mich in Teig zu verwandeln. Ein aufgeschwemmtes Gesicht, weiche Beine und einen Bauch, für den man eine Entschuldigung braucht. Schlimmstenfalls würde mir alles egal. Ich muss dringend einmal raus, »Ich bin wie diese Kügelchen, ich würde gern rollen, muss aber verharren, und bin damit nicht wirklich glücklich.«

Brei

Der ganz alte Mann und sein Hund

Aus dem Nebel winkt mir ein älterer Mann zum Anhalten. Er trägt dunkle Kleidung, sein Körper zeichnet sich vor dem schneebedeckten Hang des Kanals deutlich ab, meine Lampe zeigt an ihm vorbei in Richtung der im Nebel verschwindenden Straße. »Hund?«, ich entschuldige mich gestikulierend, meine Kopfhörer unter dem Fahrradhelm herausnehmend. Den dritten Satz verstehe ich endlich; er sucht seinen Hund, seit einer Stunde vielleicht, bei fünf Grad unter Null hier draußen zwischen dem Fluss und diesem Kanal.

Ladengeschäft

Den Hund sehe ich zehn Minuten später unsicher wartend an der alten Holztreppe hinauf auf die Brücke. Ich erinnere einen Freund, der sich immer wunderte, wie gut ich mit Hunden umgehen könne, die wir unterwegs trafen (dabei war es eher so, dass die Hunde selten wussten, wie ihnen geschah, bevor ich schmusend an ihrem Hals hing). Er hätte mich heute Abend sehen sollen, heute Nacht, dort draußen, dort unten am Fluss. Und später den Mann, seine Tränen und seinen Hund glücklich im Arm.

Ein ganz alter Mann und sein Hund. Ich mag diese Arten von Pärchen.