Archiv der Kategorie: Freundschaft

Redeemer

Dein Kaffee erinnert mich an immer ein bisschen an Zelten (der Geschmack – irgendwie). Wäre ich drüben aufgewachsen, sagte ich vielleicht »wie daheim«.

Wie man so reist

An die Zugfahrt gestern erinnere ich mich seltsam kurz und als wir wach lagen heute nacht und beide nicht einschlafen konnten (beide!), grübelnd über das, was andere Zukunft nennen, da wünschte ich, die Zeit würde sich etwas beeilen.
Und wir mit unserem Bus an eine Steilküste fahren, deinen Kaffee trinken und uns zu Hause fühlen, egal wo wir sind. Und die Hitze des Motors (noch von der Fahrt) wärmte so langsam die Matratze im Fond.
Die Vögel kreisten, sie spielten ihr seltsames Spiel.

Von hier oben kann man weiter sehen
als aus dem Moloch dieser doch hässlichen Stadt.

Zehn Zeilen über die Liebe

So langsam verstehe ich Antjes Frage. Ich glaube tatsächlich und sehe es oft, dass wer fröhliche Musik hört möglicherweise glücklicher ist. Ich bin nicht unglücklich, einen Grund dazu habe ich nicht. Aber es ist diese Grundmelancholie, die ich gern damit entschuldige, früh auf Tocotronic und Thomas Bernhard gestoßen zu sein. Wer (wie wir) Salzburg in der Weihnachtszeit kennt, hört solche Musik, liest solch Literatur.

Nur das pathetische Heulen,
davon habe ich langsam genug.

Am Tisch nebenan: Bildungsbürger
die versuchen, die Welt zu erklären.

Und du
und du
ihr
geht gleich durch den Eingang
steht gleich im Foyer
schaut gleich in eine Richtung
und braucht seltsam vertraut
eure Zeit.

Er sagt, ich bin zum Neinsagen alt genug. Andere sagen, zu alt.

Du weißt, Freund, ich hätte es anders geschildert. Ich sage nie, was ist, nur was ich sah. Darin steckt immer auch die Projektion des eigenen Zustands, den ich bei ihr nicht finden wollte und es (vielleicht!) nur deshalb tat, weil ich diesen Ort – dieses Alles – für einen ungeeigneten halte; vielleicht weil ich daran glaube, dass andere Orte gebührender sind.

Wenn mir morgen nichts besseres einfällt, lese ich Texte von dir. Ich habe eine Ahnung von dem, wie du dich fühlst und wähne mich glücklich zu sein über das, was uns bleibt. Mein Herz hängt wie deines an jemanden, den du kennst. Und der wohnt für meinen Geschmack zu weit fort.

Du hast mir das Auto voraus.
Ich spare darauf.

Emotionale Intelligenz

Das erste Mal, dass ich meinen Fuß über die Schwelle einer Oper gesetzt habe.

Ein internationales Wochenende liegt hinter uns. Così fan tutte auf italienisch (mit deutschen Übertiteln), Rumba auf französisch (mit deutschen Untertiteln). Naturgemäß hat mir der Inhalt der Oper nicht so gut gefallen wie der Inhalt des Films, der melancholisch-lustig war, tragisch eher.

Ich bin eher derjenige, der sagt, Lorenzo da Ponte hat Unrecht.

Und das glaube ich wirklich.

Und ich bin derjenige, der sagt, es wäre gut zu wissen, es ist wie in Rumba, wenn es so wäre, wie es in Rumba ist.

Das glaube ich wirklich.

Sachliche Romanze

Draußen prasselt der Regen, du bist so weit weg
und innen klingt dieses Lied.

una limosna por favor


Erich Kästner (1929)

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen, sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden,
wie andern Leuten ein Stock oder Hut.
Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.
Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.
Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie noch immer dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.


Student Affairs

Machmal frage ich mich, wie das wäre
wäre es anders (?)

Career

  • Du sagst, du willst tanzen und ich »Entschuldigung, ich habe nur diese Musik«.
    Dann lachst du.
  • Während wir liegen und durch das Dachfenster in den schreienden Himmel blicken, erzählst du, das finge jetzt an und wie man so anders sein kann.
    Dann lachst du.
  • Obwohl ich Busfahren hasse, liebe ich es im Regen. »Es gibt diese Musik, die mich melancholisch sein lässt«; »Es hat angefangen irgendwann im September«. Ich habe eine Ahnung von dem, was du erzählst, was ihr mir erzählt, die mir wichtig sind.
    Und ihr schweigt.
    Dann lachst du.

f: FOUND Magazine