Archiv der Kategorie: Freundschaft

These tracks here will keep you on the straight and narrow

Mein lieber Freund,

Airport Munichich erinnere unsere seltenen Treffen, hier oben sitzend, vorüberfliegend, auf dem Weg in die Heimat, nach unzähligen verschenkten Stunden auf dem Flughafen. Dabei höre ich die Musik jenes Films, den Du mir empfahlst, als wir einst darüber sprachen, als wir uns einst unterhielten; mit den Kopfhörern, die ich kaufte, als ich glaubte, jetzt gehe es los.

Auch wenn wir in der letzten Zeit regelmäßig im gleichen Land waren, kam stets etwas dazwischen. Ich bedaure es sehr, ich hätte Dich gerne getroffen. Woanders als dort – weil sich schließlich doch etwas ändert – woanders als dort, wo wir uns einst einen Treppenaufgang teilten und mehr noch als das.

Es gibt ein paar Konstanten in meinem Leben. Meine Rufnummer habe ich mir auf meinen Arm tätowiert, damit sie jeder von überall sieht. Wir haben einige Vorteile, sind frei in Gedanken; Ich könnte Geschichten erzählen! Beim nächsten Glas Wein, mein Lieber, bei der nächsten Zigarette auf meinem Balkon.

An echoless clock tick

Heute München, morgen Kempten, übermorgen Berlin. Das sind die Reisepläne in nächster Zeit. Naturgemäß gehetzt, aus dem Büro geflohen, überhaupt voran zu kommen, plane ich meine Flucht nach Helgoland zum Schreiben der letzten, wenigen Seiten. Die Robben und ich, im Sand, den kalten Nordseewind und die Gischt im Gesicht.

Mirrorless clock tick

Ich versuche es mit Meditation, heißem und starkem Kaffee und den teuersten Kopfhörern, die ich je besaß. Allein die Todo-Liste wird unentwegt länger. Was gemütlich klingt ist bitter zuletzt, was draußen passiert, vereinnahmt mich teils – die Kopfhörer schützen nur vor Akustik.

Hörst Du, Freund, meine Gedanken, die ich Dir sende, aus dem Süden der Republik (bis an ihr nördlichstes Ende!)? Sag, regnet es auch? Grüß mir die and’re, grüße die Pferde. Ja, bald. Versprochen.

Hab Dank.

Moulin à café

In der Kaffeeküche unserer Arbeitsgruppe steht ein Vollautomat, der etwa so teuer gewesen sein muss wie mein letztes Auto. Um mich herum machen sich Kollegen zum Sport, hinabzusteigen in die tiefsten Stollen des Geheimnisses der Kaffeezubereitung.

Le violon

In Deiner Wohnung verbrenne ich mir den Daumen am heißen Dampf der italienischen Espressokanne, die wir günstig auf einem Flohmarkt erwarben. Sie hinterlässt ihre Spuren. Mir fehlt die Haut an jener Stelle, an der ich mich vor einer Stunde verbrannte.

Du erzähltest einmal, Du magst die Vollautomaten nicht. Ich stelle mir vor, wie Du – meiner Urgroßmutter gleich – Deinen Kaffee durch die alte französische Holzmühle drehst. In diesem Moment ahne ich die Richtigkeit Deiner Gedanken.

Peugeot Frères, Brüder im Geist.

For your convenience an elevator is located in China

Hätte vor vier Jahren irgendjemand gesagt, Russland spiele im Leben irgendwann eine Rolle, ich hätte es vermutlich nicht geglaubt. Nun sitzt er vor mir und erzählt.

Home

Wir trafen uns heute Abend in einem indischen Restaurant. Ich hatte mir – im Gegensatz zum vorletzten Jahr – einige Empfehlungen mitgeben lassen. Doch eigentlich war ich nur hier wegen ihm.

Es ist schön zu erkennen, wie sich mit den Jahren alles entspannt. Es ist erfreulich, wie mit der Zeit Bande verschwinden und man andere wieder entdeckt. Es ist beruhigend zu merken, dass man sich schätzt.
Heute lachen wir über unsere Interpretation des Faust im Leistungskurs Deutsch.
Wir, die vom Leben nichts wussten.
Wir, die vom Leben nichts wissen.

Heute abend im indischen Restaurant trage ich den Geschmack des letzten Sommers auf meiner Zunge.

Der geflügelte Hirsch (mit dem alles begann)

Draußen wieder die bekannte Landschaft. Das waren ein paar gute Stunden, in denen wir eingekauft haben, Salat gemacht und diese Cola getrunken, die wir letzte Woche entdeckten.

Nach Süden, die tiefstehende Sonne kämpft mit den Bäumen am Rand der Gleise und hinterlässt rote Blitze, wenn man die Augen geschlossen hält. Die Augen zu schließen fällt leicht bei dieser traurigen Musik.

Nach Süden, das Gefühl in den Norden fahren zu wollen, reißt in der Brust, besser es sein zu lassen trotz allem.

Nach Süden. Nach Hause.
Es kommt in Wellen und es fühlt sich gut an.
Nicht nur für den Moment. Für eine lange Zeit.
(Weil man immer nicht sagt.)
Nach Süden. Nach Hause.

Block Flöt

Überquert man den kleinen Fluss über die alte Brücke und folgt der kopfsteinernen Straße, betritt man das Viertel, das hinter den Häuserfronten an dieser dem Viertel den Namen gebenden Straße seine Schönheit verbirgt. Diese Fronten gehören zu Höfen, die sich nach hinten, zum Fluss hin öffnen, angeschlossen an ein Netz aus mäandernden Wegen, benutzt von den Menschen, die das Viertel gut kennen.

Dieses kleine Freaktown

Wir sitzen beizeiten in dem einzigen Café in dieser Straße, der Freund kennt alle Gäste mit Namen. Die gleichen Gesichter, egal wann wir kommen; der Alte, seine Frau und der Indianer sind jedesmal dort. Wenngleich wir diese Gewohnheit noch nicht lange pflegen, grüßen sie still durch ein Nicken als erkennen sie mich.

Und doch: Ich mag die engen Wege mehr als die Straßen, ich liebe die Nähe zum Fluss, in der Sonne sitzen und warten. Seit Du nicht mehr hier lebst, bin ich deutlich seltener dort unten. Doch ich erinnere uns Hand in Hand über die Höfe fliegen.

Von Wegen (Jenseits der Straßen)

«Zurück! Da in der Soziologie unbekannt!» Mich hat eine Postkarte völlig aus dem Tritt gebracht. Beruhigt, dem Bild des Informatikers offenbar nicht zu entsprechen, frage ich, ob mir der Stereotyp des Soziologen angenehmer ist. Der Poststempel beinahe zwölf Monate alt; Irrwege hat sie zurückgelegt, muss sie zurückgelegt haben. Vornauf eine Abrissruine. Auch mir fehlt die Kraft für eine Antwort.

Die Füße im Wasser

Falsch adressiert, – glücklich – bekommen, ein lange verschollener Freund schreibt, es gehe ihm gut. Ich vermute, er sitzt an der Elbe oder in einem Café, bestimmt – das wär’ wie ich ihn erinner’. Dass wir uns das letzte mal trafen ist mehr als sechs Jahre her. Auf dem Foto, das ich von ihm kenne, lächelt nicht er in die Kamera.

Bleibe!

Hier innen frieren die Scheiben. Ich besitze nichts, womit ich das festhalten kann – ich besitze nichts, womit ich dich festhalten kann. So bleibt nur das Vertrauen.

Die Zeit, sagst du, rennt; seit gestern fühle ich mich jünger. Doch wenn dieser Plan, den wir teilen, wirklich wird, stelle ich hohe Ansprüche an mich selbst (und uns), Sorge tragend, vor mir zu versagen. Trotzdem bin ich sicher: So bleibt das Vertrauen.

Und wenn wir morgen zur Zusammenkunft laden, wenn die Freunde bei Käse und Wein (und guter Musik!) einander anlachen und reden, dann werde ich lieben was ich heute noch hasste; dann werden wir dankend einander zunicken können und sagen ,,wie immer war’s toll”,
so bleibt das.

Klingel einfach, ich verbinde deine Wunden

Der Arzt konnte sich nicht entscheiden, an was ich litt, und schickte mich ohne Rezept und mit dem guten Rat fort, in den folgenden Tagen für mich zu bleiben und bei Verschlimmerung nach dem Wochenende wiederzukommen. In jener Zeit starb in unserem Arbeitszimmer ein Fisch und in der WG meiner Freundin die Katze. Und gestern ein Mensch, den ich kannte.

Der November war kein guter Monat für Lebewesen, wir liegen gekauert und blecken unsere Wunden.
Hier kannst du mich finden, wenn du mich brauchst.

I don’t want to be a Landei (ich bin geboren für die Stadt)

Ich wollte eigentlich wieder öfter schreiben. Zum Beispiel aus dem Hotelzimmer, nachdem ich abends heimkomme von der Verabredung nebenan. Das hatte ich mir alles zu einfach vorgestellt.

In einem besseren Park

Der Samstag begann früh, doch später als ursprünglich angenommen. Sie fuhr in die andere Richtung, wir verabschiedeten uns am Bahnhof der Stadt und drei Stunden später war ich in der angeblich aufstrebenden Stadt. Von dem Dach dieses Clubs, in den man mich einlud, hat man einen sehr schönen Blick auf Teile des Hafens und kommt in kleiner Runde entspannt ins Gespräch, wird unterrichtet von den Wegen des Freundes in den letzten Jahren durch seine Arbeitskollegen, die man alle nicht kennt.

Wir hatten die ein oder andere Differenz in unserer Jugend und im letzten Jahrzehnt geradezu spärlich Kontakt. Vor mehr als zwei Jahren waren wir Essen, hat er erzählt. Ich glaube, das war das letzte Mal, dass wir uns trafen. Trotzdem lag seine Einladung irgendwann auf meinem Schreibtisch.

Ich kam nicht nur nicht zum Bloggen: Ich habe das Frühstück verpasst und erwachte durch einen Anruf der Rezeption (aufgrund des Check-Outs).

— t: Anajo