Archiv der Kategorie: Dreamworks

Am Horizont winkt einer (bis bald)

Wir waren irgendwo zwischen den Städten und haben uns festgeredet in einem der Clubs im Keller des Bahnhofs. Wir hatten die Uhr – wie immer – nicht im Blick und tranken Rotwein aus Wassergläsern. Es ist so, dass Züge in beide Richtungen meist gleichzeitig fahren und so brachen wir auf, um in die ein oder andere Richtung zu fahren.

Du sagst, du wirst langsam vor die Hunde gehen,
mit Verlaub: Du rennst.

Pascal Finkenauer – Vor die Hunde gehen

Ich traf Freunde auf dem Parkplatz, stieg in ein mir unbekanntes Auto, als das Telefon ging. Es klingelte die ganze Fahrt, die uns durch unbekannte Städte und scheinbar andere Länder führte.

Es gibt da diese Stelle im Wald, dort hat es jeden Mittag fünfzig Grad. Dort blieben wir die halbe Nacht.
Dann bin ich aufgewacht.

Lass dich nicht so hängen!

Ich finde mich hängend auf der Seite des Jägerzauns, vor der er Passanten auf der anderen Seite schützen soll, fünf Meter über einem Abgrund, in der linken oder rechten Hand mein Skateboard, immer wechselnd mit dem Auftreten von Ermüdungserscheinungen der jeweils anderen Hand, die mich am Holz festhält.
Diesen Weg nehme ich eigentlich immer zum Bus, warum ich ausgerechnet heute keinen Platz zum Landen finde, weiß ich nicht. Es ist in Marburg, es könnte prinzipiell überall sein in dieser Stadt, tatsächlich aber weiß ich das Gebiet recht genau einzugrenzen.

Wenig später hänge ich nicht mehr allein, sondern inmitten einer Gruppe von Studenten, denen es ähnlich ergeht wie mir, obwohl ich niemanden mit einem Skateboard ausmachen kann. Ich biete einem BMW-Fahrer, der sich an einem Ast durch sein Schiebedach ins Freie zieht, sechzig Euro für die umgehende Befreiung. Kurz darauf, die anderen machen es ähnlich, denke ich an die beste Investition seit langem.

Später, vielleicht einen Tag, sitze ich mit einem blonden Mädchen und ihrer greisen Mutter im Café. Die Junge hing gestern neben mir, wie wir uns wiedertrafen, kann ich nicht sagen. Ich kann mich nicht einmal erinnern, muss ihr also glauben, wenn sie begeistert erzählt. »Setz dich mal so hin wie ich« sagt sie, während sie mir ihre Beine links und rechts am Körper vorbeischiebt. Ihre Mutter zieht ihren Rock herunter und erzählt dem Kellner ihre Größe: Sechseinhalb.

Was wirklich passiert ist:
Ich habe mir schon wieder die Schulter verlegen.

Mit den schönsten Songs der Welt durch das schönste aller Leben

Ich war heute nacht in Hannover in dieser befreundeten WG, die ich gar nicht kannte. Ich weiß nicht mehr, wie es anfing und ich weiß nicht mehr, wie es endet.
Es waren alle da, von denen man das am wenigsten erwartet. Menschen von früher, Menschen von heute und Menschen von morgen. Yala und ich gingen später auf eine Lesung, doch ich erinnere mich nur an die Menschen. Wenn man sich nicht manchmal sieht, trifft man sich im Traum.

Und du warst auch da.
Du und deine Freunde.

Stunden später, auf einer Gartenparty, singt Matthias die neuen Tomte-Lieder falsch. Während ich im Haus mit Dennis und Sven über angemessene Hochzeitsgarderobe diskutierte, stürmt Franz Müntefering ins Zimmer. “Sie kennen mich nicht, aber ich kenne sie!” Worauf er mir lächelnd erwidert: “Das war ganz schön flach.”

Du hast gelächelt und ich sagte dann

Sincerely,
Thees Uhlmann

Das ist die Norm Das will ich nicht

In der Morgendämmerung, in der Phase zwischen Wach und Schlaf, habe ich mich gefragt, ob Leo noch der sei, den wir vor fast drei Jahren aufgenommen haben. Ich sehe ihn als Komplettpaket, nicht etwa als loses Bündel Tools, fragte mich aber, ob wir ihn teilweise upgegradet haben, wenigstens ein neues Knochengerüst kompiliert oder auf die neueste Version des Schwanzes.

Dies ist die lange vermisste, intensive Verbindung zur Informatik, aufgetaucht nach einer durchwachten Nacht auf der Shell in den Tiefen meines Betriebssystems. Beruhigend, ich dachte, ich sei schon weiter weg.
Und auch die innere Uhr funktioniert prima. Meinen NTP-Server möchte ich kennen…

Gemelli

Im Park scheinen sich zwei zu jagen. Eine ältere Dame mit Gehhilfen ist viel zu langsam für den alten, in Decken gehüllten Mann im elektrischen Rollstuhl, den sie einzuholen versucht. Als wir näher kommen, erkennen wir im Rollstuhl das Oberhaupt der katholischen Kirche: Den Papst. Die Dame verwandelt sich langsam in einen Geißbock, doch ihr linker hinterer Fuß scheint die Metamorphose nicht mitmachen zu wollen und bleibt riesig.
Später, in unserer Wohnung, klingelt mein ehemaliger Klassenlehrer und begrüßt erst Doreen, den Papst in der Spülmaschine und schließlich mich, wir lachen über alte Zeiten und ich schließe in Gedanken die Tür der Spülmaschine. Mein Faux-Pas fällt mir sofort auf und ich befreie den Papst aus seiner misslichen Lage, dankbar relativiert er, es seinen nur ein paar Minuten gewesen. Ich intervenierte sofort: Sekunden!

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Ich war heute nacht beim Arzt. Während Doreen gegen ein Nudelsieb mit einem Stab kämpfte. Das erfuhr ich heute morgen, als wir uns abglichen über die Ereignisse der letzten Nacht. Ich kann – natürlich – nicht alles aus dem Arztgespräch hier wiedergeben, ist er doch an seine Schweigepflicht gebunden und ich nicht gewillt, so intime Details hier auszubreiten. Aber: Das Urteil meine Halsschmerzen betreffend war: “Da ist gar nichts.”

Nach dem Aufwachen brachte ein Blick auf MacNews.de die Gewissheit, dass mit G5-basierten Powerbooks in nächster Zeit nicht zu rechnen sei. “Apple: PowerBook G5 will be ‘mother of all thermal challenges'” Dafür wird in der nächsten Zeit mit einer Aufwertung der aktuellen Powerbook-Reihe gerechnet. Keine großen Neuigkeiten also, das Upgrade der Powerbooks sollte dennoch in einer der nächsten Wochen stattfinden.

Heute abend wurde seit langer Zeit einmal wieder gekocht. Und am Samstag werden wir – ich freue mich – BEkocht. :)

The Porter

Zwischen Doreens Wohnung und dem Friedhof saßen unzählige Dobermänner mit gefletschten Zähnen. Wütend knurrten sie mir hinterher, wenn ich es schaffte, an ihnen vorbei zu huschen. Sie liefen mir nicht nach, gleich so als wären sie festgewachsen, mit dem Beton eins. Am Tor zum Begräbnisfeld rang ein Polizist mit einem anderen Hund, überlies mir jedoch seine Taschenlampe, mit der ich – einem Schlagstock gleich gehalten – über den Friedhof sprintete. Aus den Augenwinkeln erkannte ich Gestalten, die meinen Weg beobachteten. Diesen kannte ich aus den vergangen Träumen.

Später ich in der Mensa mit Rike, Andi und Dennis. Irgendwann erzählte Dennis von Timo:
“Er war jetzt ein Jahr lang Single, und dann hat er in der Vorlesung wen kennengelernt. Und dann ist es passiert, dann…. ach, seht selbst” und hielt ein Foto eines Mädchens mit dem typischen Model-Gesicht in die Runde.
Kurz darauf setzte sich eine mir Unbekannte an den Tisch, die Dennis allerdings freudig begrüßte.
“Well, ich brauche keinen Terminplaner, wie man sagt, because ich heirate morgen.”

“An diesem Tisch vergeht mir das Leben zu schnell.” Ich ging.