Canon, Bilora Geotagger 118 (GT-01) und Apple Aperture 3 [Update]

UPDATE: Seit Version 3.0.2 importiert Aperture die in Sidecar-Dateien enthaltenen Geo-Daten korrekt. Daher sind die in diesem Artikel beschriebenen Arbeitsschritte nicht mehr notwendig.

Dies ist eines der wenigen technischen How-Tos in diesem Blog, weil ich gestern Abend durch die Suchmaschinen gestolpert bin und für dieses Problem keine Lösung finden konnte.

Ausgangssituation

Ein Freund erzählte mir letztens vom Erwerb des Bilora Geotaggers, auf den ich vor einiger Zeit ebenfalls aufmerksam geworden bin. Im Unterschied zu GPS-Loggern, die permanent laufen und die Position mitloggen, sitzt der Bilora Geotagger auf dem Blitzschuh der Kamera und wird nur vom Blitz-Impuls beim Schießen eines Fotos kurz angeschaltet. Der zeitraubende GPS-Fix entfällt, er speichert die von den Satelliten empfangenen Rohdaten ab; die Positionsbestimmung findet erst später am PC durch die mitgelieferte Software statt. Dies hat aus meiner Sicht folgende Vorteile:

  • Er ist ständig aktiv, d.h. der Akku hält hoffentlich die mindestens die 2000 Auslösungen, die der Tagger speichern kann und muss nicht jeden Abend an die Steckdose, wie das bei vielen Trackern der Fall ist (die sich deswegen auch für mehrtägige Wandertouren disqualifizieren).
  • Es ist möglich, sofort nach dem Einschalten der Kamera Fotos mit Geo-Koordinaten zu machen; ein Warten auf den zeitraubenden GPS-Fix (der durchaus mehrere zehn Sekunden betragen kann) entfällt.

Dies wird erkauft durch den zusätzlichen Schritt, die Bilder nicht sofort in die Fotoverwaltungssoftware einzuspielen, sondern zunächst in die dem Tagger beiliegende Software Taggr, die GPS-Rohdaten aus dem Tagger ausliest, die Position daraus berechnet und in XMP-Sidecar-Dateien speichert.

Weitere Informationen zu dem beschriebenen Geotagger von Bilora sowie Updates der Software Taggr findet man auf den Herstellerseiten, einen sehr gut gemachten Hands-On-Bericht inklusive Videos gibt es bei nachbelichtet.com.

(Es existieren für Canon-Kameras GPS-Tagger, die Geo-Informationen direkt in die Bilddaten der Kamera schreiben. Entgegen der einfachen Anwendbarkeit bei Nikon-Kameras benötigt man für die Canon-Kameras den so genannten Wireless File Transmitter, der für das von mir verwendete Kameramodell noch einmal mit zusätzlich eintausend Euro zu Buche schlägt. Sowohl die Nikon-Variante als auch die Tagger bei Canon speichern allerdings keine GPS-Rohdaten, müssen also einen GPS-Fix durchführen, der für mich aus o.g. Gründen nicht in Frage kommt.)

Das Problem

Ich habe mich damals für den Kauf des GPS-Taggers entschieden, weil ich von der Software Taggr nicht nur Gutes (bzw. fast ausschlieߟlich Schlechtes) gehört habe und Aperture 2 nicht mit XMP-Sidecar-Dateien umgehen konnte. Der Kollege erzählte mir jedoch, dass Taggr zuverlässig arbeite, außerdem hat mit Aperture 3 die Fähigkeit zum Import von XMP-Dateien Einzug gehalten.

Bei meinen ersten Versuchen stellte sich allerdings heraus, dass Aperture 3 beim Import der Fotos die Geoinformationen, die in den Sidecar-Dateien gespeichert sind, ignoriert (von Taggr ebenfalls angelegte Schlagworte werden allerdings korrekt importiert).

Die Lösung

Der einzige Weg, den ich nach langer Suche gefunden habe, ist das Auslesen der GPS-Positionsdaten aus den Sidecar-Dateien und das Einfügen dieser direkt in die CR2-Dateien, die Rohdaten der Fotos. Dieser Schritt wird gangbar mit der Software ExifTool, die von Phil Harvey entwickelt wurde und auf dessen Webseite für Windows und Apple heruntergeladen werden kann. Es handelt sich dabei um ein Kommandozeilenprogramm, das mit den korrekten Parametern in der Lage ist, Positionsdaten aus XMP-Dateien auszulesen und in CR2-Dateien einzufügen.

Nach Installation der Software kann diese auf der Kommandozeile ausgeführt werden. Ein Aufruf unter Mac OS X sieht beispielsweise aus wie folgt:

exiftool -overwrite_original -preserve -tagsFromFile IMG_6098.xmp IMG_6098.CR2

  • exiftool ist das ausführbare Programm
  • -overwrite_original ist ein Parameter der verhindert, dass ExifTool von der CR2-Datei ein Backup anlegt (dies habe ich aktiviert, um den Speicherplatz für die Backup-Datei zu sparen)
  • -preserve behält die Zeitstempel der originalen Bilddateien bei
  • -tagsFromFile IMG_6098.xmp extrahiert aus der nachfolgend angegebenen Datei (hier: IMG_6098.xmp) die Geo-Informationen …
  • IMG_6098.CR2 … und speichert diese in dieser Datei ab (hier handelt es sich um eine Bild-Datei mit Canon Rohdaten)

Diesen Schritt muss man für alle Bild-Sidecar-Paare durchführen. Wer grundlegendes Bash-Scripting beherrscht, kann unter Mac OS X mit wenig Aufwand zum Ziel kommen. Ich habe ein Script geschrieben, das genau dies macht: gpsconvert.sh

Dieses Script speichert man – so man Mac OS X – verwendet, auf seinem Computer ab, z.B. im Heimatverzeichnis seines Benutzers (der Benutzer heißt im folgenden Beispiel fallenbeck).
Anschließend öffnet man das Terminal und kann das Script wie folgt aufrufen:

/Users/fallenbeck/gpsconvert.sh /Users/fallenbeck/Desktop/Fotos

  • /Users/fallenbeck/gpsconvert.sh ist der vollständige Pfad zum Script; so können Shell-Scripte auf der Kommandozeile bei Mac OS X (und anderen unixoiden Betriebssystemen) aufgerufen werden.
  • /Users/fallenbeck/Desktop/Fotos ist das Verzeichnis, in dem Taggr die Bilder und die XMP-Sidecar-Dateien abgespeichert hat (hier: Ordner Fotos auf dem Desktop des Users fallenbeck -€“ dies kann in der Taggr Software beliebig geändert werden, der Aufruf des Scripts muss dann entsprechend angepasst werden.

Bei einer erfolgreichen Ausführung des Scripts wird eine ähnliche Ausgabe erzeugt wie folgt:

GPS Converter Script 1.0 using exiftool, 2010 by Niels Fallenbeck
   Merging IMG_6096.xmp -> IMG_6096.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6097.xmp -> IMG_6097.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6098.xmp -> IMG_6098.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6099.xmp -> IMG_6099.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6100.xmp -> IMG_6100.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6101.xmp -> IMG_6101.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6102.xmp -> IMG_6102.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6103.xmp -> IMG_6103.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6104.xmp -> IMG_6104.CR2
    1 image files updated

Der letzte Schritt besteht dann im Import der so veränderten Bild-Dateien in Aperture 3. Nach erfolgreichem Abschluss sieht das Ergebnis ungefähr so aus:

Fotos mit Geo-Informationen in Aperture 3

Der Workflow

Noch einmal zusammenfassend der Workflow, um Bilder, die von einer Canon EOS 40D im Raw-Format gemacht wurden mit den Geo-Informationen aus dem Bilora Geotagger zu versehen und diese in Aperture 3 zu importieren.

  1. Speicherkarte aus der Kamera in Kartenlesegerät am Computer
  2. Bilora Geotagger per USB mit dem Computer verbinden
  3. Taggr starten und Fotos ,,beschriften” (GPS-Daten aus dem Geotagger auslesen, Ein- und Ausgabepfad für die Fotos auswählen)
  4. Script aufrufen mit dem Ausgabepfad von Taggr als Argument
  5. Diese Fotos in Aperture 3 importieren

Anmerkungen

Wenn man statt im Raw-Format im JPG-Format fotografiert, muss die Dateiendung im Script (Zeile 50) entsprechend angepasst werden. Da ich ausschlieߟlich im Raw-Format fotografiere, habe ich keine weitere Zeit auf dieses Problem verwendet.

Der Freund verwendet übrigens Lightroom von Adobe, welches die Sidecar-Dateien (und die darin gespeicherten Geo-Informationen) anstandslos importiert. Dafür bewundert er mich um die schöne Karte, die Aperture 3 zur Verfügung stellt. :-)

3 Gedanken zu „Canon, Bilora Geotagger 118 (GT-01) und Apple Aperture 3 [Update]

  1. Es gibt noch einen anderen Weg. Die CR2-Dateien kann man mit einem der zig GUI-Tools ins Adobe DNG-Format konvertieren, welches dann wiederrum Aperture lesen kann. Ob dabei jetzt Verluste (welcher Art auch immer) auftreten, kann ich nicht beurteilen. Zudem dürfte es wahrscheinlich etwas CPU-lastig sein.

    Ich würde deine Lösung nehmen, Shell ist immer gut ;)

  2. “Sowohl die Nikon-Variante als auch die Tagger bei Canon speichern allerdings keine GPS-Rohdaten, müssen also einen GPS-Fix durchführen, der für mich aus o.g. Gründen nicht in Frage kommt.”

    Wenn Du Canon fotografierst kann ich – wegen des WFT – deine Bedenken nachvollziehen. Bei GPS-fähigen Nikon bin ich komplett anderer Meinung:

    Den Fix macht man im Idealfall einmal pro Tag. Dann lässt man den Geotagger durchlaufen. Bei der Nikon D90 komme ich zB mit einem Dawntech Mini 3L Logger prblemlos 2-3 Tage weit. Also nehme ich zum Wochenendtrip einen Ersatzakku mit (Mach ich ohnehin). Ich muss mcih also gar nicht um das GPS kümmern. Auch nicht nach 2000 Aufnahmen.

    Dafür landen die Geodaten sofort im EXIF-Header der JPEG oder NEF. Kein nachträgliches Verbinden mit einem Server (mal sehen ob der von JOBO – gleiches Prinzip wie Bilora – wegen der Insolvenz bald abgeschaltet wird???)

    Dazu kann der Dawntech Mini 3L noch bei Bedarf den gegangenen Weg aufzeichnen. Und hat eine Auto-Indoor-Funktion (merkt sich beim Betreten eines Ortes ohne GPS-Empfang die letzte bekannte Koordinate). Ich muss also nicht wie bei Bilora von Hand auslösen. Oder aus der einer Schlucht zurücklaufen um vorher nochmal auszulösen.
    Hinzu kommt beim Dawntech der Direktstart. Wenn das GPS aus war kann man die letzte Koordinate aus dem Log nehmen (man sollte dann eben nicht schon zig Kilometer gereist sein :o)

    Und schließlich besetzt mein Dawntech nicht zwangsweise den Blitzschuh und ist nur etwa halb so groß!

  3. Zwar werden die Daten Aperture 3 , Canon 7D, gelesen und in A3 angezeigt, das Objektiv aber nur verstümmelt angegeben – d.h. nur die Offenblende – der Rest fehlt.

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