Briefe die ihn nicht erreichten

Kannst du dir vorstellen,
allein in ein Café zu gehen
wenn du nichts dabei hast außer zehn Euro in bar?

Ich habe gezögert (einigermaßen lange gezögert) gestern das Haus zu verlassen. Bevor ich in Richtung des Antiquariats ging, habe ich die Notwendigkeiten erledigt, die Hemden in die Reinigung gebracht, Flaschen zurück und dergleichen Dinge. Ich war nun einige Wochen nicht im Antiquariat und nicht dass ich Angst hätte, dorthin zu gehen, weil man mich kennt und mich mit längst bekannten Fragen adressiert, so habe ich den Besuch gestern durchaus hinausgezögert. Auch nicht wegen einer Unsicherheit – ich habe in diesem Geschäft meine Routine: zuerst zu den wirklich alten Büchern in der Regalwand am Ende des Raumes, dann zu den Klassikern und schließlich ein schneller Blick auf die Regalreihen Bücher (gebunden). Doch vielleicht aus Respekt und Scham, in den Büchern Widmungen zu finden, die eine Lebenswelt aufspannen, von der ich Teil werde durch den Kauf jenes Buchs.

Reading

Ich habe vor Jahren ein Buch verschenkt und scheute mich eine Widmung anzubringen, obwohl ich durchaus etwas zu schreiben gehabt hätte. Das wusste auch der Beschenkte, der mich ansprach und dem ich mein Dilemma damit erklärte, gern etwas geschrieben zu haben und dabei doch das Buch unverkennbar an ihn zu binden, es unfrei zu machen, ihn unfrei zu machen es weiterzugeben. Heute suche ich gezielt diese Sätze auf den ersten Seiten, und ein Buchhändler erzählte, wie schwierig es sei, alte Bücher mit Widmung zu verkaufen. Ich gestand, das ein oder andere Buch, das mich wirklich nicht interessierte doch gekauft zu haben gerade wegen solch einer Widmung.

Widerlebe

Man kann die Verzweiflung spüren einer Liebenden, die ein Buch verschenkte an wen, der sie nicht zurückliebte, der das Buch losgeworden ist, peinlich berührt, schnell, ohne es gelesen zu haben. All das kann man erkennen am perfekt erhaltenen Einband, am Leseband, das liegt wie es in neue Bücher eingebracht wird. Dies ist die Tragik der Widmung, das ist mein Fernsehprogramm, ich leide in solchen Moment mit den Autoren der Worte, die jene Bücher eröffnen. Schlägt man es auf und entdeckt die Karte eines Hotels in Paris, die den Zugedachten niemals erreichte, dann bekomme ich eine Ahnung, warum ich mich winde, in Geschäfte mit alten Büchern zu gehen.

Grand Hotel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.