Berlin

Als ich heute Abend mit dreißigminütiger Verspätung am Berliner Hauptbahnhof den Zug verließ, bereute ich (ungefähr zum dritten Mal), dass ich mich für eine Anzugshose und Halbschuhe entschieden hatte (der Kollege, der mich bat, zu diesem Meeting zu kommen, sagte, man sei in diesem Projekt noch recht förmlich; da es keines «meiner» Projekte ist, entschied ich mich für diese unpassende Kleidung – er lachte später im Zug und erklärte, er meinte damit das Siezen). Im Hotel heißen sie mich wärmstens willkommen, weisen per Aushang auf die momentane (-11°C) und gefühlte Außentemperatur (-18°C) hin. Und darauf, dass man hier versuche, die Welt zu retten und daher in den Zimmern keinerlei Waschlotionen und dergleichen zu finden seien, diese aber selbstverständlich – so ich nichts dergleichen mitgebracht hätte – zur Verfügung ständen, Ich verwies auf das Argument der Weltrettung und nahm eine Tube Weleda-Shampoo in Empfang, während der Portier mir köstlich amüsiert auf die Schulter schlug.

Etwa zwanzig Minuten Fußweg entfernt steht das Theater am Schiffbauerdamm an der zugefrorenen Spree. Es wäre mit Nahverkehrsmitteln sehr schnell zu erreichen, doch die Straßenbahn speit mich bereits an der nächsten Station wieder ins Freie: Wegen eines Staatsbesuchs. Später erfahre ich, dass sie die Stadt festungsgleich absichern wegen des Besuchs Shimon Peres’ und erinnere die ständigen Patrouillen vor den Toren der Jüdischen Gemeinde, die mir aus jener Zeit im Gedächtnis haften, in der ich regelmäßig in dieser Stadt schlief.

23:21

Aus dieser Zeit kenne ich auch das Circus, jenes Hotel, in dem ich heute zum ersten Mal schlafe. Gegenüber, in der Bar unter dem Hostel, habe ich den norwegischen Freund auf einem der Konzerte seiner Deutschlandtour zum letzten Mal gesprochen und gesehen. Und in der Nähe, ein wenig die Straße herunter, wohnt jemand, den sie mir vorgestellt hat. Sie weiß bestimmt zehn Menschen hier zu besuchen, mir fällt die Nennung eines einzelnen Namens schwer.

Ich streite mich mit Berlin über Aspekte; über die Rauheit und Lautstärke an den Bahnstationen, was sie «Berliner Schnauze» nennen oder dem Schmutz in den Gassen. Dennoch ist es seltsam vertraut, wieder hier zu sein. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit als diesen Abend, an dem es zu kalt ist, um draußen zu sein.
Im Sommer vielleicht.
Dann wieder zusammen.

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