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Ich muss das jetzt noch einmal aufgreifen, weil es mich seit Tagen – ach was: Monaten! – wieder beschäftigt. In Italien hatte ich statt eines Stapels dicker Bücher meinen alten eBook-Reader dabei, keines der neueren Geräte, die WLAN oder sogar eine permanente Internetverbindung besitzen, und so bleibt das Aufspielen neuer Bücher auf das Gerät das Geheimnis der ganz und gar furchtbaren mitgelieferten Software, die bestenfalls leidlich funktioniert. Diese Software ist so beeindruckend schlecht, dass ich dieses Lesegerät stets nur einige Tage lang benutze, um es anschließend wieder ins Regal zwischen die echten Bücher zu stellen, wo es darauf wartet, in einen Urlaub mitgenommen oder aus sonstigen Gründen verwendet zu werden, die meistens mit Nostalgie und dem Satz »Ich habe doch irgendwo auch noch so einen« zu tun haben. Kurz: Ich besitze einen eBook-Reader, den ich nicht benutze.

Lüneburg, 1975

Seit Amazon den Kindle Paperwhite mit Beleuchtung auf den Markt gebracht hat, schaue ich unregelmäßig auf der Webseite vorbei, sitze seufzend davor und denke: »Ach«. Er wäre praktisch, erlaubt er doch den unmittelbaren Kauf neuer Bücher, egal wo ich mich befinde; die ohnehin überfüllten Regale würden nicht weiter aus den Nähten gehen, kein unnötiger Besuch des Buchladens wäre mehr nötig, weil sie das neue Buch noch immer nicht haben. Keine Bestellung und kein Abholen mehr, keine spießrutenlaufartige Fahrt mit dem Rad über den Marienplatz und keinen Applestore nebenan, in dem man ja nur mal eben… Schließlich: Keine vorwurfsvollen nächtlichen Ellbogenstöße mehr in meine Richtung die Frage in meine Seite prägend »muss das Licht wirklich immer noch leuchten«?

Juni 1931

Ich habe mir abgewöhnt, wöchentlich ins Antiquariat zu gehen. Zur Zeit schaue ich alle vierzehn Tage vorbei und trage auch nicht mehr die Mengen an Büchern hinaus, mit denen ich vor einem halben Jahr das Geschäft jeden Samstag verließ. Gebundene Bücher gibt es dort für drei Euro; für jede Datei, die ich auf das Lesegerät lade, bekäme ich also drei Bücher im Leineneinband mit originalem Schutzumschlag. Anschließend kann ich all jene Bücher verschenken, die ich unabsichtlich oder bewusst doppelt gekauft habe, ich kann mich an Widmungen auf den ersten Seiten freuen, die achtzig Jahre alt sind und von Freundschaften und Beziehungen zeugen. Ich kann meine Nase in Bücher stecken – sprichwörtlich – und mich am typischen Geruch alter Bücher erfreuen, denn wie Alte im Altenheim riechen, riechen Bücher in meiner Bibliothek: Eigen, nicht jeder erträgt es.

München, 1931

Ich würde gern – wenn ich einmal alt bin – die Widmungen in zu verschenkenden Büchern beginnen mit meinem geschwungenen F, das ich so sehr schätze. Die Widmungen möchte ich auf die erste Seite bringen, mit dem dann alten Füllfederhalter, beinahe so alt wie ich selbst. Sie müssen nicht lang sein, vielleicht bloß zwei Worte und sie sollen zeigen, was du für mich bist.

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