Barfuß in die/der Oberstadt

Es geht das Gerücht, dass ein Großteil der Cafés und Bistros im alten Teil dieser kleinen Stadt einem Clan gehören, der verschiedene Söhne mit der Leitung der einzelnen Gastronomiebetriebe betraut hat. Ich weiß niemanden, der einen Stammbaum jener Familie kennt, dessen Blätter sich mit den Besitzern der Cafés decken. Aber es gibt deutlich sichtbare Anzeichen, dass die Inneneinrichtungen, die Möbel und Stile gleicher Herkunft sind. Außerdem trifft man in diesen Cafés die stets gleichen Menschen.

Vor kurzem wurde das alte Café hier gegenüber verkauft, das in den späten Siebzigerjahren von ehemaligen Studenten eröffnet wurde (jedenfalls erzählt man sich das). Nach dreißig Jahren hat nun der letzte seine Arbeit dort beendet und das Café dem Clan übereignet. Dessen erste Handlung bestand im Umbau des Ausschanks und des kompletten Wechselns der Service-Belegschaft, die teilweise seit Jahren ihr Studium dadurch finanzierte. Die neue – das haben wir gestern erfahren – ist lästig und nicht besonders geschickt; und passt damit zu dem Stil der zahlreichen anderen Cafés jener Familie. Auch die Speisekarte wurde erneuert, in zur CI passenden Worten erfährt nun der Gast (unter anderem):

Ein Kneipenbummel in Marburg, das bedeutet dann doch weniger Schicksenalarm in hochgestylten Franchisegastronomiebetrieben, sondern eher eine Atmo typisch geisteswissenschaftlicher Studiengänge mitsamt den passenden politisch korrekten Eingeschriebenen.

Noch mangelt es nicht an Alternativen.

3 Gedanken zu „Barfuß in die/der Oberstadt

  1. falsch zitiert! da ich eben nochmal diese lokation gezwungernermaßen aufsuchen musste, hab ich das nochmal überprüft. dort steht “geisteRwissenschaftlicher” Studiengänge… ;)

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