Ausziehen geht immer

Heute reihte sich Termin an Termin, einer davon zwang mich in den Anzug, aus dem ich den ganzen Tag nicht herauskam. Das war zumindest im Freien ein halbes Problem.

«Dieses Wetter drückt auf die Ausdauer» sagt einer und schläft ein, kaum dass er sitzt. Ich beneide ihn um seine Unbekümmertheit und seine Fähigkeit, die Augen zu schließen, ganz egal wo. Das wunderschöne Mädchen schläft auch in Bussen und Zügen, sogar in Flugzeugen wenn es sich kaum lohnt. Sie ist treibende Kraft hinter der Entscheidung, die Tage während der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn im Großraumabteil zu verbringen. Und kann mein Problem damit nicht verstehen: Ich liege allein schon oft stundenlang wach.

Hinten an der Wand liegen die Hemden von letztens, dazwischen die Anzüge der vergangenen Wochen. Das Pflaster auf meinem Arm erinnert mich an die Impfung am Morgen, die ich bereits vergessen hatte.

Das geht seit einiger Zeit diesen Gang. Mein Leben ist ungesaugt und sieht furchtbar aus. Der Preis, den ich zahle, denn irgendwie macht’s auch Spaß. An Tagen wie diesen trage ich die rahmengenähten Schuhe.

2 Gedanken zu „Ausziehen geht immer

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