Arzt werden

Wer sein Studium abbricht, aus dem kann nichts werden. Wenn die Eltern enttäuscht sind über den akademischen Fehlgriff der Tochter oder des Sohnes und nicht akzeptieren können, dass ein neues Studium mehr Aussicht auf Erfolg verspricht, dann liegt das meistens daran, dass sie in die Gedanken des eigenen Kindes weit weniger involviert sind, als sie es aus der Vergangenheit gewöhnt waren.
Die Entscheidung war eine jener, die man Monate vorher hätte erkennen können – wenn man nicht auf beiden Augen blind ist, wozu ich das Talent besitze.
“Ich breche Medizin ab, ein paar Bücher habe ich schon bei Ebay eingestellt und ich bewerbe mich im Juli an der Hamburger Kunsthochschule. Ich will das alles nicht mehr.” Das würde jedenfalls ihre Arbeitseinteilung in den letzten Wochen rückwirkend entschuldigen. Trotzdem kam ich mir überfallen vor: “Ãœberleg dir das doch erstmal gut”. Was natürlich längst passiert war. Schließlich war auch Hamburg kein Zufallsgriff und Alternativpläne gab es ebenfalls.
Als sie mich im Dezember verlassen hat, kam ich mir ähnlich überrumpelt vor. Wir wohnten seit etwa 1,5 Jahren zusammen und mir war natürlich nichts aufgefallen. Selbstverständlich war alles klar – so gesehen, hinterher.
Ihre Eltern hat sie mit ihrer Entscheidung jedenfalls ähnlich unvorbereitet getroffen, die Verwandschaftsmühlen Setzten sich in Bewegung und aus dem ersten “wenn du das nicht mehr möchtest” wurde ein “du bekommst kein Geld mehr von Opa”. Das Wochenende bei ihren Eltern war geprägt von Sätzen wie “wenn man das will, schafft man das auch”, ohne zu merken, dass genau dies der springende Punkt ist.
Ihr Opa war jedenfalls recht nett und dass wir jetzt doch wieder zusammen sind, kann kein Omen sein für das Studium; heute morgen hat sie die ersten Bücher zur Post gebracht.

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