André Campra und die Rechnung, die ich ihm stelle

Das mit den Folgekosten ist ja immer so eine Sache: Man entdeckt irgendwo etwas, das sich passgenau ins eigene Leben und in die eigene Situation passen würde, einige Zeit später fällt die Entscheidung dafür. Was man oft übersieht, ist der Aufwand, der sich aus der neuen Errungenschaft direkt ergibt: beim Carbon-Rennrad sind das die Fahrradbekleidung, die Laufräder und all die kleinen Ersatzteile, bei Büchern sind das die Regalmeter, die sich beinahe wie von selbst füllen und bei den neuen Lautsprechern ist das dann gleich die ganze Kette aus Zuspieler, Verstärker und den entsprechenden Kabeln.

Kimber Kable

Dieser Text über Folgekosten hat jedoch nur zum Teil damit zu tun, dass ich – mehr zufällig – vor einigen Wochen am See deutsche Lautsprecher, einen englischen Verstärker und einen französischen CD-Spieler in eine Wohnung getragen und später bei Torte und Tee auf jener Anlage eine italienische CD mit Musik aus dem 17./18. Jahrhundert gehört habe: das zeigt rasch die Unzulänglichkeiten der eigenen Musikkomponenten, die vielleicht nicht furchtbar schlecht, aber eben auch nicht furchtbar gut sind. Wenn ich weiß, wie etwas klingen sollte, das zu Hause jedoch (nicht schmeichelhaft) anders klingt, muss ich das ändern. In diesem Falle beginnt es mit dem Surfen im Netz, dem Lesen von Meinungen und den abenteuerlichen Berichten einer Audiophilen-Gazette und Preislisten, die einem bei eBay ersteigerten Kabel beilagen, das später die Lautsprecher mit einem neuen Verstärker verbinden wird. 

Duevel Planets

Der andere Grund ist die Veränderung des eigenen Musikgeschmacks über die Jahre: wie ich früher keinen Spinat aß, schätze ich ihn heute doch sehr; wie ich damals wenig mit Klassik anfangen konnte, entdecke ich dieses Feld gerade für mich – eingeschränkt gilt dies auch für Jazz. Dafür sind Tocotronic und Locas in Love seltener geworden. Sowieso höre ich seltener Musik als vor einem Jahrzehnt und die meisten Rockkonzerte sind mir zu laut geworden. Das eine habe ich doch gemerkt: Die Boxen klingen auch mit Tocotronic sehr gut; das wird mit einem neuen CD-Player, mit einem neuen Verstärker noch einmal um einiges besser! Und dann klingt nicht nur die italienische CD wie sie sollte, dann spielt auch Abdullah Ibrahim wie vor Wochen im Prinzregententheater.

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