An einem Sonntag im August

Es ist ein bisschen wie in Berlin, es ist nur nicht so voll. Hier toben Kinder durch das Café, ihr Vater versucht zu beruhigen, ihre Mutter liest eMails auf einem BlackBerry. Ein Unterschied: in Berlin hätte sie dafür ein iPhone benutzt.An einem Sonntag ende Oktober

Ein Mann stürmt hinein mit nach hinten gegelter Frisur. Er bestellt im Vorbeigehen einen Espresso to go, zückt währenddessen sein Telefon und nimmt Kurs auf eine der Lautsprecherboxen, aus denen Lounge-Musik eine gemütliche Athmosphäre ausstrahlt. Eine halbe Minute später drängt er zurück an die Theke und streckt der Bedienung sein neues iPhone entgegen, schwärmt von dem Lied, liest vor wie es heißt und wie praktisch eine solche Software doch sei, mit der man …
«und so weiter» glaube ich auf dem Gesicht hinter der Theke zu lesen.

In der Hauptstadt sieht man Freitag-Taschen sehr oft, hier ist Louis Vuitton modern. Die Menschen tragen im Winter Wellensteyn-Jacken und viele trinken Smoothies statt einen Kaffee mit Milch. Es gibt hier keinen Raucherbereich und die Gäste haben häufiger Kinder.

Ein bisschen ist es wie in Berlin, wie in diesem Café im Prenzlauer Berg, in dem ich vor zwei Jahren zum letzten mal saß. Dort ist es ruhiger. Harmonischer.

Eine Familie. Die Mutter trägt silberne Creolen, begrüßt überschwänglich ihre Freundinnen, sie sind nicht viel älter als ich. Sie reden über Kinder ausschließlich, jede hat mindestens eins auf dem Arm, die sich gegenseitig animieren zu schreien. Ein Vater, der eine der Frauen begleitet, sitzt ins Leere oder ins Telefon starrend an einem Tisch nebenan. Er kaut seinen Bagle und bietet seiner Tochter liebevoll etwas an, wenn sie als Einzige vorbeischaut mit fragendem Blick, wie es ihm geht. Ein Vater, eine Mutter, dazwischen die Tochter. Eine Familie.

In das Café im Prenzlauer Berg ging man naturgemäß selbstverständlich allein.

1 Gedanke zu „An einem Sonntag im August

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