24.12.65 v. Frl. Brendel

Die schönsten Dinge findet man mitunter in Läden, in denen man diese nicht erwartet. So geht man gewöhnlich zum Bücherkauf in einen der großen oder kleinen Buchläden am Platz und Musik kauft man im Plattenladen, in einer großen Elektronikkette oder gleich bei iTunes im Netz.

Als wir heute den kleinen Laden betraten, hatte ich anderes im Sinn als einen Stapel Bücher oder Musik; das ist gemeinhin die beste Voraussetzung für die Entdeckung toller Literatur und CDs. Das Buchregal stand versteckt hinter einer Ecke, so dass man sich unvermittelt vor einem unsortierten Regalmeter antiquarischer Bücher fand. Gegenüber stand ein leergeräumtes (oder nie wirklich gefülltes) Regal und die wenigen Schallplatten gaben ein verlorenes Bild.

Brendel-LPIch bin nicht sicher, ob diese Schallplatte zumindest kurz im Besitz der Familie Brendel gewesen ist. Das Frl. spricht dagegen – Alfred Brendel war zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet – kann aber gut eine Form der Ehrerbietung darstellen, mit deren Hilfe der Beschenkte, ein Professor der Medizin, der in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts sein erstes Buch veröffentlichte, seine Zuneigung zu Frl. Brendel, durchaus zum Pianisten höchstselbst, zum Ausdruck brachte. Der beigefügte Zeitungsauschnitt aus der Süddeutschen Zeitung vom 18. November 1965 deutet darauf, dass er begeistert war vom vierunddreißigjährigen Brendel. Andere Schallplatten untermaueren dieses Gefühl; Im beinahe leeren Regal fanden sich noch weitere, allesamt von Brendel, allesamt aus dem Besitz des Professors,

dessen Andenken ich nunmehr zu Teilen bewahre.

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