#1

Ihn kenne ich kaum, da ich normalerweise das Antiquariat zu anderen Zeiten besuche. Eine geschickte Terminplanung macht es mir möglich, gerade jetzt in diesem Laden zu stehen. Ich habe sorgsam einige Bücher zusammengetragen, die sich jetzt auf dem Tresen stapeln, neben der alten Kasse, hinter der er jetzt steht und mich flüchtig begrüßt. Er murmelt im Timbre eines Bibliothekars und wie immer in solchen Situation lächle ich unsicher zurück und deute mit einer Hand auf die vielleicht zehn Bücher vor mir.

Bücherstapel

Er fängt an zu erzählen, erst langsam und zäh wie ein Schiffsdiesel und kommt dann (wie ein solcher) in Fahrt, erzählt zu jedem der Bücher eine Geschichte, mindestens jedoch einen kurzen Satz. Buch für Buch gehen wir durch, er, der Bibliothekar und ich der Student an der ewigen Ausleihe, jedes nimmt er in die Hand, kontrolliert den Einband und dem Schutzumschlag, klopft ihn in die richtige Position bevor er mir das Buch ergeben hinschiebt und nickt.

Geschichten in alter Manier

Ihm entgehen nicht die Widmungen, die ich in den Büchern ebenso fand, und nicht die Unterschriften  der Autoren auf den Titelseiten zweier Bücher (eines habe ich alleine deswegen gekauft). Er lächelt ebenfalls, ein Hauch von Abschied liegt auf seinen Lippen, als ich bezahle, als ich mich bedanke und geh’. Mir fällt das Herz auf, das einer der Signaturen innewohnt, allerdings erst später am Abend, als ich bei einem Ingwertee durch die Bücher blättere, ein Ritual kurz vor dem Einsortieren der Bände.

Textfluss

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.