Wider des bedarfsgerechten Handelns

Wir leiteten in der Schule zusammen die AG Videoschnitt und haben Gleichaltrigen erklärt, wie man Filme macht. Er ist heute einer der Programmverantwortlichen eines großen Fernsehsenders, hat zwischendurch Journalismus studiert und das Fernsehen nie aus den Augen verloren, hat ein Faible im besten Sinne. Als wir uns vor zwanzig Jahren kennenlernten, erzählte er schon vom Fernsehen, ich plante immer schon in engeren Grenzen, fühle mich fremd, fragt man mich heute nach einem Termin im November.

Isarauen

Gestern nahm mich ein Freund zur Seite und erzählte, dass er Tage zuvor eine einsame Stunde verbrachte bei Stift und Papier. Mir fiel das schwarze Notizbuch ein, das ich nur selten noch bei mir trage, mit dem ich aber vor Jahren stundenlang am See saß, im einzigen Café im Schafwaschener Winkel. Viele veröffentlichte Texte stehen heute in Rohform auf den teilweise unleserlich beschriebenen Seiten, oft mit Bleistift geschrieben, um arbeiten zu können, umzusortieren und zu radieren. Hinten im Buch gibt es eine Falttasche, in der sich über die Jahre Postkarten gesammelt haben, Briefmarken und eine Liste mit Telefonnummern, weil ich schon immer in Wellen funktionierte und auch damals oszillierte zwischen völliger Ablehnung und völliger Hingabe zur Smartphone-Technologie. Ich habe mir gestern geschworen, das schwarze Buch wieder bei mir zu tragen und den Laptop dafür weniger oft.

Abenddämmerung

Das fiel mir eben ein, auf Höhe der Schule und des Cafés, in dem ich bisher nie saß. Es besitzt einen guten Blick auf den Hof und wenn die Eltern am späten Nachmittag ihre Kinder abholen, kann man beobachten, wie die Söhne und Töchter aus meist gutem Haus begeistert erzählen, in die Fahrradanhänger klettern oder nachdenklich schweigen, wenn der Vater seine Frage umständlich formuliert. Vielleicht ist dies ein Faible von mir, Menschen beobachten und darüber zu schreiben. Und vielleicht ist ein weiteres, wie ich beinahe zwanghaft Bücher nach ihrem Verlag durchblättre, um keine Lizenzausgaben des Bertelsmann Leserings im Schrank stehen zu haben.

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