Um zu entspannen spielt sie Klavier

Es gibt wenige Fotos, obwohl das Instrument bereits vor zwanzig Jahren eine Reise hinter sich hatte, über die Menschen Bücher schrieben und schreiben. Deutlich vor 1989 kam es – auf verschlungenen Wegen – in unser damaliges Wohnzimmer, doch mir liegen jene Pfade im Dunkeln, ich war noch zu jung und zu wenig interessiert. Heute habe ich keinen, der sich erinnert oder jeder winkt ab.

Leipzig/DDREs ist kein Klavier von C. Bechstein und keines von Steinway und Söhne, aber es reicht, um dem Klavierbauer einen anerkennenden Pfiff über die Lippen zu jagen, als er es zum zweiten Mal stimmt. Ein Klavier, dem die fünfzehnjährige Auszeit im Keller nichts machte, in warmem Weiß, raumfüllend, mit einem Klavierhocker mit weinrotem Bezug. Ein Klavier, das in dieses Zimmer gehört, als hätten sie das Haus darum geplant und gebaut; ein Herr im Haus, freundlich bestimmt.

Steht man drüben im modernen Museum, in dessem neuen Café oder in der sich zu unserem Haus öffnenden Halle, kann man nicht nur die Bücherregale erkennen, den alten Ohrensessel und die alte Leselampe, sondern ebenso gut auch dieses weiße Klavier. Von Zeit zu Zeit stehe ich drüben, abends, und beobachte sie. Um zu entspannen spielt sie Klavier.

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