#transalp13

Es muss einem wie ein Sieg vorkommen. Und obwohl ich noch diesseits des Berges stehe, fühlt sich allein hier zu stehen bereits wie ein Sieg an; das letzte Mal hatten wir zwar die Idee, doch kurz vor der Abfahrt mussten wir die Sache verschieben. Es geht übermorgen los – das Wetter scheint mitzuspielen – und in vier Tagen sitzen wir zwischen Weinbergen, auf der Suche nach WLAN, unsere Gedanken und Fotos zu bloggen. Wir haben die Qual noch vor uns; und wenn ich in dieser Zeit nachts nicht schlafe, sehe ich den weißen Lenker vor meinen Augen sich rhythmisch auf und ab bewegen, begleitet von meinem starkem Atem als Sound.

Kurbel

Während mich die Regelmäßigkeit dieses Atems wieder schläfrig macht, denke ich darüber nach, wo man seine Spuren hinterlässt. Ich habe einen Freund, der dieser Welt seinen Stempel aufdrücken will, der auf der Suche ist nach der nächsten großen Idee und der vielleicht irgendwann enttäuscht sterben oder Erfolg haben und mich später zu einem Tee einladen und sagen wird »doch«.

Antrieb

Wenn ich mich täglich einlogge in meinen Computer, sehe ich noch Fragmente von damals: Drüben, im alten Chat, in dem längst keiner mehr spricht, sind manche der alten Handles noch online und von manchen kennt man den Namen des Menschen dahinter noch nicht. Doch habe ich einige kennengelernt: Ich bin nicht oft in Wien, aber falls doch, treffe ich W., der mir einst den Bräunerhof zeigte, den Thomas Bernhard Zeit seines Lebens besuchte. Oder T., der früher in Osnabrück wohnte und kurz nachdem ich die kleine Stadt verließ, seine neue Stelle im Rechenzentrum begann. Wir haben uns um nur zwei Monate verpasst und darüber gelacht, als ich letztens in seinem Büro stand. M., den ich länger kenne als er seinen Ex-Freund und J., mit dem ich einmal zusammengelebt habe.

Bremse

Irgendwer sagte »damals war das Internet kleiner« und dort zu sein war etwas Besonderes. Das ist mir verloren gegangen, es ist normal geworden, es gibt nicht mehr die Eingeschworenheit einer Minderheit, zu der ich damals gehörte. Es ist gut, dass die Zeiten sich ändern, doch Freunde habe ich in diesem Medium danach selten gefunden.

Kurbel

Damals und doch in einer ganz anderen Zeit las ich von D., zuerst ein Buch, dann die Texte, die er ins Internet schrieb. Übermorgen radeln wir der Gebirgskette entgegen, in vier Tagen sitzen wir in den Weinbergen, im Herbst in Meran, und werden dorthin – auf dem ersten Gipfel – in Lachen ausbrechen, hysterisch verzweifelt, weil wir wissen, zwischen uns und Meran liegt ein weiterer Pass. Und er wird auf seinen Gepäckträger zeigen und lachen.

Wäre ich theatralisch: Es wird nur Blut geben, den Schweiß und die Berge.
Ich werde darüber schreiben. Hier und drüben bei Twitter.

14 Gedanken zu „#transalp13

  1. Denkst Du – kurz vor dem Weg, der das Ziel ist – nicht, dass die Suche nach der großen Idee schon verdammt viel Spaß macht und die Furcht vor Enttäuschung deswegen unbegründet sein könnte?

  2. Hach ja. Ich druecke alle verfuegbaren Daumen, dass es glatt laeuft fuer Euch. Und was mich selbst betrifft, ich weiss nicht, ob ich eher erleichtert darueber sein soll oder ob ich es doch bedauere, nicht mit dabei zu sein bei der Schinderei.

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