Statt Karten

Immer wenn ich in eine andere Stadt reise, in der ich lange nicht oder vielleicht nie gewesen bin, werden die Vorsätze nie Realität. Ich plane, dass ich mich in Cafés setze, schreibe, lese und mir über einige Dinge klar werde, über die ich mir klar werden muss. In der Realität finde ich das Café dann nie, das ich mir ausgemalt habe, und sowieso laufe ich die weitesten Strecken zu Fuß und bin permanent mit meiner Orientierung und dem Stadtplan beschäftigt, so dass sich die Gedanken erst Bahn brechen können auf den bereits bekannten Wege drei oder vier Tage nach meiner Ankunft, wenn man ein erstes Gefühl entwickelt hat für die Stadt.

Café Montmartre

Montmartre

Und das fiel mir noch auf: Berlin und Paris spielen in der gleichen Liga, was Hundekot auf den Gehwegen betrifft. Als wir Paris Sonntag morgens erreichten und die Stadt noch nicht wirklich erwacht war, bot der ein oder andere Trottoir ein denkwürdiges Bild. Vielleicht ist das eine unfaire Situation, zur Unzeit zu kommen und die Stadt am ersten Eindruck zu messen. Doch da meine Berliner Zeit auf einen Winter fiel, ist der Vergleich nicht ganz so schief, schließlich sind Winter für Städte stets ungünstige Zeiten. Möglicherweise habe ich einen Charme für’s Morbide, fotografiere ich Szenen, die – genommen für sich – jede Stadt trostlos und verfallen zeigen. Und doch: Es sind nur die ungekehrten Ecken, es ist nur das eine Gebäude, das einstürzt.

Montmartre

Montmartre

Ich habe in den letzten Tagen einiges an schlechterer Fahrradliteratur mit nach Frankreich getragen und dort gelesen. Doch die Biographie von Laurent Fignon sticht positiv heraus und so zufällig man auf einem Friedhof spazierengehen kann und so zufällig man in den Hof des Krematoriums abbiegt, so zufällig steht man irgendwann vor seinem Grab. Es liegt direkt neben dem Urnengrab mit der Nummer 1436 auf dem Cimetière du Père Lachaise, falls ihn jemand sucht.

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