Put me back on my bike!

Wenn ich zur Zeit abends lese, dann Biographien und Erlebnisberichte. Und weil ich zeitgenössische Literatur lese, ist das manchmal etwas schwierig mit der Qualität der Bücher: Die alten Meister sind bewährt, der Rest aussortiert, und wenn man einen Brecht, einen Lenz oder einen Mann aus dem Regal zieht, weiß man, was einen erwartet. Nimmt man hingegen einen Löhle oder Moore, einen Fignon oder einen Fotheringham zur Hand, steht lediglich das Genre fest. Und da ich gerade Biographien und Erlebnisberichte von Radfahrern lese, bleibt mir nur zeitgenössische Literatur.

Galopprennbahn

Der Ausschuss liegt bei fünfzig Prozent. Ein zum Glück nur geliehenes Buch mit Kolumnen habe ich nach den ersten zehn Seiten zurückgelegt und überlege seitdem nach einer galanten Antwort auf die Frage »Na, wie war’s?« und ein Bericht über die erste lange Radtour eines englischen Nicht-Radfahrers war nicht ganz so desaströs, hat aber ihre humoristischen und erzählerischen Längen. Dem gegenüber stehen zwei Biographien und dies lässt zwei Schlüsse zu. Der erste ist, dass über das Radfahren nur schreiben sollte, wer es beruflich betreibt. Der zweite, mir weitaus sympathischere ist, dass Journalisten keine Bücher schreiben sollten. Ich kenne nur ein einziges Gegenbeispiel und dieses Buch ist ein beinahe fiktiver Roman.

Einfahrt zum Autokino

Fasst man die deutsche Kolumnensammlung und den englischen Reisebericht zusammen und macht einen Landstrich daraus, wäre es ein Brachland wie der Münchener Norden. Ich war – man könnte es beinahe so nennen – geschäftlich unterwegs und hatte am Flughafen etwas zu erledigen, daher fuhr hinauf zum Speichersee und weiter zum Flughafen. In dieser Richtung sind die Straßen unbequem, die Gegend meist diesig – heute verdunkelte sich die Sonne, als ich das Münchener Ortsschild passierte – und aus den Bächen, an denen ich fuhr, griff die Natur mit klammen Fingern nach mir. Hallbergmoos ist ein bisschen wie Neukölln im Nebel.

Am Flughafen

Die letzten Worte Tom Simpsons vor seinem Tod am Mont Ventoux waren übrigens nicht Put me back on my bike! Sein Mechaniker sagte, es war ein gestammeltes Wort, dreimal wiederholt:
Los, los los!

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