Pürreelinie 7

Das Gefühl, eine Abkehr vom Normalen, das oftmals in den Wäldern durch die Beine kriecht und anschließend den Rücken hinauf, das Gefühl geht ungefähr so: Die üblichen Steine, die man unter den Reifen spürt sind plötzlich nicht mehr wahrnehmbar, wenn die Musik in den Kopfhörer leise ist, hört man vielleicht ein Geräusch, das an ein kaum aufgeblasenes Schlauchboot erinnert, und dann irgendwann schlagen die Bremsflanken durch auf den Feldweg. Führt man keinen Ersatzschlauch, keine Luftpumpe und hilfreiches Werkzeug im Gepäck, verliert man einige Stunden zum Bus oder zur Bahn oder beim Warten auf einen Freund, der ein Auto besitzt.

Pause

Es beginnt die Jahreszeit, die ich herbeisehne seit ich Kind bin. Nicht weil ich im Winter geboren bin, sondern weil sie das Geräusch erweckt, das ich hören kann, wenn ich die Augen schließe: Das Knarzen des Schnees unter den Schuhen, irgendwo im Wald in völliger Stille. Ich wuchs zusammen auf mit einer Bernersennenhündin, die mir viele Stunden im Schnee bescherte. Damals waren die Spaziergänge ein Zwang, heute zehre ich von diesen Erinnerungen, die hinter dem Sportplatz liegen an den Rändern des Weges, der heute Naturlehrpfad ist.

Ich liebe die Abende, an denen das wunderschöne Mädchen erzählt, wie sie sich damals in ihrer WG mit Kohle die Gesichter schwärzten in einer kalten Dezembernacht jedes Jahr und loszogen, im Wald einen Weihnachtsbaum zu schlagen. Ich bin nie dabei gewesen, doch wenn ich die Augen schließe, habe ich die Geräusche dieser Nächte im Ohr, das Gewirr flüsternder Stimmen und das Knirschen des Schnees unter ihren Schuhen.

Pürreelinie 7

Sie hat heute Geburtstag und wir, wir sind im Zug unterwegs. Fort aus dem Regen.

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