Prepared for Dramatic Reading

Ich wurde vorhin aufmerksam auf einen Artikel in mindestens haltbar, der sich mit den normalen Sorgen eines Redakteurs der Schülerzeitung vor fünfzehn, vielleicht zwanzig Jahren beschäftigt.
Teil einer solchen Redaktion war ich nie, doch manchmal lümmelte ich mich in den Redaktionsräumen unserer alten Schule, weil Schülerzeitungsredakteure auf meiner persönlichen Coolness-Liste relativ weit oben rangierten; das wiederum war begründet durch jenes Mädchen, das ich dort immer zu treffen hoffte, denn ich war vielleicht ein bisschen verliebt.
Zu dieser Zeit spielte ich in einer Band und irgendwann hat sie mir erzählt, dass es ihr damals ein bisschen erging wie mir. Möglich, dass ich mich aus diesem Grund heute an Blogs und Tageszeitungen festhalte, während sie nebenbei in einem Plattenladen arbeitet.

Hektograpie

Mein Leben in der alten Schule drehte sich indes nicht nur um jene Räume, in denen sich die Schülerredaktion befand, sondern auch um das Kabuff des Hausmeisters, an das ich mich beim Lesen des Artikels erinnere; diese Räumlichkeiten, gehütet wie ein Geheimnis, waren das Zentrum einer meine ganze Schullaufbahn durchziehenden Faszination – vielleicht das Einzige, was sich in den neun Jahren auf dem Gymnasium nie geändert hat.
Während der gesamten Mittelstufe habe ich mich auf das Austeilen qualitativ schlechter Zettel gefreut, weil sie gegenüber normalen Kopien, die in der Anfangszeit meiner Gymnasiallaufbahn wenn überhaupt eine untergeordnete Rolle zu spielen schienen, an die ich ich jedenfalls überhaupt kaum erinnern kann, was ja aussagekräftig genug ist, eine Eigenschaft hatten, die uns als Kinder und Jugendliche faszinierte: sie rochen. Es war der durchdringende Geruch von Spiritus und wenn solche Blätter ausgeteilt wurden, saßen einige von uns gebeugt wie Süchtige über dem neuen Klebstift.
Je älter man wurde, desto seltener wurden diese Kopien und desto weniger wurde der Moment des Austeilens zelebriert. So inhalierte man in der Oberstufe bestenfalls versteckt am neuen Aufgabenblatt der Biologie (während man vorgab, in seiner Tasche zu suchen). Dass man die Schrift der zwanzig Jahre alten Vorlage kaum mehr entziffern konnte, regte niemanden auf. Denn:

Das beste am Hektographieren
ist natürlich der Geruch.

Zitat: Reisenotizen aus der Realität
Bild: Old Cambridge Shakespeare Association

2 Gedanken zu „Prepared for Dramatic Reading

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