Juli 28th, 2008

Ruf! mich! an!

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Ich hätte wirklich nicht geglaubt, dass mich ein elektronisches Gerät noch einmal so begeistert. Vielleicht bin ich für andere wieder in eine Richtung gerückt, in die ich nicht wollte, deren Habitus meinem Beruf aber anhängt.

Keine Mikrowelle!

Ach, und wenn schon.

Juli 24th, 2008

Atomkraft für Anfänger

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Atomkraft für Anfänger

Drei Störfälle in französischen Atomanlagen innerhalb der letzten drei Wochen, gestern wurden laut dem Stromkonzern EDF einhundert Mitarbeiter der Atomanlage Tricastin leicht kontaminiert.

Menschenverachtend stuft die französische Atomaufsichtsbehörde den Störfall auf Stufe Null ein, damit auf der niedrigstmöglichen Stufe der bis sieben reichenden Störfallskala. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt bestanden…

Mut machen die Störfälle in Frankreich nicht; sie könnten hier die Informationspolitik beeinflussen, um die Bedürfnisse der Atomlobby durchzuknüppeln.
Biblis (u.a.) ist von der gleichen Bauart und ungefähr gleich alt.

Juli 22nd, 2008

Jenseits des Kanals

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Dieses Wetter da draußen hat dennoch sein Gutes.

Der Schreibtisch im Herbst

Man empfindet das eigene Büro nicht mehr als so karg wie noch gestern, weil die Tischleuchten den Schreibtisch in ein warmes Gelb hüllen. Draußen vor der Tür summen vertraut die Computer und hier hat man zum Lesen einen Stapel Papier.

Ich bin viel unterwegs zur Zeit; zwischen Spanien, dem Chiemsee und England pendle ich im Büro vorbei. Es gab Zeiten, in denen ich unglücklicher war. Sie liegen nicht lange zurück.

»Arbeit ist eine Grundbestimmung menschlichen Lebens.«
(Erzbistum Freiburg)

Juli 20th, 2008

Eine sonnige Nacht

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Der Kaffee schmeckt, leider nicht gut.
Die Rosinen des Brötchens kleben zwischen den Zähnen.
Über die Dächer dieser Stadt pfeift ein Wind, vor dem dich die Mauer hinter deinem Rücken schützt.
Irgendwo drüben klingelt die Kirche, bald geht es zum Morgengebet, die ungewöhnlich schwache Sonne gibt ihr bestes, um dich mit dem Tag zu versöhnen.

Stadtmauer und ich

Man sieht die Dinge anders von oben, haben wir gestern erklärt. Man hat uns zugestimmt und gesagt, dass sei trotzdem schwierig.
Und irgendwann habe ich einen dummen Satz gesagt, über den ich mich später ärgerte. Irgendwann danach bin ich dann gegangen und habe allein gegen mich im Schach verloren. So stülpen wenige Viertelstunden den Mantel der Melancholie über einen sonst guten Tag. Dazu gab es einen Beutel Tee, den man mir aus Hannover schickte vor Wochen.

Der Kaffee ist leer, Wolken verhängen die Sonne.
Die Rosinen des Brötchens kleben zwischen den Zähnen.
Über die Dächer dieser Stadt pfeift ein Wind.

Juli 16th, 2008

Home-Made Alarm

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Auf der Treppe ein Pfeil. Ihm folgend die emaillierter Petrischale, ein Unterteller als Deckel. Es riecht und sieht aus wie Spinat. Bewegende Knoten suhlen sich tarngrün durch den Schlamm.

Madenalarm

Nächstes Mal, Katze, isst du bitte auf!

Juli 14th, 2008

Vorsicht! Kurven

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Vorsicht Kurven

»Landflucht« sage ich, sei das, was ich mache. Und du: »Eher Stadtflucht.« Ich widerspreche, immerhin ist Spanien keine zehn Tage her. Für weiter reichte das Kerosin damals nicht, und ich wäre sprichwörtlich über das Ziel hinausgeschossen.

Du weißt, wie wichtig das für mich war. Es ist schön, uns zu treffen, wo man sich vor sieben Monaten traf. Die Umstände sind andere, sie deuteten sich damals nur an. Und noch vor einem Jahr wäre ich fast gestorben.

»Wieder ein Titel für meine Biographie« sage ich und zeige auf den alten Baum an der Ecke. Im Hintergrund schaut ein Fisch in den Himmel.
»Einmal Madrid« höre ich mich laut denken »oder doch vielleicht Barcelona.« »Oder – ach was – das hier ist doch ganz gut.«
Mit aller Melancholie.

Juli 10th, 2008

Kurzdrama.

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Nur selten habe ich eine prägnantere Kurzbiographie von mir gefunden als jene, die mir Theater GegenStand in den letzten Tagen schrieb.

Niels Kurzdrama.

Juni 29th, 2008

public viewing

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»Bist du schon wach?« – »Man kann dieses christliche Terror-Geläut dort draußen ja kaum überhören!«
Stünde ein Muezzin auf dem Dach meines Nachbarn – es wäre nicht weniger unangenehm aber dennoch gerecht.

Heute Abend kämpfen zwei Götzen und unten blöken Besoffene, schwenken ihre Wimpel im Takt und freuen sich, was man in der letzten Zeit gewonnen hat. Und hacken die Zähne ins Fleisch toter Tiere und sabbern und saufen und gröhlen und spei’n.

Sonntag morgen, die Bimmel klingelt zum Fußballgebet – dass heute abend nach Wien kein Stein mehr auf einem anderen steht!

public viewing [funeral] – öffentliche Aufbahrung {f}

Juni 28th, 2008

Grönland. Das Eis

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Touristen mit käsigen Beinen stehen herum, jemand dessen Stimme mich nervt, albert mit einem jüngeren Kind. Die Bücher sind aus, die Zeitung gelesen, das Essen kommt endlich und wer bestellt Milch.
Dieser Jemand hat deutlich mehr Ringe als Finger und ist mir naturgemäß fremd, er liest hier in meinem Wohnzimmer Bücher von jemandem, den man kaum kennt.

Mir fällt wieder auf, dass ich sehr schätze, was mir zum Wohnzimmer wurde. Weil andere sich hinaussetzen, sind die gemütlichen Sessel frei; Wir schauen in den Himmel und warten auf den Wolkenbruch: Jener, der schreibt nebenan und die zusammen frühstückenden Mädchen.

Hier läuft keine Musik (gerade!), Hannes Wader klingt mir im Ohr und macht sentimental. Es dampft ein Kakao aus der Schale auf dem Tisch
denn irgendwas muss sich ja ändern.

Juni 26th, 2008

administrative domains

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Es ist schon erstaunlich, man sitzt genau an der Quelle
und trotzdem fragt man nie »Kennst du einen guten Arzt?«
obwohl sie doch fast täglich geht.

Kein Vertrauen.

Das Klatschen der Wellen gegen den Pier, auf dem ich stand und der Geruch von Fisch und Meer

(du sagst: von der Fischbude dort)

Später im Schanzenviertel aus dem Auto heraus jenen Tisch wiedergefunden, an dem ich im August saß

Trotzdem hat an diesem Tag Hamburg verloren gegen Berlin
Ich weiß nicht warum
Vielleicht der Umstände wegen und der Zeit, die wir nicht hatten

Als ich den Zug stieg
dachte ich zweimal
»Bis bald«

Auf dem Couchtisch flackert die Kerze, die wir in Salzburg aus dem Schnee gruben. Wir haben immer auf eine Gelegenheit gewartet, den alten Docht abzufackeln, es hat sie nie gegeben.

Sie ist nicht pittoresk, die Blechschale beulig zerdrückt, wie eine alte Kerze vielleicht aussehen muss, die Falten, die Großvätern ins Gesicht gerissen sind, unterbrochen von jenem wissenden Blick. Wir haben immer auf eine Gelegenheit gewartet.

Vor nicht mal einem Jahr wäre ich enttäuscht gewesen darüber, dass wir nicht haben reden können.
Darüber, wie wir haben reden müssen.
Ein paar Monate später glaube ich, dass es anders nie hätte stattfinden können.

Das ist, was ich letztes Jahr gelernt habe. Was in keinem Jahresrückblick, den man im Januar schreibt, auftauchen würde.

Ein Lied, das ich in Zeiten der Melancholie sehr schätze.
Dort, wo die Pathetik wohnt.
Die Musik der Marburger Band, die es schon lange nicht mehr gibt, wird rausgekramt in Zeiten, die gerade erst begonnen haben.

Und irgendwie ist alles gut. Seltsam melancholisch; ich kann nicht behaupten, das vermisst zu haben und doch fühlt es sich angenehm warm an, wie ein alter Bekannter, mit dem man einst zu viel Zeit verbrachte. Von dem man sich länger entfernt hat und sich doch freut, ihn wieder zu sehen.
Wie beim zehnjährigen Abitreffen vielleicht, das in einer Woche beginnt.
Und wenn ich nicht mehr mag, kann ich einfach fahren.

Die Band, die ich meine: Hotel Stern

Der Satz im Kaffee
reimt sich auf mich.

Ach, diese EM.

Seit vorgestern weiß ich, wo sie stattfindet.
Seit gestern, dass England nicht dabei ist.
Was sonst ist noch unwichtig?

John Dee, Olso.

Mädchen

Mein ersten Emo-Konzert. Ich kenne wirklich einige Comics, blöde Witze und Vorurteile über Emos, aber die sehen tatsächlich so aus. Auf Konzerten wie diesen haben sie sogar Handys mit schwarzem Bildschirmhintergrund. Und sie sehen alle aus wie Elliott Smith – der sich im Grab umdrehte, wüsste er das.
Diese Musik, von der meine Gastgeberin schwärmen wird »diese Melodie!«, die ich verpasst haben muss. Und Geschrei. Die Band kündigt another hardcore song an, doch man versichert mir, das sei Emo. Und Elliott wippt mit dem Kopf.

Die Bands, die hier spielen, kenne ich nicht. Mit der berliner wird meine Gastgeberin später Pizza essen gehen, wozu ich keine Lust habe. Ich werde lieber zwanzig Minuten auf die Bahn warten.

Mai 25th, 2008

1X

2 Comments, Reisenotizen, by niels.

In Oslo scheint die Sonne, ich laufe im norddeutschen Strickpullover wo andere sich bräunen. Ich ziehe mir im Unterholz die Kapuze tief ins Gesicht, als ich vor dem nackten Mann stehe, dem das hier mehr ausmacht als mir.

1X

Ich bin wieder hier.

Mai 13th, 2008

Shoreline

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Dreimal sagte mir man, dass man sehr begeistert sei, wie ich mich gäbe und wie fröhlich ich sei. Das war vor vier Tagen. Ein Urlaub nur, keiner der leichten, einer in dem man seinen Standpunkt überdenken und Vorurteile über Bord werfen muss.
Das letzte, das fiel (wie zum Beweis!): Wenn etwas anstrengend ist, macht es keinen Spaß.

Er war wichtig.
Vielleicht hat er mich zurückgebracht an Orte, an denen ich lange nicht mehr war.
Sicherlich hat er mich weitergebracht an Orte, an die ich nie gekommen wäre.
Sie war wichtig.

Kaffeebar: San Sebastián

April 25th, 2008

In der kleinen Tartarei

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Einen Urlaub im Internet zu buchen ist wie Einkaufen beim Pimkie’s, sagst du. Und verhältst dich wie vor Jahren, als wir es miteinander nicht aushielten. Du bist nicht besser geworden; ich weiß, du ärgerst dich über dich selbst.

Global Warming is now!

Das Glück wartet hinter der letzten Kurve. Immer. Ich freue mich auf Spanien. Ich werde viel zurücklassen, zu viel vielleicht. Hoffentlich genug. Wir schütteln beide den Kopf beim Wort Rücktrittsversicherung.

Draußen prallt die Sonne in noch nicht gestorbene Bäume, in den Häusern fällt der Regen. Wir gehen auseinander ohne uns zu verabschieden, wo und wann wir uns wieder sehen ist ungewiss. Du bist nicht was mich beschäftigt.

Du bist’s.

f: FOUND magazine

Das Bild, was auch hier hängt, habe ich letztens gesehen. Dort. Vielleicht im Traum, vielleicht bei ihr, die ich gar nicht sehr mag, es würde jedenfalls passen. Denn es erzählt über den, der es hängt.

Wo ich das überall sah.

Nicht bei ihr, bei ihm, der mich kannte/erkannte, der mir einen Kuss auf die Wange drückte und sagte, es ist alles okay. Ich war derjenige, der Angst hatte, ich war der eine in Sorge. Als wir uns das letzte mal sahen, schwangen Vorwürfe in der Luft. Dieses mal ein warmes Hallo und vielleicht ein »Bitte warte diesmal nicht so lang.«

Wo ich das überall hörte.

Und dann sagst du, der nächsten Woche steht nichts mehr im Weg und dass du nicht gehst. Ich sollte mich freuen und mache mir Sorgen. Ich weiß, was wir aneinander haben. Vielleicht gerade darum. Und nächste Woche wird toll.

Wo ich das überall dachte.

Man mag aus der Zukunft zurück auf etwas, das man nicht kennt schauen und sagen »Das war’s«; und sagen können: »Das war’s.” Und im Ohrensessel drehen den Kopf, an den Lippen hängen und die Geschichten hören. Von dir und euch. Und dich sehen.

Wo ich das überall träumte.

April 17th, 2008

Tusenbein

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Da fragt mich einer, ob ich verliebt bin.
Vielleicht weil ich nicht schreibe,
vielleicht weil ich selten hier bin und
vielleicht weil ich nicht singe.
Vielleicht weil man uns zusammen sah
an einem Abend, dieses mal und jenes mal.

Die Antwort ist immer die gleiche
und hat nichts damit zu tun,
dass ich nicht schreibe,
dass ich selten hier bin und
dass ich nicht singe.

Es ist eine Art Lauf der Dinge
und irgendwann schreibe ich wieder mehr.
Doch im Augenblick passiert anderswo mehr.
Vielleicht muss man sich manchmal nur zwingen.
Das würde helfen, vor allen Dingen.

Bombesikker.