Februar 14th, 2008

Valentinstag

No Comments, Lifestyle, by niels.

Es ist doch von Ende Oktober bis Mai
immer nur November.

I still love you

Die stille Verbündete sitzt schräg gegenüber, wir kennen uns nicht doch sind zusammen allein. Sie schließt die Augen oder schaut aus dem Fenster, wie es nur stille Verbündete tun. Sie wird ein paar Stationen früher aussteigen und sich wundern über wen, dem es gut geht, denn er kann wieder spüren.

Und es kommt mir so vor, als wenn dieses Jahr länger als zwölf Monate war
Januar, Februar, Maerz, April, Mai, Juni, Juli, August, September
Und gleich dreimal Oktober
November, Dezember

– Tocotronic – Dieses Jahr

Januar 28th, 2008

Agætis Byrjun

No Comments, Freunde, by niels.

Ich glaubte schlafen zu können bei der Musik der isländischen Band.
Ich glaubte mich im Bus nach Oslo, wenn ich die Augen schloss, diese Musik im Ohr, damals wie heute sind die Erinnerungen geweckt, der Geruch des Busses und der Geschmack der Ferne.
Ich schrieb eine SMS, dass ich bald komme
und »weißt du denn nicht, was dich erwartet?«

Im Bus nach Oslo

Die Wecker ticken einen sonores Geräusch, ich wäre gern bei dir in der Stadt.
Und ich habe gesagt, dass ich, käme ich wieder, flöge.
Heute bin ich mir nicht mehr so sicher.
Und ich habe gesagt, ich sei verloren.
Und wie immer viel früher als ich
hast du gewusst
was ich meine.

Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden,
sondern immer ein Kinofilm sein.

Als du mir dieses Buch empfahlst, dir vertraue ich blind, da war noch alles anders. War alles anders?
Gestern war es. War es gestern? Ich habe geschrieben, weil ich einiges besser machen möchte als vor ein paar Jahren. Weil kein Wort des Briefs gelogen ist. Und weil das alles zusammenhängt.
Weil ich dem eine Menge zu verdanken habe.

Liebe ist kein Liter Wasser, den man auf verschiedene Gläser verteilen muss.
(Ein Teil meines Lebens, den ich nicht überdenken werde.)

Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden
und keine deutsche Produktion.

Karpatenhund – Stunts

Januar 5th, 2008

Altes Gasthaus Love

No Comments, Freundschaft, by niels.

Mit dem Rücken zu mir: ihr.
Gehend aufs Eis dieses Sees, auf den ich blicke, euch nach, das Felsmassiv am anderen Ufer an,
doch vor allem: Euch nach.

Als du dich umdrehst – ich weiß nicht warum – lächle ich bereits, glücklich allein, euch nach,
doch vor allem: Dir nach.

Am Fuße der Felsen, die ich lange nicht sah,
auf der zugefrorenen Bucht schwarze Punkte, vielleicht ihr, ganz sicher egal.
Vom Kaffeehaus (lesend) schau ich euch an
umringt von Menschen (essend und trinkend), die ich kaum verstehen kann.

Ein Hund nüstert draußen in den staubigen Schnee,
ich sitze drin bei Kaffee und Tee
und habe, wenn man mich fragt, was ich macht’ sagend
»Glücklich den Urlaub verbracht«.

Zwischen uns etliche Jahre und genau so wie’s ist, so ist es gut.
Ein langer Weg war es bis zu diesem Satz,
der Monate in Anspruch genommen hat.

Wir wissen die Komplimente zu deuten, die man sich morgens zu Tagesbeginn macht,
wir wissen (uns manchmal umarmend sagend), dass man sich noch eine Ewigkeit hat.

Wie Raupen die Straßen planieren Hamburger Lieder die Welt:

»Endlich einmal etwas, das länger als vier Jahre hält.«

Nachdem ich den Zug betreten habe, der nur eine Alternative zu dem ursprünglich geplanten, ja gewollten, war und letztendlich gewesen ist, genau genommen die vierte Alternative, die der Rangfolge nach absteigend ihrer Beliebtheit auftreten, wird klar, warum die Reservierungen der drei früheren Züge nicht möglich gewesen sind. Der ICE, mit dem ich die Messestadt verlasse, platzt aus allen Nähten und die Wand hinter meinem Sitz, die Fahrgastzelle von Führerstand trennt, murmelt mir »Glück gehabt« ins Ohr.

Vier Stunden später, ich habe den Platz meiner Sitznachbarin, einer Sonderpädagogikstudentin aus Augsburg, die recht bald dem Bordradio lauschen und schlafen wollte, eingenommen, schüttet sich ein junger Familienvater Meditonsin direkt aus der Flasche in den Mund, wahrscheinlich um heil aus dieser Quarantänestation, wie er jeden Zugwagen seiner Frau gegenüber zu Hause nennen wird, umringt von Bazillenschleudern, wie er die anderen in Zeiten wie diesen seiner Frau gegenüber betitelt, herauskommt und also gesund bleibt, gesund bleiben wird. Sein bayrisches Kind macht komische Grimassen, neben mir fragt eine Tochter ihre häkelnde Mutter, ob man jetzt aussteigen müsse.
»Nein« diese, und was sie nicht weiß:

Wir sind noch lange nicht da.

Was ist es, das einen besten Freund zu diesem macht oder den Lieblingsautoren. Warum bezeichnet einer eine Band als seine wichtigste, ohne sie jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat zu hören?
Wenn ein bester Freund sagt, man müsse nicht ständig telefonieren, denkt man vielleicht an den Österreicher, dessen Bücher man ab und zu liest. Dann denkt man vielleicht an die Hamburger Band, deren Lieder man lange nicht hörte.

WG-Zimmer-Romantik

Man schätzt sie doch und würde keinen Moment zögern, sie als jene für sich Wichtigsten in ihrem Genre zu bezeichnen. Der beste Freund ist eine Million Kilometer entfernt, der Lieblingsautor lange gestorben und mit der Band seines Lebens trank man einst das letzte Glas Bier.

Ich singe, wenn andere vermuten, mir ginge es schlecht. Nachts draußen, am 24. Dezember, werde ich sagen »Mama, das ist alles nicht meins« und sie wird sagen »Ich weiß«.

Ich lebe mich durch eines der schönsten Leben,
mit den schönsten Songs Welt.

– Geigen bei Wonderful World – Tomte

Dezember 18th, 2007

Biometrie Präambel

2 Comments, Photographique, by niels.

Biometrie Präambel

Fotos: Sylphide Noire

Dezember 13th, 2007

Peace ist auch nur eine Droge

No Comments, Lifestyle, by niels.

Wir sitzen in diesem Kunstcafé, an dem wir früher oft vorbeifuhren und dachten, man solle sich das vielleicht einmal anschauen. Durch die Fensterfront starren wir auf die nicht befahrene Straße, während der Regen die Bäume entlaubt. »Wie in Berlin« sagst du »in einer Ecke, in der gar nichts passiert.«

Ich sitze in diesen Redaktionsräumen, von denen ich früher oft träumte und dachte, man solle sich die vielleicht einmal anschauen. Ich habe in den letzten Stunden einige Menschen kennengelernt, die ich morgen nicht wiedersehen werde, weil ich mich in ein paar Stunden dazu entscheide, den Journalismus eben jenen sein zu lassen.

Dinge verlieren, geht man sie an. Das Tolle ist in der Wirklichkeit unspektakulär, wenig glamourös. Jemand hat gesagt, Phantasien bringen es einfach nicht. Vielleicht habe ich deswegen irgendwann aufgehört zu träumen.

Irgendwer schrieb:

Ich habe Heimweh.
Ich bin mir nur noch nicht sicher wohin…

Dezember 3rd, 2007

T

2 Comments, Freundschaft, by niels.

Ich wollte mir heut etwas wünschen,
doch die Wimper flog einfach nicht weg.
Jetzt frage ich mich an dich denkend
war das nun Glück oder Pech?

Ich hatte nie in meinem Leben
eine größere Muse als dich.
Jetzt frage ich mich an dich denkend
war das nun Glück oder Pech?

November 27th, 2007

A Minor Place

No Comments, Literatur, by niels.

Traumlos wälzen, weil die schlimmsten Träume für die Bedienung der Psychosen gerade nicht ausreichen. Dein lachendes Gesicht, als ich koffeingeschwängert »Plane mich ein« sage. Dein (wahrscheinlich) lachendes Gesicht beim Hinausgehen – könnte ich Gedanken lesen, müsste ich mir nicht nur einreden, dass du dich über meinen Übermut kaputtlachst.

Lese-Nacht & After-Theater-Party
Waggonhalle Marburg
Samstag, 1. Dezember, 23 Uhr

November 21st, 2007

Selektive Wahrnehmung

2 Comments, Cats, Lifestyle, by niels.

An meinen Füßen liegt die schwarze Katze, die ich mit Futter bestach.
Die wahrscheinlich nur dort liegt, weil ich sie mit Futter bestach.
Die mir genervt ins hustende Gesicht blickt
und sich abwendet mit dem ihr auf die Stirn geschriebenen Gedanken
»Bis zur nächsten Mahlzeit bleibe ich.«

Und natürlich bilde ich mir ein, dass sie das Schniefen und Röcheln genießt als regelmäßiges Geräusch. Sie meine Nähe sucht (wenigstens sie), weil sie gern bei mir ist. Selbst jetzt. Und zur Belohnung denke ich, dass es ihr, wenn ich wieder gesund bin, noch besser gefallen wird in Abwesenheit des Schniefens und Röchelns als regelmäßiges Geräusch.

Dass dieses Weib nur dort liegt, weil ich Herr bin über das beste Bio-Katzenfutter der Stadt,
daran denke ich nicht.

November 15th, 2007

Du bist ein seltsames Mädchen

No Comments, Freundschaft, by niels.

Wir haben tatsächlich geschrien. Doch nein, wir hätten schreien sollen, uns die Seele aus dem Leib und gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Jeder andere hätte wohl gefragt »Warum?«, dass ich diese Frage nicht auf den Lippen und über die Lippen gebracht hatte, überrascht mich selbst. Ich sage stattdessen »Viel Glück« und meine es zum ersten Mal in meinem Leben ernst.

television

Weißt du noch als ich dir erzählte, wie sich das anfühlt, wenn man sein Auto verkauft, wenn man sich von seinem Mitbewohner trennt, wenn man die alte Wohnung und einen großen Teil des alten Lebens hinter sich lässt?
Es ist wieder dieses Gefühl. Eine Niederlage befreit. Doch: Ist es eine Niederlage oder tatsächlich ein Sieg?
Denn es ist ein gutes Gefühl zu sagen, wir kennen uns noch in zehn Jahren.

Als mir die alte Freundin gestern sagte, man würde immer hoffen, dass man der einzige für jemanden sei, habe ich ihr noch beigepflichtet als sie schloss mit den Worten »Eine dämliche, grundfalsche Annahme«.

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr

– Georg Danzer – Die Freiheit

November 12th, 2007

Manicalea

1 Comment, Musique, by niels.

Das hier hat mich schon im August von den Beinen geholt als ich saß, in Kiel.
Es hat mich gestern von den Beinen geholt als ich saß, in meinem Zimmer.
Er gegenüber.
Wir zusammen.

Die Mitbewohnerin schenkt mir eine Hose jener Art, die ich seit Monaten liebe. Die anderen lachen, freuen sich gemeinsam über den vorangegangenen Abend, jetzt, wo man Zeit findet, sich darüber auszutauschen. Der Wert dieser Wohnung ist unermesslich, wir sind glücklich, ich lege die Platte auf während sie fragen

»Ist er es?«.

Er war da.

Ob sie das auch kennen, einen Menschen, der den Tag herumreißt, herausreißt? Der anruft und sagt »Ich brauche dringend Kaffee« und »Wisch’ dir gefälligst die Nacht aus dem Gesicht, in fünf Minuten werde ich da sein!« Als er geht, läuft eine CD, bei der ich den regnenden Wolken ins Gesicht lache und frage, was sie denn wollen.

Träume von Freiheit, ich beneide und habe eine Ahnung, wie sich das anfühlt, hatte die Ahnung schon am Morgen um neun, als der Regen auf den Dachpfannen platzt und gegen die Dachfenster schlägt. Ohne zu wissen wo er schläft, schließe ich die Augen mit dem Geräusch im Ohr, das er jetzt hören muss.

Sie klingelt mich aus dem Schlaf, bestenfalls drei Minuten, die enden mit

»Wir schreien morgen.«

November 9th, 2007

G

1 Comment, Freunde, by niels.

»Wir sind unsterblich!«
Ich würde gern, doch von dem Kreis, in dem ich das zum allerletzten Mal rief, sind nur Ruinen übrig.
Weißt du noch, damals?

Der Unvernunft – oh ja – Tribut: »Wir sind unsterblich!«
Von dir weiß ich’s, du wirst mich schlagen mit dem falschen Bild, das ich mir mache.
Du sollst dir kein Bild machen – »halt’s Maul!« und poche auf den Übermut.

Ruinen liegen also auch hinter mir.
Und jetzt?
Das Ende vom Anfang ist nicht der Anfang vom Ende.

Du weißt, wie wichtig du mir bist.

November 6th, 2007

Ein Lidschlag, ein Schnitt

No Comments, Freundschaft, by niels.

Dass Briefe wieder wichtig werden, merkt man, wenn man sie vor dem Versenden noch einmal Korrektur liest.

Wenn man im Jazz-Keller sitzt, zum erste Mal in den mittlerweile sieben Jahren, neben Einem, dem es so gehen muss wie dem Protagonisten deiner Texte, wenn dich der Jazz gedanklich in Großstädte trägt und dein Nebenan fragt, warum man sich ausgerechnet hier trifft,

wenn später der Nachtregen auf das Dachfenster trommelt über dem Bett,
die Musik das Gefühl von der einsamen Freiheit nicht mitnehmen konnte (wohin auch immer sie ging),
dir beim Lidschlag Personen im Dunkeln erscheinen,

dann sollte man Briefe an diese
noch einmal lesen
zum Schluss.

Manchmal bedarf es den Freunden, die man selten, dann doch gerne sieht. Dem väterlichen Rat, bei dem ich schreie, bestimmte Worte nicht ertragend. Er fragte: »Habe ich dich fertig gemacht?«
Ich denke »Das mache ich selbst«.

Dass ich nicht die einzig sturmreif geschossene Burg auf den Gipfeln der Verzweiflung bin, war mir nicht bewusst. Dass ich nicht einmal eine Burg bin, daran habe ich gar nicht gedacht. Dass ich wen anderes mit Sperrfeuer an die Grenzen getrieben und staunend gewartet habe, dass er sich in den Kugelhagel wirft – auf die Idee bin ich erst recht nicht gekommen. Sie hat sich hinter einem Berg aus Angst versteckt, den ich bloß The Heights of Despair nannte.

Ich stehe wie jemand, der nicht fassen kann. Nein, ich zittere nicht.
Ich ahne und weißes , wer fast hinterm Horizont seht
- du scheinst mir selbst entfernt noch beeindruckend groß -

und sage
Verzeih

Deine Gedanken faszinieren mich, deine Ansichten und dein entspannter Umgang mit »dem da draußen«. Dein Optimismus, wenn du sagst, die Welt habe keine andere Wahl als gut zu werden.

spelled backwards

Ich beneide dich manchmal um deine Wochenenden, jetzt auch um deinen Mittwoch. Stuck in Time singen Magdalena aus dem Radiogerät. Sich selbst zu bemitleiden ist einfacher als sich aufzuzwängen
- dieses Gefühl schwingt mit und beschreibt, wie ich mich fühle.
Auch dort, nicht nur hier.

Jeder deiner Satz klingt okay, nur wenn ihn jemand anders sagt, tut es weh.

– Foto: FOUND Magazine

November 3rd, 2007

Freiheit aus einem Männermund

1 Comment, Freunde, by niels.

Heute morgen im Wald habe ich noch geträumt, wir sitzen, spielen und singen gemeinsam jenes Lied, was du wenige Stunden darauf als »ganz schön schief« aus unserer zukünftigen Set-Liste werfen wirst.

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Heute morgen im Wald hörte ich der Berliner Band zu, bei jedem Schritt dachte ich, wie schade es sei, würden wir uns verlieren. Ich habe mich in der Vorstellung versucht, und ich habe es nicht geschafft.

Ich werde deine Augen nie vergessen, die mich an etwas erinnerten, das ich noch nicht kennen kann. Ich habe eine leise Ahnung und muss sie für mich behalten, ich habe eine leise Ahnung und kann sie noch nicht formulieren.

Ist das wieder so ne Phase
oder bleibt das jetzt für immer so stehen?
Werd ich jemals noch in diesem Lieben
wieder aufstehen, mich anziehen und auf die Straße gehen?

– Lassie Singers – Ist das wieder so ne Phase

November 1st, 2007

Unter Ulmen

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Footstep

Wie Pappeln im Wind weichen wir einander aus, du mir, dem der Sturm im Rücken steht, und sagst: Intuition

Ich zeige meine Füße, deute auf den Zeh und versuche ein unschuldiges Lächeln, du schüttelst den Kopf und sagst: Siehst du

Was ich sehe, eine Ulme, was ich berühre, eine Brennnessel. Du sagst: Kein Wunder

Als ich erzähle, im Wippen, im Zeigen und im Berühren, antwortest du: Träum nicht zu viel

Was bleibt?

– Foto: Found Magazine