Vor den Fenstern sieht man vor Regen nichts. Wir reißen sie auf um Luft zu haben zum Atmen; hier fällt das schwer. Das erste Mal dieses Jahr, dass ich eine Mütze im Büro trage, über die Ohren gezogen – was niemand weiß – um Worten zu entgehen.

Wellige Tage zur Zeit, ich selbst die Wellenmaschine. Die Täler ausmerzt und Kuppen sät, letztere zu selten und schlecht platziert. »Mach das, wozu du Lust hast« ist ein Satz, der nicht immer funktioniert und dich nicht von der Couch reißt. Man muss sich zwingen, sagte mal wer. Andere haben nicht immer Recht.
Es rauscht.
Wir träumen.
Bis bald.
f: FOUND Magazine

Ich habe in den letzten zwölf Monaten mehr als eintausendachthundert Euro für Bahnfahrten ausgegeben.
Trotzdem schreibe ich viel zu selten.
Mails. Und hier.
Ich fühle mich wie in einem Tocotronic-Lied.
So ist das wohl, fährt man nach Hause.
So ist das wohl, trifft man sich erst wieder in einigen Tagen.
So ist das wohl.
Die Freunde sagen »Grüß mir die Stadt«, das mache ich gerne.
Beste Wünsche zurück.
Von dort oben kann man die ganze Welt sehen, sagst du und zeigst auf das Dach. Fünf Minuten später sehen wir einen Vulkankrater, in dessen Mitte eine Burg thront.
Mit dir wollte ich in diesem Sommer auf dieses Dach, das haben wir nicht geschafft. Wir sind auf dem Weg nach Süden, wir sind auf dem Weg nach Osten und niemand weiß, wann wir dieses Dach wiedersehen.
Dass es passiert, ist sicher.
Das Auto ist voll und wenn wir die Augen schließen, träumen wir von einem VW Bus und guter Musik.
Das Auto ist voll und wir sind unterwegs.
Das war mir gar nicht bewusst, dass wir nur ein paar Stunden hier waren, bevor wir aufbrachen – wieder – und alles hinterließen, wie ich es eben vorfand.
Man sieht die Hektik in jener Ordnung, die man hier findet; man merkt noch wie eilig es war, dass man ging.
So liegen dort hinten die Kleider aus Spanien, hier vorn die noch nicht leere Tasche, die man anderswo gar nicht brauchte.
Das einzig stetig Wachsende ist der Stapel ungelesener Zeitungen.
Und in beiden Gläsern auf diesem Tisch
abgestandenes Wasser.
Wenn es soweit ist, dass ich mich wegen anderer ständig schlecht fühle,
kaufe ich mir wieder ein Auto, lege das tiefer und werde Prolet.
Titel: Tom Liwa – Mati
Gestern ruft ein Freund an und wirft meine Pläne über den schlecht gelaunten Haufen.
Seit ich mein Funktelefon abgeschaltet habe, schlafe ich wieder (gut). Aber das hilft nicht gegen alles, sage ich und dir im Stillen und in der Hoffnung, du hast telepathische Fähigkeit, wie man das Menschen nachsagt, die sich mögen.
So wie er, der anruft, um mir die Entscheidung abzunehmen, allein ins Kino zu gehen dadurch, dass ich ihm auf der Weide bei Gesprächen mit seinen Pferden zuhören darf.
Ein Gestern
Ein Morgen
Ein Komm zurück
Peryton – Es gibt doch (das Peryton)
Und es kommt [...] eine Kaltfront
von der sich noch Generationen erzählen
Irgendwann muss man sich dagegen entscheiden. Oder dafür, jedenfalls dazwischen. Und während das Irgendwann zu implizieren versucht, dieser Quatsch sei irgendwann vorbei, trifft man die Entscheidung jedes Mal neu, in immer kürzen Abständen; die Einschläge kommen näher.
Das Lachen, das Stille bricht.
Das Gesicht, das widerlich scheint.
Schön, wäre es in der Unterzahl.
Du stellst dir vor, dass in allen Winkeln der Welt
Menschen wohnen und nur durch die Länge der Schatten unterschiedlich sind
Tomte – Der letzte große Wal
Ich stand heute am Botanischen Garten, der zehn Minuten vorher schloss.
Ich stand heute vor diversen Colleges, die allesamt für Besucher nicht geöffnet waren.
Ich stand heute im Hof der alten Bibliothek, weil an den Türen stand, Besucher dürften nicht hinein.
Ich stand heute am Bootsverleih, der um diese Zeit nicht mehr lieh und schaute auf die Themse.
Die Kollegen würden uns beneiden, wüssten sie, was wir essen.
Ich aber fotografiere mein Abendbrot nicht.
Und Matthew und Matthias schreiben kein Blog.
Oxford hat uns standesgemäß empfangen. Während es den ganze Zeit über regnen wird, essen wir in einem Speisesaal, der Harry-Potter-Filmen Vorbild gewesen sein kann. Später in einem Pub, das wir zufällig in einer engen Seitengasse finden, trinke ich Ginger Beer, eine völlig alkoholfreie Mischung aus Ginger Ale und ja, was eigentlich?
Mit diesem Glas klingt ein Tag aus, der viel zu früh in der kleinen Stadt begann, in der ich gerade wohne.
Ich reiße das Fenster auf in die Gasse dieses Studentenkomplexes, der zum Oriel College gehört, in dem die Konferenz und wir untergebracht sind. Ich dusche englisch und liege wenig später im Bett, auf die Nacht freuend und die Zeitverschiebung zu meiner Gunst.
Ich beiße in das Brötchen, das ich vor mehr als zwölf Stunden am Frankfurter Hauptbahnhof erstand.
Und beginne zu lesen.
(Ich trage keine Kamera bei mir. Aber Oxford kennt man aus Filmen.)
Jed the Humanoid is a song on the 2000 album The Sophtware Slump released by the Modesto, California indie-rock band Grandaddy. The song is an elegy for an android who drinks himself to death, and is taken to be central to the nature versus technology parable of the band’s sophomore album. A music reviewer for the The Guardian, Dorian Lynskey, called it “the saddest robot song ever written.”

t/p: Wikipedia
Meine aktuelle Mitbewohnerin sagt, der Sommer käme noch einmal zurück.
Ich sage, das stimmt und dass ich seit langem auf diesem Standpunkt beharre. Wir drücken uns Daumen, dass wir die letzten Sonnenstrahlen fangen, egal wo wir sind.
Man braucht mich nicht wachzutrommeln dieser Tage, wälze ich mich doch unruhig im Bett in der vielten Nacht in Folge.

Meine ehemalige Mitbewohnerin sagt, der Sommer sei vorbei.
Ich sage, dass das nicht sein kann weil das nicht sein darf. Das nämlich bedeute, wir haben den Sommer nicht zusammen verbracht. Phasenweise, stimmt. Das ist unser erster Sommer. Ist, nicht war.
Ich werde wachgetrommelt von mehr als zwei Millionen Tropfen auf meinem Dachfenster, wie ich zwei Millionen Schafe zähle abends um einzuschlafen.
Von wegen der Sommer sei vorbei!
Es regnet nicht einmal mehr!
Ich kämpfe mich gerade durch die Korrekturfahne eines fälligen Halbjahresberichts. Kämpfen darf hierbei wörtlich genommen werden, der Ausdruck und die Orthographie in der deutschen Schriftsprache ist bei vielen Informatikern bestenfalls rudimentär ausgeprägt.
So holpert man von einem Hurenkind zum nächsten Schusterjungen – der Textsatz hat sich längst der inhaltlichen Form angepasst – und überlegt, ob man seine Dissertation nicht doch auf Deutsch schreibt, wovon der eine Arbeitskollege abrät, da das eigene Deutsch blümerant und ausschweifend sei und damit für wissenschaftliche Veröffentlichungen kaum geeignet.
Gern.

Du schickst im Betreff »Waltzing around insane« und im Anhang dies Foto.
Ich frage, ob du diesen Blogeintrag kennst. Er entstand im September, fast zwölf Monate alt. Dann habe ich dich kennengelernt und den letzten Satz revidiert.
Das Inlay seines letzten Album ist leer.
Du misst die Tage in Urlauben, ich in Sekunden.
Ich klinge traurig
doch tanze unsinnig umher.
Es sind ja bloß zweieinhalb Millionen Sekunden.
Ich saß schon lange nicht mehr hier mit dem Vorsatz, mit dem ich gerade hier sitze – und oft sitze ich hier. Vor mir stapelt sich die ZEIT von letztem Donnerstag und zwei Bücher, in denen ich gerade abwechselnd lese.

Doch: Ich habe Arbeit mitgebracht, die ich hier erledigen möchte. Schon große Teile meiner Diplomarbeit sind in den Cafés dieser Stadt entstanden, eine Angewohnheit, die ich irgendwann fallen ließ, ich weiß nicht warum.
Auch wenn ich viele der Web-2.0-Attitüden nicht besonders schätze, mag ich die Vorstellung, in Cafés zu arbeiten bzw. nicht auf einen Arbeitsraum festgelegt zu sein, sehr gern; auch wenn ich in Holm Friebes »Wir nennen es Arbeit« steckenblieb, auch wenn ich mittlerweile den Kopf über die üblichen A-List-Blogger schüttle.
Ich schätze dieses Café.
f: FOUND Magazine
Es ist schon Viertel nach Vier;
Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.

Manchmal wünsche ich mir den Winter zurück. Gestern noch habe ich mir den Sommer gewünscht, jetzt wo der da ist, hört es kaum zu regnen auf. Wären die Wolken doch endlich fort….
Alles ist besser
als du dort
und ich hier.
Draußen prasselt der Regen, du bist so weit weg
und innen klingt dieses Lied.

Erich Kästner (1929)
Sachliche Romanze
Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen, sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden,
wie andern Leuten ein Stock oder Hut.
Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.
Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.
Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie noch immer dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.
Ginge es nach ihm, müsste ich schreiben wie ein Berserker.
Blumfeld sangen mal etwas von dunklen Wolken, die man noch 38 Tage aushalten muss just in diesem Moment. Morgen beginne ich den Weg nach Marburg, was ich mein zu Hause nenne. 37.

Für sie zählen nur die 28, die andere für mich wertlose Nenngröße. Aber ich freue mich für sie, zehn weniger, mehr als ein Drittel.
Wir sind zurückkatapultiert in die Steinzeit der Kommunikation (durch einen falschen Tastendruck!). Mir wird schwindlig beim Gedanken an das, was jetzt kommt. 38.
Just in diesem Moment.
Diese Überlebenskünstler, ich frage manchmal, wie sie das machen.
Die beim Theater.