September 23rd, 2004

An einem Sonntag im April

5 Comments, Lifestyle, Tagesschau, by niels.

Dass der Audi A6 – ein typisches Vertreterauto – in der Versicherung viel teurer ist als ein Golf, der immerhin auch nicht gerade wenig kostet, das wissen wir jetzt. Er solle sich die Anschaffung überlegen, er hätte sich auch informiert, als er sich selbständig gemacht hätte, sagte er noch zu seinem Freund. Wenig später verließ ich die Bäckerei mit Käsebrötchen und Croissants.
Der Kaffee köchelt leise vor sich hin, das Radio summt Element of Crime und draußen fällt der Regen vom Himmel in den Tag.
Gestern haben Dennis und ich während des Streichens über “das natürliche Verhalten des Mannes” (er) bzw. über das “unsinnige Hinterherhecheln bei Frauen” (ich) unterhalten, das ich genau in der Form erst letztens erlebt habe, wie die Formulierung suggeriert. Er verstehe nun, warum mir der Job in der Kneipe keinen Spaß macht und im Supermarkt wären die hübschesten Mädchen der Stadt.
Das ist ja wie im Fernsehen.

September 22nd, 2004

Pizza zum Frühstück

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Gestern abend – nach dem ersten Streichen des Hauses in Wehrda – waren Doreen und ich zum Pizzamachen verabredet. Fertigteig aus dem Aldi, frische Pilze, Tomaten und allerlei Käse. Dreiviertel der Pizza steht noch im Ofen und wartet auf eine Wiedergeburt in der Mikrowelle, um als Frühstück zu dienen.
Heute morgen dann in den Nachrichten: Der Computer soll GEZ-pflichtig werden. Hurra also. Es ist zum Kotzen. Ich bezweifle leider nicht, dass sie damit durchkommen werden. Aber der Sinn, warum PCs (unabhängig von deren Möglichkeit zum Empfang von TV- respektive Radio-Signalen) mit Internetzugang versteuert werden müssen… Wieder ein Hinweis auf die Unfähigkeit der “Alten”, das “Neue” in “Neue Medien” nicht verstanden zu haben oder verstehen zu wollen. Das Festhalten an vermoderten Strukturen, die Zementierung des Status Quo… wozu bitte GEZ-Gebühren? Für deren Online-Angebot? Hat das denn auch einen Bildungsauftrag?
Ich würde gern wissen, ob in anderen Ländern ebenfalls eine Gebührenerhebung für die Nutzung des Internet diskutiert wird.

September 21st, 2004

Katz und Maus

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Auf dem Dach gegenüber verwittert eine Rakete vom letzten Silvester. Moos bildet das Kopfkissen für den ausgebrannten Kopf und im Fenster dahinter tuscheln Verkäuferinnen. Die Heizung knattert und knarrt das erste mal dieses Jahr, alles ist in dem schweren Geruch von Wärme eingeschlossen, der an die Kindertage erinnert.
Da bricht die Sonne durch die Wolken und alles ist für die Katz.

September 20th, 2004

Kino

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Ich wollte “The Village” nicht sehen, ich habe mich dagegen gewehrt und gesträubt. Auf ihr Drängen hin haben wir uns vor einige Zeit “Godsend” angeschaut. Ich hasse es, mich im Kino zu erschrecken, “Godsend” war also eine reichlich schlechte Wahl und Anlass für den Vorsatz, in nächster Zeit nicht mehr mit Doreen ins Kino zu gehen. Was bedeutet, dass wir fast gar nicht mehr zusammen Filme schauen, da unsere Interessenbereiche recht disjunkt sind.
Zwar konnte mich das Argument, er stamme aus der Feder des Regisseurs von “The 6th Sense” nicht überzeugen. Aber dann machte Doreen wieder das, was sie sehr gut kann: Mir ein schlechtes Gewissen. Und wer kann schon Nein sagen, wenn dich zwei große Augen mit Dackelblick flehend anschauen. Ich habe mich nur einmal erschreckt (was völlig in Ordnung geht), gegen Ende einen Kloß im Hals und nicht das Gefühl, einen schlechten Film gesehen zu haben.
Kurz: Diesmal habe ich es nicht bereut.
Von der Wahl gestern habe ich nicht viel mitbekommen, ich bin aber alles andere als geschockt über das Ergebnis. Zwei ganz amüsante (?) und in diesem Zusammenhang beruhigende Texte:

Und auch den Besuch von “Der Untergang”, in dem ich mit Doreen am Donnerstag war, habe ich nicht bereut. Wo sich der Titel herrlich passend ins Wochenende fügt.

September 19th, 2004

Sonntag

2 Comments, Tagesschau, by niels.

Es rattert die Spülmaschine und im Kopf. Der Kaffee – sonst lecker – schmeckt heute widerlich und stark. Das “widerlich” kommt von zu viel Sojamilch, das “stark” von zu viel Pulver. Die Wochentag-Beschränkung ist lange gefallen, dass heute Sonntag ist, merkt man nur an geschlossenen Läden; jetzt, wo so viel fehlt.
Die Sonnenstrahlen fallen zwischen die alten Oberstadt-Häuser und werfen Schatten auf das Nachbargebäude. Die meisten Wohnungen sind leer, Semesterferien – man merkt es. Und zwischen Fachwerk und Dächern sieht man schneeweiße Wolken, die Richtung Lahnufer ziehen, hier vor der Gasse die üblichen Verdächtigen, Menschen aus Bussen, die den Marktplatz um die Ecke bestaunen und sich in eines der zahlreichen Cafés setzen. Der Sommer war viel zu kurz, irgendwo bellt ein Hund und Leo liegt auf dem Bett und träumt.

September 18th, 2004

Warum ich Blog schreibe

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Aus aktuellem Anlass.
Eine Affinität zum Schreiben hatte ich in jungen Jahren nicht wirklich: In der Schülerzeitung war ich nie aktiv, Geschichten habe ich auch zu Hause nicht geschrieben.
Die Geschichte des Bloggens fängt ja bei vielen auf der eigenen Homepage an. Auf meiner war das in Form von News, in denen ich Veränderungen gegenüber der Vorversionen festhielt. Natürlich war und ist das keineswegs vergleichbar mit dem Schreiben eines kurzen Textes. Die Zielgruppe ist die selbe: Die Besucher der eigenen Homepage. Vermutlich (oder hoffentlich) lesen Besucher diese Texte lieber als die News ihrerzeit.
Den ersten Blog, der diesen Namen auch verdient, führte ich mit dem Dienst LiveJournal. Hier stand der Gemeinschaftssinn im Vordergrund, anfangs konnte man sich kein neues Journal anlegen, ohne von einem schon partizipierenden Nutzer eingeladen zu werden. Als diese Beschränkung fiel, ging ein lauter Aufschrei durch die Reihen der Alteingesessenen, der eine Gründung einer Community für die “Livejournal-Elite” zur Folge hatte. Die Sache mit dem Gemeinschaftssinn schien also geklappt zu haben. Schaute man sich die Mitglieder der Gruppe an (bzw. las ihre Journale, soweit möglich), hatte man allerdings kaum das Gefühl, in einer erlitären Gruppe zu sein.
Es gab vielfältige Möglichkeiten, sich die Leserschaft selbst auszuwählen; Diverse Filter konnten angewandt werden, damit Beiträge nur selektierten Personen zugänglich waren. Viele Blogs auf LiveJournal sind so konfiguriert, dass man als Außenstehender bestenfalls einen Hinweis auf den “friends only”-Status zu lesen bekommt.
Vor noch gar nicht langer Zeit kehrte ich diesem Dienst den Rücken, zu genervt war ich von den Personen, die sich dort tummelten. Am Lesen hatte ich keinen Spaß mehr, vom Schreiben ganz zu schweigen. Ich kündigte also meinen Account und blieb ein paar Wochen ohne Blog. Kurze Zeit später kam Blogs! auf den Markt und mit ihm meine Lust am Schreiben zurück. Das (für Doreen) programmierte PHP-Skript musste nach wenigen Tagen einem ausgereiften System weichen – jenem, das auch dem Blogs!-Weblog zu Grunde liegt.

Die Frage, warum ich schreibe, kann ich für mich selbst nicht vollständig beantworten. Vorbelastet – wie erwähnt – bin ich nicht, zwar habe ich irgendwann früher ein Buch schreiben wollen und bin zwei Seiten weit gekommen, aber wer kann das nicht von sich behaupten? Die Veröffentlichung von Texten gibt jedem eine recht unkomplizierte Möglichkeit, die eigene Sichtweise, Meinung und Kritik öffentlich darzustellen. Die Homepage oder externe Dienste wie das oben genannte Livejournal, blogger.de oder antville.org (nur um wenige zu nennen) , stehen auch unbedarften und weniger erfahrenen Benutzern zur Verfügung. Überdies kann man nur durch regelmäßiges Schreiben seine Formulierungen schärfen und gewinnt die Fähigkeit, sich vernünftig äußern zu können.
Schön ist, dass man sich beim Schreiben anderen Gedanken als im Alltag widmen kann. Oder dort angefangen Gedankengänge weiterverfolgen und zu Ende denken kann, die eigenen Gedanken auch nachlesen, Revue passieren und revidieren kann.
Und ohne Frage dient ein Weblog in jedweder Form ebenfalls der Selbstdarstellung.

Einen Fehler darf man beim Lesen eines Blogs nicht machen. Es zeigt nicht die Person als Ganzes, es zeigt lediglich die Seiten des Autors, die er öffentlich wissen möchte. Ein Blog erhebt nicht den Anspruch, Intimes zu verraten, nicht einmal der Wahrheitsgehalt der Texte kann garantiert werden: ein Weblog kann Geschichten erzählen wie verbergen. Alles kann, nichts muss. Und auch dies ist eine sehr angenehme Eigenart des Schreibens.
Mein Blog hat nicht die Überschrift “Tagebuch”.

September 14th, 2004

Out of the dark

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Die zweite Nacht in Folge verbringst du bei deiner Freundin. Eher wohnungslos, zwischen zwei Orten, aus der einen Wohnung sozusagen aus-, aber in die andere noch nicht eingezogen.
Die letzten Male, die du in dieser Wohnung verbracht, gewohnt hast, waren Zeitpunkte in einer sehr anderen Phase deines Lebens. Als Doreen lieber außerhalb als hier schlief und du ja auch kein zu Hause hattest und den Kater zum Aufpassen. Tage also, an die man sich so gern nicht zurückerinnert, weil etwas Melancholisches mitschwingt, weil die Stimmung noch immer transportiert wird und du noch weißt, wie es damals war, welche Texte du damals auf dieser Tastatur geschrieben hast. Neulich hattest du wieder diesen Geruch in der Nase, der dich an die Zeit erinnert hat, eine Situation, die damals hätte stattfinden können. Stattgefunden hat.
Nie hast du so wenig gefühlt beim Zusammenräumen deiner Möbel, beim Abreißen der Plakate und ausräumen der Schränke, nie warst du fast froh, eine Wohnung hinter dir zu lassen, einen Zeitabschnitt, einen Ort. Gleichzeitig hast du dich selten so gefreut auf einen Umzug, auf das neue Viertel, auf die neue Wohnung.
Was außerdem endlich wieder Spaß macht: Du weißt vor lauter Arbeit nicht, wo du anfangen sollst. Der Umzug kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, aber das ist immer so. Und ehe du dich versiehst ist Weihnachten.

September 11th, 2004

Daniel der Zauberer

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Ich las eben in einem anderen Blog, “Daniel der Zauberer” sei der schlechteste Film aller Zeiten.
Als ich das erste Mal davon hörte, dass ein Film über Daniel Küblböck in die Kinos kommen sollte – selbst als ich das erste Mal auf der Homepage des Filmes war – hielt ich das für einen professionellen Scherz. Zu unwahrscheinlich, dass sich ein Regisseur (Ulli Lommel) mit diesem Thema auseinandersetzen würde, überdies schien mir der Inhalt weit hergeholt. Von vornherein hat man also den Eindruck, dass man sehr verliebt in Daniel sein muss, um den Film über seine gesamte Länge ertragen zu können. Da hat selbst Daniel seinen Fans zu viel zugemutet.

Was reitet also einen Regisseur, der gleichzeitig das Drehbuch geschrieben und eine Schlüsselrolle inne hat und somit für den Film vollständig verantwortlich ist, der sogar 1974 im Fassbinder-Film Effi Briest eine tragende Rolle spielte, eine solch grausame Meta-Biographie zu drehen?
Unzweifelhaft setzt sich die mit “Deutschland sucht den Superstar” begonnene Polarisierung des erreichten Teils der Gesellschaft weiter fort. Nur wenige können normal mit ihm umgehen, während der Großteil in zwei Lager gespalten ist: Das eine findet ihn schrecklich bis körperverletzend, würde sich gern revanchieren und geht nicht ins Kino. Die kleinere Gegenpartei findet Daniel grandios, einige Anhänger besuchen sogar den Film und schreiben herzzerreißende Rezensionen. Und einer von ihnen dreht sogar einen Film und setzt seinem Helden ein Denkmal, auf dem der eigene Name steht. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat, ist im Moment nicht absehbar. Für die “Faniels” ist er ein Held und im Forum, in dem auch Daniels Papa Bewunderer hat, gibt es in naher Zukunft eine Fan-Ecke mehr.

Wenigstens in einem Punkt herrscht Einigkeit in beiden Lagern:
His life is magic

September 10th, 2004

Childhood Horror

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Ich kann mich genau an die Situation unter dem Tisch im Kindergarten erinnern, als ich den ersten Tag mit Brille dorthin musste und mich ebenda versteckt hielt. Seltsamerweise kann ich mich an keine Reaktion erinnern, woraus ich schließe, dass ich entweder unter dem Schutz der Erzieherinnen stand, oder die Sehhilfe nur halb so schlimm aussah, wie ich glaubte. Zu diesem Zeitpunkt schien mir die Realität nichts anhaben zu können, aber bereits wenige Wochen später musste ich mit diesem ersten Weltbild aufräumen: Ich war eingeladen auf einem Kindergeburtstag. Durch den Gesellschaftshass, den ich damals schon in Grundzügen gehabt zu haben scheine, war die Vorfreude wenig größer als gering. Unter Null fiel sie – oder besser sie wich einem Schockzustand – als nach dem Klingeln der Vater des Jugen die Tür öffnete.
Ich stand mit großen Augen vor ihm, unfähig etwas zu sagen. Nach dem Moment des Entsetzens – die Fokussierung seines Ohres hatte ich noch immer nicht aufgegeben – kam eine Art Nervenzusammenbruch, was zur Folge hatte, das meine Mutter, die mich damals gefahren hat (Gott sei Dank ist sie bis zur Tür mitgekommen), und ich unter Tränen das Geschenk abgegeben und postwendend nach Hause gefahren sind. An diesem Nachmittag hatte ich meine erste Begegnung mit einem Ring im männlichen Ohr, an die ich mich erinnern kann. Und auch hier kann ich mich an keine anschließenden negativen Reaktionen im Kindergarten erinnern. Ich habe auch nicht etwa ein Trauma davongetragen, meine Abneigung gegen Körperschmuck aller Art hat sich aber vermutlich schon damals manifestiert.
Ich hatte seitdem nur wenige so einschneidende Erlebnisse. Die Situation damals war die Begegnung mit etwas Unbekanntem, etwas Nie-Für-Möglich-Gehaltenem. 20 Jahre später hält man fast alles für möglich und kaum etwas schockiert einen wie Ohrringe 1983.

Ich werde am Montag und Dienstag umziehen und sicherlich kaum Zeit haben, hier längere Texte zu hinterlassen. Seht es mir nach. Ich muss mir außerdem angewöhnen, Einfälle und Gedanken, die mich unterwegs beschäftigen, festzuhalten. Wie oft sitze ich hier und grüble, was mich den Tag über beschäftigt hat – und mir fällt nichts ein.

September 7th, 2004

Catfight

5 Comments, Gesellschaft, Lifestyle, by niels.

Jemandem die Faszination von Tieren zu erklären, kann nicht klappen, wenn dieser jemand die Fasziation nicht ohnehin ebenfalls spürt. Man wird also nie einem Katzenhasser erklären können, was an Katzen wunderbar und einzigartig ist – er könnte es nicht nachvollziehen.
Aus keinem bösem Grund natürlich, allerdings nimmt er, wenn er Katzen gegenüber abgeneigt ist, ihre Handlungen und ihr Wesen anders wahr als der Katzenmensch. So würde ein guter Freund von mir sicher keinen Spaß daran haben, Leo minutenlang zu beobachten, wie er sich selbst den Ball wirft, mit ihm spielt, kämpft, ihn zu unterwerfen versucht. Er würde den spielenden Kater sehen, nach einem “Aha” fände er es bestenfalls langweilig.
Ich muss gestehen, dass mich Menschen weitaus weniger interessieren als Katzen. Damit meine ich natürlich nicht die Menschheit im Gesamten (selbstverständlich gibt es welche, die mir wichtig sind und/oder von denen ich fasziniert bin), aber allgemein gesehen interessieren mich vielleicht 2% der Menschen, dagegen finde ich etwa jede zweite Katze interessant. Als Christian gestern Tim im Krankenhaus besuchte und sich mit ihm über die Fähigkeit der Gesellschaft, sich mit immer abartigeren und niveauloseren Themen zu unterhalten aufregte, antwortete Tim: “Ich wandere aus!” Christians Argument, es sei ein übergreifendes Phänomen und fremdsprachige Länder ebenfalls betroffen, konterte Tim mit: “Aber dort verstehe ich die Leute nicht.”
So lustig das im Kontext klingt, könnte dies eine Erklärung sein für die Faszination der Katze. Ich kenne zu wenige Misanthropen, um diese These mit Fakten belegen zu können. Wie Leo neben mir schläft, erscheint es mir unmöglich, dass sich Katzen im Wald zusammenrotten, von getunten Spielzeugen oder obszöne Witze erzählen. Und wenn – das ist dann eben doch der Vorteil – versteht man sie nicht.

Nach den Anfeindungen gegenüber Mia wegen angeblicher “Deutschtümelei”, herausgelesen aus dem Spiel mit den Farben der deutschen Nationalflagge, ist das Thema im Munde aller, die sich für Musik mit deutschen Texten interessieren. Blumfeld kommentieren auf ihrer Homepage, Virginia Jetzt! haben mit einer Stellungnahme in der Intro reagiert, zu der sie sich durch eine Rezension ihrer aktuellen CD genötigt sagen und Telepolis sowie laut.de berichtet:

Alles begann mit einer Textzeile im Song “Liebeslieder” vom neuen Virginia Jetzt!-Album “Anfänger”: “Das ist mein Land, meine Menschen”, heißt es da. Das war – wieder einmal – zu viel für einige Musik- und Weltverbesserer. Prompt kam die Antwort: von “Issues des volkstümlichen Schlagers” und “Witt’schem ‘Wir Sind Wir’-Nationalmief” ist in einer Rezension die Rede.

Ein zweifelhaftes Hobby, alles und jedem die nationalsozialistische Tendenz anzuheften, ein absolut grober Unfug sogar, wenn man sich mit der Vergangenheit der betroffenen Band näher auseinandersetzt. Ich bin sicherlich nicht der einzige, der auf links einzuordnenden Festivals neben ihnen gezeltet hat.
Dümmlich wirre Argumentation und verbohrte Sichtweisen findet man im Streitgespräch diverser radikaler Grüppchen, die verbissen und realitätsfremd einem Ideal hinterherhecheln (“Also schloss er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf”). Nationalstolz kann eine eine gefährliche Sache sein, das krampfhafte Hineininterpretieren dieses in unpolitische Dinge (und ja, ich halte VJ! für unpolitisch) ist ebenso gefährlich, erinnert hat Ketzerei. Das in solchem Zusammenhang auch persönliche Dinge eine Rolle spielen, wird in der eher peinlich endenden Stellungnahme deutlich.
Die Kritik an Mia ist noch immer nicht verstummt, die Kritik an VJ! in meinen Augen blanker Blödsinn. Dass selbst Blumfeld Stellung beziehen, verdeutlicht die Angst vor gegen alles und jeden schießende Hirnlose in Internet-Foren oder fragwürdig gewordenen Musikmagazinen. Scheinbar kommt abhanden, was sich über vor vielen Jahrzehnten erst angeeignet wurde: Differenziertes Denken. In Zeiten, in denen Schreien populär geworden ist….

September 5th, 2004

Don’t look back in anger (II)

2 Comments, Tagesschau, by niels.

Den Samstag haben wir auf dem Pferdemarkt in Havelberg verbracht. Dieser ist dreigeteilt: Es existieren der ursprüngliche Tiermarkt, auf dem man allerlei vierbeiniges (Frettchen, Hundewelpen, Katzen, Vögel, … und eben Pferde) erstehen/tauschen kann, der “Trödelmarkt” mit einigen sonderbaren Verkaufsgegenständen (Motoren, Gynäkologiestühle, Prothesen) sowie ein “Rummel”, den wir aber gemieden haben. Dort sollen auch jene Stände mit Neuwaren angesiedelt sein. Zahlreich vertreten waren Gegenstände aus der ehemaligen DDR, namentlich FdJ-Wimpel und -Flaggen. Die Suche nach Vinyl konnte man auf wenige Stände beschränken, die meisten Kisten waren mit LPs aus Amiga-Lizenz gefüllt, deren Durchsicht ich mir aus zeitlichen Gründen erspart habe. Eine Travis-Platte samt “Sing”-Single ist schließlich doch herausgesprungen – im Tausch gegen eine Kameratasche.
Ich musste häufig an – obwohl die Lektüre des Buches schon etliche Jahre zurück liegt – Michel aus Lönneberga denken. An den Urlaub mit Martin und Andi. Passenderweise dreht sich gerade “Cash” auf dem Plattenteller und perfektioniert das Gefühl fast vollständig.

September 4th, 2004

Don’t look back in anger (I)

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“Opa hat doch jetzt ein Navigationssystem, das müssen wir doch ausprobieren.” Ähnlich eines digitalen Schalters versetzte mich dieser Satz am Donnerstag morgen in den Wachzustand. Da meine Großeltern nur eine Stunde entfernt wohnen und es in meinem Zimmer wie aussah wie immer – als hätte eine Bombe eingeschlagen also – hatte ich auch keine Zeit, die Situation gut oder schlecht zu finden. Kurzum: Nach 60 Minuten sah das Zimmer aus wie geleckt (naja, aber …), weitere 30 Minuten später ruft Opa an, der die Straße nicht finden kann: Selbst das modernste Navigationssystem der Welt kann fehlende Teile in Straßennamen nicht erraten.
Aufgeräumt wurde umsonst, da ich Opa eben jenes Versagen plausibel und das Gerät an sich erklären musste, während Oma immerhin einen Blick durch meine Zimmerfenster riskierte: “Die Katze habe ich gesehen!”

September 2nd, 2004

iBook

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Heute wurde der neue iMac vorgestellt. Würde mich irgendwer fragen, zu welchem Rechner ich ihm raten würde, wäre die Antwort klar. Dass sich der gemeine Computerneuling lieber an Elektronik- oder Supermarkt-Ketten wendet, um im Schnellschuss das Top-Angebot zu kaufen, später beim verständnisvollen Nachbarn ob Unkenntnis und Betriebssystemproblemen auf der Matte steht, ist eine Tragik.
Selbstverständlich, dass nicht jeder Apples Design toll findet, die Hardware und das Betriebssystem indes sind es.

Billiger, ebenso schön und einfacher zu bekommen ist das heute erschienene Buch über “Literatur und Journalismus im Internet. Fünfzehn Web-Logger über Text und Form im Internet – und warum sie das Netz übernehmen werden.” In freier Zeit werde ich mich diesem Buch gern widmen; schließlich ist es der Grund für die Existenz dieses Blogs, nachdem ich mich aus dem LiveJournal zurückzog und diese Entscheidung bis heute nicht bereue.

September 2nd, 2004

Of Mice And Men

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“Warten sie doch mal bitte, ich würde sie gern etwas fragen.” Die Befürchtungen reichen von kirchlicher Kleingruppe bis Drückerkolonne. Dass sie extra mit dem Auto anhält, sogar einparkt, macht die Sache obskur.
“Ich wollte sie fragen, ob ich ihnen die Haare schneiden darf.” Nach der Erklärung, sie mache ihre Prüfung im November und sei auf der Suche nach Modellen beklagte sie den allgemeinen Trend der Frauen, lange Haare tragen (und behalten) zu wollen, so dass sie Doreen unbedingt fragen musste. Ich warf ihr gleich eine energische Verneinung entgegen, da mir meine Haare heilig sind – man sieht es allerdings eher selten. Im Nachhinein tut mir das sehr leid und ich überlege, ob ich ihr nicht doch zusagen sollte, Doreen hat schließlich ihre Karte und ist von der Idee sogar begeistert. Außerdem würde der Termin am 15. November in den zweimonatlichen Friseurbesuchsrhythmus passen, der mir empfohlen und noch nie eingehalten wurde.
Überraschenderweise musste ich beim nachfolgenden Besuch im T-Punkt nicht anstehen, habe direkt eine Nummer, “die zu 95% sicher ist” und eine Auftragsbestätigung über den Telefonanschluss samt T-DSL 3000 bekommen. Eben habe ich einen Tarif mit Lycos abgeschlossen mit dem Ergebnis, dass die Vorfreude auf die neue Wohnung einen ebenso neuen Höhepunkt erreicht hat.

Morgen abend fahren wir für zwei Tage zu Doreens Eltern. Landluft, Pferdemarkt und Media Markt warten auf uns, wollen besucht und beschaut, bestaunt und genossen werden. Samstag abend sind wir wieder hier, Bloggerei wird nicht zu vernachlässigen versucht, kann aber auch nicht garantiert werden.

In regelmäßigen Abständen muss ich Teile meines bisher gewonnenen Weltbildes revidieren. Zwar wäre schlimm, wenn man mit der sich stetig veränderten Umwelt nie im Konflikt läge oder mit dem zehn Jahre jüngeren Ich noch immer einer Meinung wäre. Trotzdem stürzen regelmäßig Weltbilder zusammen, die einem einst der Fels in der Brandung schienen und mal eben Zeitspannen im Umfang eines halben Lebens mit in die Tiefe reißen.

Wer hat sie noch nicht verloren, die Helden aus der Kindheit, die aus dem eigenen Freundeskreis stammten? Spätestens beim ersten Schulwechsel wurden Freundschaften strapaziert, das Absolvieren der Abiturprüfung sprengte die losen Bande; Bis man das realisiert, hat man das erste Studium abgebrochen. Klassentreffen meidet man, schon beim Abiball waren die Abneigungen deutlich, Seltsamkeit und Eigenheit wird einem nachgesagt, Jahre später nimmt man dies als Lob und fragt sich, ob die propagierte Stetigkeit nicht schlimmer, fataler ist, ein Schwarzes Loch.
In der eigenen Bewegung die der anderen realistisch einschätzen, ist ein schwieriges Unterfangen – jene, die einem Voraussagen und Vorhalten sind zu oft selbst stehengeblieben ohne es zu merken.
Denkt man zwei Jahre zurück, sollte man sich über manche getroffene Entscheidung die Haare raufen, den Alter Ego hassen, verabscheuen müssen. Erkennen, dass jeder Freund das Gegenteil ist, ein Andersdenkener, ein dem Gegner zuspielender, kritisierbarer Gefährte, an dem es sich zu schärfen gilt, zu reiben, den man hassen muss um ihn zu lieben. Die innigsten Freunde stürzen sich gegenseitig in Krisen, treiben sich ins Fatale und doch voran, verlangen sich Übermenschliches ab.

Ich glaube, du bist doch ein Fernsehmensch.
Mitnichten, mein Lieber. Ich bin entsetzt. Aber noch einmal werde ich mich von dir nicht in eine Panik stürzen lassen. Denn wer von uns beiden der Fernsehmensch ist, steht außer Frage. Das Problem, das ich so lange nicht wahr haben wollte, ist eines jener Natur, das man gern unter den Tisch fallen lässt, wenn der Gegenüber ein Jugendfreund ist; Wenn ein Bild fällt, dass man sich in der Kindheit Jahr um Jahr aufgebaut hat.
Du nanntest mich einen Misanthropen, ich kann mit deinem Hobby nichts anfangen. Dein Hobby heißt Mensch – im weitesten Sinne. Natürlich hast du mehr Freunde als ich. Oder das, was du Freunde nennst. Du wetterst gegen die Linke und brichst Mercedessterne ab, wenn du betrunken bist. Und betrunken bist du oft, du arbeitest in einer Kneipe und siehst dich als Rächer der Arbeiterschaft. Als ich dir erzählte, man solle sich den hässlichsten Ort zum Studieren aussuchen war dein lakonischer Kommentar: “Eine Kneipe finde ich in jeder Stadt.”
Ich mag jetzt nicht von früher reden, die Zeiten sind vorbei. Immerhin haben wir beide Streit mit dem Freundeskreis, beruhigend zu wissen, dass auch ich älter geworden bin.

“Du und ich, wir gehen immer weiter weg aufeinander zu von den anderen fort./Umso weiter wir gehen umso schneller sind wir da und wasimmer das ist, es ist mehr als ein Versteck.”

August 31st, 2004

Arzt werden

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Wer sein Studium abbricht, aus dem kann nichts werden. Wenn die Eltern enttäuscht sind über den akademischen Fehlgriff der Tochter oder des Sohnes und nicht akzeptieren können, dass ein neues Studium mehr Aussicht auf Erfolg verspricht, dann liegt das meistens daran, dass sie in die Gedanken des eigenen Kindes weit weniger involviert sind, als sie es aus der Vergangenheit gewöhnt waren.
Die Entscheidung war eine jener, die man Monate vorher hätte erkennen können – wenn man nicht auf beiden Augen blind ist, wozu ich das Talent besitze.
“Ich breche Medizin ab, ein paar Bücher habe ich schon bei Ebay eingestellt und ich bewerbe mich im Juli an der Hamburger Kunsthochschule. Ich will das alles nicht mehr.” Das würde jedenfalls ihre Arbeitseinteilung in den letzten Wochen rückwirkend entschuldigen. Trotzdem kam ich mir überfallen vor: “Überleg dir das doch erstmal gut”. Was natürlich längst passiert war. Schließlich war auch Hamburg kein Zufallsgriff und Alternativpläne gab es ebenfalls.
Als sie mich im Dezember verlassen hat, kam ich mir ähnlich überrumpelt vor. Wir wohnten seit etwa 1,5 Jahren zusammen und mir war natürlich nichts aufgefallen. Selbstverständlich war alles klar – so gesehen, hinterher.
Ihre Eltern hat sie mit ihrer Entscheidung jedenfalls ähnlich unvorbereitet getroffen, die Verwandschaftsmühlen Setzten sich in Bewegung und aus dem ersten “wenn du das nicht mehr möchtest” wurde ein “du bekommst kein Geld mehr von Opa”. Das Wochenende bei ihren Eltern war geprägt von Sätzen wie “wenn man das will, schafft man das auch”, ohne zu merken, dass genau dies der springende Punkt ist.
Ihr Opa war jedenfalls recht nett und dass wir jetzt doch wieder zusammen sind, kann kein Omen sein für das Studium; heute morgen hat sie die ersten Bücher zur Post gebracht.

August 30th, 2004

Geiz ist (nicht immer) geil

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Mein lieber Scholli! Plötzlich steht man im Mediamarkt und kommt gar nicht mehr auf die Idee, Geld auszugeben. Etwas anderes außer CDs und DVDs kann man dort ja sowieso nicht kaufen, weil er zu teuer ist – ausgehend von den Warengruppen, die regelmäßig eine bestimmte Faszination auf mich ausüben. Ist das nicht ironisch?
Nun passt die Unfähigkeit, Geld in CDs zu tauschen, ganz hervorragend, bringt aber letztlich keinen Gewinn, da Schallplatten eben auch nicht billiger sind. Da die einzigen beiden Exemplare, die ich dort heute erspähen konnte, von Tupac und Sven Väth stammten, wird die Entscheidung eben vertagt.
Ein Vorteil, wenn man solche Läden kurz vor Ladenschluss aufsucht, ist die angenehme Leere. Kaum Kindergeschrei und ihrem Namen alle Ehre machende Gänge. Alle zu Hause vor der Heimwerkersendung.
Wir haben uns Gedanken gemacht, ob man Mediamarkt-Besucher mit jenen eines Baumarktes vergleichen kann. Die Lust zum Fummeln ist wohl beiden Gruppen gemeint, auch die durchwachsene Kenntnis des Gegenstandes, den es aufzubauen gilt. Rauft sich der technisch versierte Besucher im Mediamarkt ob Kundenfragen die Haare, schlägt Tim Taylor in der Gartenabteilung derweil die Hände über dem Kopf zusammen. Wenn der Fragende sich überhaupt traut und sich nicht auf sein Unwissen verlässt, später dann vom Enkel belehrt wird. Jedenfalls der Mediamarkt-Kunde.
Sympathischer sind dann die Plattenläden, in denen man hoffnungsvoll nach einem Nebenerwerb fragt, allerdings mit einer verneindenen Kopfbewegung abgewiesen wird: “Wir können uns noch keine Aushilfe leisten.” Was einen natürlich in keinster Weise weiterbringt, da Schallplatten eben auch nicht billiger sind.

August 29th, 2004

olympic headaches

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Passend zum Text über zukünftige Olympiadisziplinen lese ich gerade im Heise-Newsticker:

Ob Handy-Weitwurf bis 2008 olympisch wird, ist allerdings noch nicht endgültig entschieden …

Schon heute morgen fiel mir die weite Verbreitung des olypmischen Gedankens auf, als Jens sein gelöstes Softwareproblem in Sportergebnisformat präsentierte.
Jetzt, da Schumacher wieder Weltmeister ist, wird vermutlich auch Fahnenkonvoifahren eine olympische Zukunft vorausgesagt…

Dass die Olympiade fast unbemerkt an mir vorbeizieht, liegt nur teilweise an den Vorbereitungen zum Vordiplom. Die Sportverachtung, wegen der ich – übrigens neben der Abneigung gegenüber Eis und Kuchen – auch zu WM-Zeiten ungläubig beäugt werde, rettet mir die ein oder andere freie Minute. Auf mein Talent, weder mit Geld noch mit freier Zeit umgehen zu können, ist aber selbst in solchen Momenten Verlass.

August 29th, 2004

Die Passion Studenti

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Christian ist seit heute wieder in Marburg. Er hat sich bei mir beschwert, dass er diese Woche bei einem Umzug in den vierten Stock eines Altbaus helfen musste. Das Resultat waren schmerzende drei Tage Muselkater.
Der Vermietungsmarkt der Lokalzeitung bot heute eine einzige große Wohnung. Katrin und Armin haben sich – leider erfolglos – zwei Wohnungen angeschaut. In den nächsten Wochen wird sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt noch einmal sehr verschärfen, da die ZVS, leider noch immer zuständig für Zulassungen einzelner Studiengänge, ihre Entscheidungsschreiben an die potentiellen Studenten mitte September abschickt. Erst letztes Semester haben Tageszeitungen von der miserablen Wohnungssituation in Marburg berichtet.
Zur Verbesserung des Wohnungsmarkts sowie der Situation der “Abgelehnten” jedoch würde eine frühere Benachrichtigung der Entscheidung beitragen. Kommen die Briefe mit Zulassungen und Ablehnungen bei den Empfängern an, sind die Anmeldefristen für andere Studiengänge an den Hochschulen in der Regel abgelaufen: Vor Eingang des Schreibens können nur wenige mit hervorragendem Abiturschnitt eine Wohnung in der gewünschten Stadt beziehen, die erfolgreiche Berücksichtigung ihres Erst-Studienort-Wunsches vorausgesetzt.
Mein Vormieter wechselt die Universität, weil ihm die Warterei auf besagten Brief zu viel geworden ist. Auch hat er nur wenige Monate in dieser Wohnung verbracht, ob er dort je “gelebt” hat, wage ich beinahe zu bezweifeln.
Ist die Hürde ZVS genommen und die Wohnungsproblematik in Marburg überwunden, bleibt der Gang zum nächsten Unternehmen, dass man oft und gern verflucht: Die Telekom. An Anschlussgebühren in aberwitziger Höhe, beängstigende Wartezeiten und Termine mit Vorschlagscharakter muss sich erst gewöhnt werden. Der erste Kontakt des Studienanfängers mit dem Telekommunikationsunternehmen hinterlässt mitunter tiefe Wunden. Ich kenne keinen Kommilitonen, der nicht schon einmal verzweifelt wäre, das Fehlen von Konkurrenz im Bereich Ortsnetz/Internetzugang macht die Sache noch schwieriger. Allerdings hört man aus Großstädten bereits Klagen, die gerade ein Konkurrenzunternehmen betreffen: Ein Freund aus Hannover hat gestern erst wieder einen Anschluss bei T-Com beantragt.
Etwa zwei Wochen später flattert der erste Brief der GEZ ins Haus. Ich kann beruhigen: Sie scheinen es einzig und allein auf mich abgesehen zu haben. Zwar kein Hausbesuch, aber eine Papierflut beeindruckenden Ausmaßes ist bereits auf mich zu gerollt. Ständig kommen Erinnerungsschreiben, die ich entweder ignoriere (und bei jedem meiner Freunde hat das Ignorieren Wunder gewirkt) oder unausgefüllt und -frankiert verpackt im beiliegenden Rücksendeumschlag in den nächsten Postkasten werfe. Völlig unbeeindruckt dessen liegt beim Heimkommen bereits der nächste Brief im -Kasten. Würden Adressen wie eMail-Adressen verkauft, wäre Marburg vermutlich eine Stadt sonderbaren Glanzes.
Wegen des Umzuges frage ich frühestens nächste Woche.