April 9th, 2010

3/17/10

3 Comments, Lifestyle, by niels.

Ich habe Kollegen, die wissen beim Aufreißen der monatlichen Abrechnung auf den Cent genau den Unterschied zum Vormonatsgehalt.
Ich habe Kollegen, die sagen, ich zahle für mein Telefon zu viel und könne die Leistung für fünf Euro weniger bekommen, wenn ich zu drei verschiedenen Anbietern wechsle. (Und sie nennen mir deren Namen und den Tarif!)

A letter from Carly Comando

Mich interessiert das alles irgendwie nicht.

Mich interessieren Dinge wie dieser Brief aus den Vereinigten Staaten, der einer CD beilag, die heute im Briefkasten war. Mich interessiert diese Musik, mich interessieren Bücher und was wird. Das ist Luxus, ich weiß, den ich mir vielleicht nicht mehr leisten kann irgendwann, wenn ich nicht sofort fünf Euro monatlich spare.
Wie ich so hineinleben kann in den Tag? Ich müsse doch planen und ob ich schon riester’?

Aber: Mich interessiert das alles irgendwie nicht.
Was nicht heißt, es wär’ mir egal.

April 8th, 2010

Die Altersflecken als Orden

4 Comments, Lifestyle, by niels.

Die Karotten, die ich gerade esse, sind übersät mit Altersflecken und beeindruckend weich. Die ehemalige Mitbewohnerin, die auf einen Tee vorbeischaut, lacht mich deswegen aus und erklärt mir, man könne nicht einfach so fasten. Mein Einwand, es sei doch nur für den Tag, quittiert sie mit einer hochgezogenen Braue.

Wir unterhalten uns eine Weile über diesen Artikel der ZEIT, wechseln dann lieber das Thema. Dennoch: Die Altersflecken auf den gestern gekauften Karotten sind für mich Beweis für den Verzicht auf schädliche Dings, und das kommt meinem Vorsatz mich vernünftig ernähren angenehm nah. Auf dem Tisch schlägt der Kräutertee auf dem Stövchen zuversichtliche Blasen, daneben warten drei Mandarinen auf ihr Schicksal in meinem Magen. (Dort werden sie heut nicht viel finden!)

Es ist nur für den einen Tag. Doch vielleicht, wenn niemand zu Haus ist, vielleicht morgen abend, dann koche ich mal.

April 2nd, 2010

Wanderers Rocksong

No Comments, Reisenotizen, by niels.

Der Wald will seine Ruhe haben
Doch dieses Rauschen nimmt keine Ende
Und Blätter tuscheln miteinander

Die da hält in ihrer Hand den Katzenkorb und lässt ihn nicht los, der dahinter nimmt es mit der Hygiene nicht so genau und stiert suchend in den Zug. Wir halten auf offener Strecke, Werner Muth und Tom Liwa klingen im Ohr. Eine SMS sagt «Ich komme was später», eine andere antwortet «Ich warte auf dich».

Heading Home – zum wahrscheinlich letzten Mal, wir haben gestern eine Ära zu Grabe getragen. An uns ziehen Schlösser vorbei, während wir durch Landschaften gleiten, vorbei an Bahnhöfen, an denen wir lange nicht standen. Der letzte Zug ist der Langsamste, um keine Station zu verpassen.

Die da hält in ihrer Hand den Katzenkorb und lässt ihn nicht los.

Und so an eines harten Tages Abend
Gesteht er sich ein, noch halb beklommen,
Jetzt hab ich Tinnitus bekommen

Werner Muth & Tom Liwa

März 30th, 2010

Calcium 800 mg

No Comments, Lifestyle, by niels.

Die eMail eben beschloss ich mit ,,Ebenfalls sonnige Grüße aus”, jener Phrase, die ich sehr häufig verwende, um wem zu sagen, wo ich gerade bin. Diese Antwort ging nach Albanien und suchte die «24°C und Sonne» in der Ursprungsmail zu relativieren.

Seitdem regnet es.

Wegen des Wetters haben wir die Planung geändert und werden die vier Tage fernab des See verbringen, an einem Ort mit Badewanne. Während ich uns ins Wasser träume mit an die Scheibe prasselndem Regen, bin ich mir ebenso sicher, dass es nicht regnen wird – weder unten am See und bei uns. Die Wettervorhersage macht sich dem Wetter gemein: Hier möchte sich niemand entscheiden.

Ich sitze im Zug, Mumford und seine Söhne um mich herum. Sie reden so laut, dass ich die anderen nicht verstehe.
Sie müssen so laut reden, damit ich die anderen nicht verstehen kann.

Reisegepäck

Ich bin auf dem Weg nach Dresden, einer Stadt, in der ich lange nicht war. Bei meinem ersten Besuch vor beinahe zwölf Jahren kam ich einer Kleiderkammer wegen; der Sinn stand nach anderem als einem Besuch in der Stadt.

Ich bin auf dem Weg in ein Hotel, in dem ich das wunderschöne Mädchen treffen werde. Wir verbinden einen Beruflichen und eine Private. Ich habe mir unter Work-Life-Balance etwas anderes vorgestellt.

März 18th, 2010

Sanssouci

No Comments, Lifestyle, by niels.

Barefoot and Purple

Nach dem dunklen langen Winter das erste Mal nicht zu Fuß sondern auf dem Fahrrad jenen Wald durchqueren, auf alten Wegen, beinahe vergessen, freue ich mich über jedes Wiedersehen mit den alten Schlaglöchern und Unebenheiten, die den Winter überlebten. Ich fühle mich seltsam wie ein französisches Schloss, das den Frühling freudig begrüߟt.

Ich freue mich auf den Urlaub im April, wahrscheinlich Helgoland. Dort soll es Robben geben und UMTS, was in genau dieser Reihenfolge wichtig ist. Und wichtiger: Wenige Menschen. Einige hundert Kilometer Abstand zwischen dem Hier, Gischt im Gesicht, dem, was sie hessisches Mittelgebirge nennen, entkommen; Und den Möwen nachschauen.

März 17th, 2010

Man sollte Biomasse machen

No Comments, Gesellschaft, by niels.

Wenn der Sommer kommt, weiß ich kaum einen Ort, draußen zu sitzen in einem Café, zum Beispiel vor meinem Fenster. Letztens kamen wir darauf zu sprechen, wie schwierig es sei, diesen zu finden, seit Gegenüber verkauft wurde.

Das Café gegenüber

Abende saßen wir unten, dort arbeiteten Menschen, die wir mochten und die kündigten, als der Neue die Arbeitsbedingungen verlas. Seitdem war ich noch zweimal dort und fühlte mich zweimal verloren.
Wenngleich: Sie haben nichts an der Einrichtung geändert.
Das ist bezeichnend. Auch: Wer Zielgruppe ist, welcher die meisten Leute angehören.

Nicht wahr? Dies ist deprimierend.
(Die Alternative übrigens, macht täglich um 19 Uhr zu.)

UPDATE: Seit Version 3.0.2 importiert Aperture die in Sidecar-Dateien enthaltenen Geo-Daten korrekt. Daher sind die in diesem Artikel beschriebenen Arbeitsschritte nicht mehr notwendig.

Dies ist eines der wenigen technischen How-Tos in diesem Blog, weil ich gestern Abend durch die Suchmaschinen gestolpert bin und für dieses Problem keine Lösung finden konnte.

Ausgangssituation

Ein Freund erzählte mir letztens vom Erwerb des Bilora Geotaggers, auf den ich vor einiger Zeit ebenfalls aufmerksam geworden bin. Im Unterschied zu GPS-Loggern, die permanent laufen und die Position mitloggen, sitzt der Bilora Geotagger auf dem Blitzschuh der Kamera und wird nur vom Blitz-Impuls beim Schießen eines Fotos kurz angeschaltet. Der zeitraubende GPS-Fix entfällt, er speichert die von den Satelliten empfangenen Rohdaten ab; die Positionsbestimmung findet erst später am PC durch die mitgelieferte Software statt. Dies hat aus meiner Sicht folgende Vorteile:

  • Er ist ständig aktiv, d.h. der Akku hält hoffentlich die mindestens die 2000 Auslösungen, die der Tagger speichern kann und muss nicht jeden Abend an die Steckdose, wie das bei vielen Trackern der Fall ist (die sich deswegen auch für mehrtägige Wandertouren disqualifizieren).
  • Es ist möglich, sofort nach dem Einschalten der Kamera Fotos mit Geo-Koordinaten zu machen; ein Warten auf den zeitraubenden GPS-Fix (der durchaus mehrere zehn Sekunden betragen kann) entfällt.

Dies wird erkauft durch den zusätzlichen Schritt, die Bilder nicht sofort in die Fotoverwaltungssoftware einzuspielen, sondern zunächst in die dem Tagger beiliegende Software Taggr, die GPS-Rohdaten aus dem Tagger ausliest, die Position daraus berechnet und in XMP-Sidecar-Dateien speichert.

Weitere Informationen zu dem beschriebenen Geotagger von Bilora sowie Updates der Software Taggr findet man auf den Herstellerseiten, einen sehr gut gemachten Hands-On-Bericht inklusive Videos gibt es bei nachbelichtet.com.

(Es existieren für Canon-Kameras GPS-Tagger, die Geo-Informationen direkt in die Bilddaten der Kamera schreiben. Entgegen der einfachen Anwendbarkeit bei Nikon-Kameras benötigt man für die Canon-Kameras den so genannten Wireless File Transmitter, der für das von mir verwendete Kameramodell noch einmal mit zusätzlich eintausend Euro zu Buche schlägt. Sowohl die Nikon-Variante als auch die Tagger bei Canon speichern allerdings keine GPS-Rohdaten, müssen also einen GPS-Fix durchführen, der für mich aus o.g. Gründen nicht in Frage kommt.)

Das Problem

Ich habe mich damals für den Kauf des GPS-Taggers entschieden, weil ich von der Software Taggr nicht nur Gutes (bzw. fast ausschlieߟlich Schlechtes) gehört habe und Aperture 2 nicht mit XMP-Sidecar-Dateien umgehen konnte. Der Kollege erzählte mir jedoch, dass Taggr zuverlässig arbeite, außerdem hat mit Aperture 3 die Fähigkeit zum Import von XMP-Dateien Einzug gehalten.

Bei meinen ersten Versuchen stellte sich allerdings heraus, dass Aperture 3 beim Import der Fotos die Geoinformationen, die in den Sidecar-Dateien gespeichert sind, ignoriert (von Taggr ebenfalls angelegte Schlagworte werden allerdings korrekt importiert).

Die Lösung

Der einzige Weg, den ich nach langer Suche gefunden habe, ist das Auslesen der GPS-Positionsdaten aus den Sidecar-Dateien und das Einfügen dieser direkt in die CR2-Dateien, die Rohdaten der Fotos. Dieser Schritt wird gangbar mit der Software ExifTool, die von Phil Harvey entwickelt wurde und auf dessen Webseite für Windows und Apple heruntergeladen werden kann. Es handelt sich dabei um ein Kommandozeilenprogramm, das mit den korrekten Parametern in der Lage ist, Positionsdaten aus XMP-Dateien auszulesen und in CR2-Dateien einzufügen.

Nach Installation der Software kann diese auf der Kommandozeile ausgeführt werden. Ein Aufruf unter Mac OS X sieht beispielsweise aus wie folgt:

exiftool -overwrite_original -preserve -tagsFromFile IMG_6098.xmp IMG_6098.CR2

  • exiftool ist das ausführbare Programm
  • -overwrite_original ist ein Parameter der verhindert, dass ExifTool von der CR2-Datei ein Backup anlegt (dies habe ich aktiviert, um den Speicherplatz für die Backup-Datei zu sparen)
  • -preserve behält die Zeitstempel der originalen Bilddateien bei
  • -tagsFromFile IMG_6098.xmp extrahiert aus der nachfolgend angegebenen Datei (hier: IMG_6098.xmp) die Geo-Informationen …
  • IMG_6098.CR2 … und speichert diese in dieser Datei ab (hier handelt es sich um eine Bild-Datei mit Canon Rohdaten)

Diesen Schritt muss man für alle Bild-Sidecar-Paare durchführen. Wer grundlegendes Bash-Scripting beherrscht, kann unter Mac OS X mit wenig Aufwand zum Ziel kommen. Ich habe ein Script geschrieben, das genau dies macht: gpsconvert.sh

Dieses Script speichert man – so man Mac OS X – verwendet, auf seinem Computer ab, z.B. im Heimatverzeichnis seines Benutzers (der Benutzer heißt im folgenden Beispiel fallenbeck).
Anschließend öffnet man das Terminal und kann das Script wie folgt aufrufen:

/Users/fallenbeck/gpsconvert.sh /Users/fallenbeck/Desktop/Fotos

  • /Users/fallenbeck/gpsconvert.sh ist der vollständige Pfad zum Script; so können Shell-Scripte auf der Kommandozeile bei Mac OS X (und anderen unixoiden Betriebssystemen) aufgerufen werden.
  • /Users/fallenbeck/Desktop/Fotos ist das Verzeichnis, in dem Taggr die Bilder und die XMP-Sidecar-Dateien abgespeichert hat (hier: Ordner Fotos auf dem Desktop des Users fallenbeck -€“ dies kann in der Taggr Software beliebig geändert werden, der Aufruf des Scripts muss dann entsprechend angepasst werden.

Bei einer erfolgreichen Ausführung des Scripts wird eine ähnliche Ausgabe erzeugt wie folgt:

GPS Converter Script 1.0 using exiftool, 2010 by Niels Fallenbeck
   Merging IMG_6096.xmp -> IMG_6096.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6097.xmp -> IMG_6097.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6098.xmp -> IMG_6098.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6099.xmp -> IMG_6099.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6100.xmp -> IMG_6100.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6101.xmp -> IMG_6101.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6102.xmp -> IMG_6102.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6103.xmp -> IMG_6103.CR2
    1 image files updated
   Merging IMG_6104.xmp -> IMG_6104.CR2
    1 image files updated

Der letzte Schritt besteht dann im Import der so veränderten Bild-Dateien in Aperture 3. Nach erfolgreichem Abschluss sieht das Ergebnis ungefähr so aus:

Fotos mit Geo-Informationen in Aperture 3

Der Workflow

Noch einmal zusammenfassend der Workflow, um Bilder, die von einer Canon EOS 40D im Raw-Format gemacht wurden mit den Geo-Informationen aus dem Bilora Geotagger zu versehen und diese in Aperture 3 zu importieren.

  1. Speicherkarte aus der Kamera in Kartenlesegerät am Computer
  2. Bilora Geotagger per USB mit dem Computer verbinden
  3. Taggr starten und Fotos ,,beschriften” (GPS-Daten aus dem Geotagger auslesen, Ein- und Ausgabepfad für die Fotos auswählen)
  4. Script aufrufen mit dem Ausgabepfad von Taggr als Argument
  5. Diese Fotos in Aperture 3 importieren

Anmerkungen

Wenn man statt im Raw-Format im JPG-Format fotografiert, muss die Dateiendung im Script (Zeile 50) entsprechend angepasst werden. Da ich ausschlieߟlich im Raw-Format fotografiere, habe ich keine weitere Zeit auf dieses Problem verwendet.

Der Freund verwendet übrigens Lightroom von Adobe, welches die Sidecar-Dateien (und die darin gespeicherten Geo-Informationen) anstandslos importiert. Dafür bewundert er mich um die schöne Karte, die Aperture 3 zur Verfügung stellt. :-)

März 10th, 2010

Daily Promenade

No Comments, Lifestyle, Reisenotizen, by niels.

«Alexander, das ist der Wald» sage ich auf die Bäume deutend, unter ihnen Reste von Schnee.
«Danke für die Einführung.» – «Das ist mir oft lieber als Menschen, er ist nicht so laut.»

Tal

Ich habe nach Ferienhäusern auf Helgoland gesucht, denn ich muss an die Küste. Vielleicht fahre ich auf dem Weg von dem See direkt weiter, vielleicht halte ich kurz inne unterwegs. Es läuft derzeit ziemlich viel gut, wenngleich sich vieles zerstreut. Aber: Dann ist’s nicht so laut.

In jenen Momenten, die ich sehr schätze, sitzen wir gemeinsam oder allein auf den Bergen und schauen ins Tal. Oder auf das Wasser davor. Ich bringe Fotos von dort.
Für die Kinder und uns.

März 6th, 2010

Wind von Süd

1 Comment, Reisenotizen, by niels.

Im Zug nach Süden, aus der kleinen Stadt, die seit gestern wieder unter eine weißen Pulverdecke liegt. Von dem groß angekündigten Flohmarkt in einer der breiteren Pflasterstraßen der Altstadt blieb eine einzelne Frau, die Silberteller feilbot. Und die – vielleicht weil sie die einzige war – glücklich schien.

Im Zug Richtung Süden

In vier Wochen werden wir genau diesen Zug nehmen, hinunter zum See, Energie tanken am Wasser. Ich habe noch nicht genug von dem Winter, meinetwegen kann es noch Wochen so gehen. Das einzige, was ich vermisse, ist der Blick ins Tal.
Von der Wand über dem See.

März 4th, 2010

Tummetott

No Comments, Lifestyle, by niels.

Frau Hoffmann reibt sich an meiner Tasse, in der irgendein Tee mit Baldrian zieht. Soviel Liebe hat sie mir noch nie gegeben. Ich sitze daneben, beobachtend und schwanke zwischen Lächeln und Verzweiflung, weil ich nur eben kurz etwas machen wollte; und nun haben wir zwanzig nach Vier. «Du Katze, du irre» denke ich noch, «wie oft ich dich beneide und nun drehst du zu solch unmöglicher Zeit neben mir durch.»
Es soll wie ein Lob klingen. Bevor sie die nächste Runde mit dem Teebeutel ficht.

Draußen ziehen die Kehrmänner vorüber und ich glaube für den Moment, seine Stimme zu hören. Als ich herausschaue sind es bloß die üblichen verdächtigen zwei. Ich höre das Bett, es ruft mich.
«Ich würde ja gern, weißt du, ich erledige das bloß eben noch schnell.»

Endlich gesunden!

Seit zwei Wochen trage ich diese Erkältung spazieren. In der letzten Woche hat sie mich phasenweise ins Home-Office gedrängt, herrscht bei uns im Büro das Ethos, woanders zu bleiben statt die Kollegen anzustecken. An anderen Tagen (und am Wochenende davor) hat mich eine Medikation durch die Tage gebracht, die Krankheitsbilder zuverlässig verdeckt.

Seit nunmehr einiger Zeit klammere ich mich an Guten Morgen Saft und zum Frühstück gereichte Karotten, mich fragend: «Wann ist das vorbei?»
Ich mag beides, mich stört nur der Husten.
Und die Telefonkonferenz in wenigen Stunden.

Februar 28th, 2010

The Letter Project

No Comments, Gesellschaft, Media, Netzkultur, by niels.

The Letter Project

via: The Letter Project

Heute lag ein Brief in der Post, ein einziger nur für dieses ganze Haus und er war für mich. Ich erkannte ihn sofort am Briefumschlag; ich war mir vom ersten Moment sicher, dass es die Freundin aus Hannover war, die schrieb. Darin ein Foto, ein Foto von mir, das auf der Zwischenlandung ihres Fluges nach Istanbul im September des letzten Jahres entstand. Darauf trage ich einen Anzug.

Obwohl man den Anzug nicht gut erkennt, erahnt man doch, dass er mir steht. Ich trage Anzüge gern und doch viel zu selten. Zur Zeit trifft man mich im Wald vorrangig in Blue Jeans, einem grauen Troyer und Wanderstiefeln: Der Anzug und die dazu passenden Schuhe eigenen sich nicht für den Weg über zugeschneite Wege. Ein Kollege sagt, meinte ich das mit den Anzügen ernst, hätte ich einen für untertags im Büro. Das ist natürlich Quatsch, außerdem sind Anzüge in unseren Gebäuden dort oben Perlen vor (in diesem Bereich) apathische Säue.

Gleichzeitig will ich nicht auf die Wanderung (oder die Radfahrt) durch den Wald verzichten; ich trage auch den Troyer gern und in öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie den Bussen dieser kleinen Stadt wird mir zuverlässig flau. Ich genieße die Luft und das Fehlen der Menschen, die in Bussen stets niesen und husten.

So hat beides seine Seiten die ich sehr schätze. Auf Fotos machen sich Anzüge selbstredend besser, doch:

Hab ich das eine
vermiss’ ich das andere.

Ich habe in der letzten Woche viermal zwischen zwei Handys gewechselt – aus vergleichbaren Gründen. Mit meinem Wunschberuf verhält es sich ähnlich, ebenso mit der Stadt, ich der gern lebte (nicht einmal das Land!).

Hört das irgendwann auf?
(Es ist recht anstrengend so.)

Februar 15th, 2010

RE 25002

No Comments, Reisenotizen, by niels.

Für das wunderschöne Mädchen und mich war es an diesem Wochenende die einzige Möglichkeit uns zu sehen. Weil es gestern bereits relativ spät war, entschied ich mich gegen den InterCity, der eine Stunde später gefahren wäre und stieg in einen «Regionalexpress mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen» (jedenfalls zwischen der kleinen Stadt und dem dreißig Kilometer südlicheren Verkehrsknotenpunkt).

Heute morgen fiel die Wahl auch wieder auf diesen Zug (um eine halbe Stunde im warmen Bett zu gewinnen), der auf der letzten Teilstrecke an jedem Futtertrog anhalten wird und der sich deshalb bei Pendlern aus eben jenen Dörfern einer großen Beliebtheit erfreut.

Um es kurz zu machen: Gestern nachmittag war der Zug überfüllt von alkoholtrinkenden Fußballfans, die lärmten und stupide Sätze sagten, die ich nicht hören will. Könnt ihr euch kein Hobby suchen, das man nüchtern ertragen kann? Heute morgen haben wir bereits eine Viertelstunde Verspätung und beiden Zügen gemein ist die Tatsache, dass es unmöglich ist, selbst bei längeren Bahnhofsaufenthalten die Türen – einmal geöffnet – zwischendurch wieder zu schließen: Sie bleiben offen bis zur Abfahrt. Die Wirkung kann sich bei einem durchschnittlichen Türabstand von zehn Metern und -4°C jeder selbst ausmalen.

Ich jedenfalls habe in diesen Zügen lange keinen Schaffner gesehen.

Februar 8th, 2010

Hardangervidda

No Comments, Reisenotizen, by niels.

Gestern noch habe ich mich unruhig gewälzt und gefragt, wann ist es vorbei?

Es ist kalt, es ist kalt, es ist bald vorbei

Heute morgen habe ich den Müll herunter getragen.
Ich schaue aus dem Fenster in den Wald, zwischen dem und mir die Luft flimmert. Es wird noch einmal kalt, sagen sie, und ich bedauere, meine Bettdecke entsorgt zu haben, um nachts atmen zu können.

Ist das alles, fragst du?
Das ist alles, sagst du.

Lass uns im Sommer hinfahren, wo man über Steine springen muss.

Februar 3rd, 2010

Death kills

No Comments, Netzkultur, by niels.

In unserem Team war ich der Erste, der mit dem Twittern begann. Irgendwann eröffneten wenige andere Kollegen einen Twitter-Account einem Anlass folgend, den ich längt vergessen habe. Sofort verlagerten sich bestimmte Mitteilungen auf Twitter, was von uns niemandem auffiel – wir waren alle dabei. Ich wusste, was meine Kollegen dachten, was sie gerade zugespielt bekommen hatten und über was sie sich amüsierten.

Wir hatten uns angewöhnt, Gedanken sofort online zu stellen und beinahe sofort Reaktionen auf diese Einträge zu bekommen. In dieser Zeit hatte ich viele Probleme, Blogeinträge zu schreiben: Die meisten Gedanken waren bereits veröffentlicht, und mit einem roten Faden ältere Twittereinträge zusammenzufügen hatte ich keine Lust – wenngleich einige Blogger das machen, damit ihr Blog nicht vollends verhungert («Ein Blog ist wie ein Haustier»).

Weil das Blog für mich wichtiger ist als eine Webseite voller ungefilterter Gedankenfetzen, war ich schließlich auch wieder der Erste, der seine Mitgliedschaft in diesem Kurznachrichtennetzwerk kündigte. Sofort merkte ich das Fehlen der über diesen Kanal gesendeten Informationen; bis heute muss ich regelmäßig nachfragen, wenn ich allen Referenzen im mündlichen Gespräch folgen will.

Besser als das.

Januar 25th, 2010

Berlin

No Comments, Lifestyle, Reisenotizen, by niels.

Als ich heute Abend mit dreißigminütiger Verspätung am Berliner Hauptbahnhof den Zug verließ, bereute ich (ungefähr zum dritten Mal), dass ich mich für eine Anzugshose und Halbschuhe entschieden hatte (der Kollege, der mich bat, zu diesem Meeting zu kommen, sagte, man sei in diesem Projekt noch recht förmlich; da es keines «meiner» Projekte ist, entschied ich mich für diese unpassende Kleidung – er lachte später im Zug und erklärte, er meinte damit das Siezen). Im Hotel heißen sie mich wärmstens willkommen, weisen per Aushang auf die momentane (-11°C) und gefühlte Außentemperatur (-18°C) hin. Und darauf, dass man hier versuche, die Welt zu retten und daher in den Zimmern keinerlei Waschlotionen und dergleichen zu finden seien, diese aber selbstverständlich – so ich nichts dergleichen mitgebracht hätte – zur Verfügung ständen, Ich verwies auf das Argument der Weltrettung und nahm eine Tube Weleda-Shampoo in Empfang, während der Portier mir köstlich amüsiert auf die Schulter schlug.

Etwa zwanzig Minuten Fußweg entfernt steht das Theater am Schiffbauerdamm an der zugefrorenen Spree. Es wäre mit Nahverkehrsmitteln sehr schnell zu erreichen, doch die Straßenbahn speit mich bereits an der nächsten Station wieder ins Freie: Wegen eines Staatsbesuchs. Später erfahre ich, dass sie die Stadt festungsgleich absichern wegen des Besuchs Shimon Peres’ und erinnere die ständigen Patrouillen vor den Toren der Jüdischen Gemeinde, die mir aus jener Zeit im Gedächtnis haften, in der ich regelmäßig in dieser Stadt schlief.

23:21

Aus dieser Zeit kenne ich auch das Circus, jenes Hotel, in dem ich heute zum ersten Mal schlafe. Gegenüber, in der Bar unter dem Hostel, habe ich den norwegischen Freund auf einem der Konzerte seiner Deutschlandtour zum letzten Mal gesprochen und gesehen. Und in der Nähe, ein wenig die Straße herunter, wohnt jemand, den sie mir vorgestellt hat. Sie weiß bestimmt zehn Menschen hier zu besuchen, mir fällt die Nennung eines einzelnen Namens schwer.

Ich streite mich mit Berlin über Aspekte; über die Rauheit und Lautstärke an den Bahnstationen, was sie «Berliner Schnauze» nennen oder dem Schmutz in den Gassen. Dennoch ist es seltsam vertraut, wieder hier zu sein. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit als diesen Abend, an dem es zu kalt ist, um draußen zu sein.
Im Sommer vielleicht.
Dann wieder zusammen.

Januar 23rd, 2010

Moi non plus

No Comments, Gesellschaft, by niels.

Der Kaffee schmeckt dort besser als zu Haus.
Nicht nur deswegen zieht es mich regelmäßig nach Süden. Denn diese kleine Stadt ist voll von komischen Leuten. Wenn diese Wohnung nicht wäre und die Menschen, mit denen ich diese teile (und ein paar andere Freunde), ich nähme das Pendeln jederzeit gerne in Kauf und bemühte mich vielleicht, diese Zeit schneller zu Ende zu bringen als jetzt.

Aus Gründen, die ich sehr wohl kenne

Nach dem Veranstalten unserer Party ist nicht nur der vergammelte Alkohol (von uns hat sich seit vielen Monaten jeder vor dem Trinken dieser Flasche gescheut) und der Kaffee geplündert, auch fehlen ein Korkenzieher der Hochpreiskategorie und eine alte Pinzette, die in einer Badschublade versteckt lag. Ich bügle noch immer Wachsflecken aus meinem Teppich, Julia trauert einer Lampe nach und beinahe noch jeden Tag fingern wir Kronkorken aus den Ecken der Räume. Ich würde Leute gerne verstehen, aber ich schaffe das einfach nicht. Und erinnere eine Feier, nach der ein Telefon fehlte, und eine zweite, auf der ein Fahrrad verschwand. Ein Fahrrad!

Als wir das Haus in die Rüstung zur Party verpackten (vor nunmehr drei Wochen), schoben wir die Fahrräder ins Foyer des Nachbarhauses. Bis auf eines: Das alte Rad meiner Oma lehnten wir hoch der Gasse an eine Hauswand und vermerkten im Geiste, dass wir es abschließen müssten. Eben schob ich das Rad zurück in den Flur, versah die Notiz im Geiste mir der Bemerkung Nun nicht mehr nötig! Und erinnere eine Feier, auf der ein Fahrrad verschwand. Ein Fahrrad!

Es sind diese Momente und Momente an Kassen, Momente in den Oberstadtgassen und Gespräche in der Umkleidekabine des Sportstudios (die ich hier nicht wiedergeben möchte, mir aber die Herkunft zahlreicher Vorurteile offenbaren), es sind solche Momente, die mich verzweifeln lassen. Es gibt hier Menschen, die reagieren mit bewundernswerter Toleranz, ich schaffe nur stilles Verzweifeln und den Wunsch nach Garaus.
Dass Leute doof sind setze ich als bekannt voraus.

Ich bin – glaube ich -, was man gemeinhin als bedingt partyfähig bezeichnet. Was ich weiß, ist folgendes:

Mit Thomas Bernhard sozialisiert (auf ihn, allerdings nicht allein, berufe ich mich oft) eilt mir ein gewisser gesellschaftlicher Pessimismus voraus. Gesellschaft ist mir lieb, wenn sie in ruhigen Gesprächen auf gemütlichen Sitzgelegenheiten stattfindet, das letzte mal auf einem Flur mit einem Bier in der Hand stand ich auf einer Party wegen des Mädchens, bei dem ich heute wochenends schlafe. Doch sie war damals nicht dort.

Letzten Samstag war sie es, unter den Leuten in der Gesellschaft, die sich in meinem Zimmer, weiters im ganzen Haus eingefunden hatte. Ich hatte mich als König verkleidet und an der kurzen Stirnseite des Zimmers auf dem eigens installierten Thron Platz genommen, von dem aus ich die Tür in gutem Überblick behielt. So nahm der Abend seinen Lauf, Gäste kamen und gingen, einige von weiter fort, viele mir Unbekannte, die jemanden kannten, der jemanden kannte; eine typische WG-Party. Viele waren sehr nett und wenn ich nicht im Thronsaal saß, mäanderte ich durch die geschmückten Zimmer des Hauses und hatte erfreuliche Treffen.

Um halb vier Uhr morgens wäre ich gerne nach Hause gegangen. Der Tagesrhythmus forderte seinen Tribut und wer zu der Zeit im Thronsaal weilte, konnte nur ein gutmütiger König ertragen, der ich um diese Uhrzeit nicht war. Das ist, was ich meine (dort oben).
Gesellschaft findet häufig auߟerhalb meiner Betriebszeiten statt.

Am Schönsten ist es doch immer mit ihr und wenigen anderen am Fluss dieser Stadt (oder in gemütlichen Sesseln).