Mendeln

Ich finde es zunehmend schwierig, mich für die Vorgänge dort draußen zu interessieren. Das fing irgendwann an mit einer Beobachtung im Urlaub, dass mir völlig egal ist, über was andere reden und um was sich andere kümmern. Ich meine damit Dinge wie irgendwelche übereuropäischen Gesangswettbewerbe, bei denen ein als Frau verkleideter Mann gewinnt. Es ist mir wirklich egal. Wir waren am Tag des Wettbewerbs zu Gast bei einer Freundin, die uns mit den Worten empfing, dass später noch andere kämen um diese Sendung zu sehen. Es war ein schöner Tag, der sich mit dem Sendebeginn ins Auto verlagerte und auf die Autobahn Richtung München. Wir tranken bei ihrem Bruder noch einen Tee, dem diese Sendung ähnlich egal war wie uns.

Den Mendelpass hinauf

Mendelpass

So war das auch in Italien. Wenn man den Tag auf dem Rad verbringt und irgendwann die Gedanken  schweifen lässt – weil Passfahrten eine meditative Sache sind, solange man nicht den Penegal hinaufkriecht auf fünfundzwanzigprozentigen Steigungen –, nimmt man zwar die Ergebnisse der Europawahl besorgt zur Kenntnis, aber Stuhlgewitter mit Schuldzuweisungen auf Twitter gehen an einem vorbei. Der einzige Grund, weshalb ich sie nicht völlig verpasste, ist der Freund, der davon erzählte, während er oben im Passcafé in seinem Tee rührte und ich gedankenverloren meinen Espresso genoss. Seltsam distanziert klingt das dann, nach Kleingeist und verletztem Stolz. Das passt nicht auf einen Pass.

Penegal

Ich

Alles ist seltsam weit weg bereits nach zwei Tagen.
Ich mochte eigentlich gar nicht zurück.

2 Gedanken zu „Mendeln

  1. Die ganze mediale und sonstige Kakophonie der tagesaktuellen Nichtigkeiten auf einem Alpenpass auszublenden, ist nicht die hohe Kunst. Die besteht nach meinem Dafürhalten eher darin, von dieser Filterfähigkeit genau so viel in den Alltag rüberzuretten, dass man zwar noch halbwegs weiß, worüber die Leute so reden, aber keine Notwendigkeit mehr verspürt, bei allem mitreden können zu müssen. Ob jetzt irgendeine Wurst den ESC gewinnt oder Jogis Jungs in der ersten Runde rausfliegen oderoderoder, ich könnte tot umfallen vor Gleichgültigkeit. Und um dahin zu kommen, braucht es jahrelanges Training, bei dem einem keine App und kein Pulsmesser hilft. ;-)

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