Man kann nicht rausgehen, wenn der eigene Film im Augenkino läuft

»Zweieurodreißig« sagt sie und »wie immer«, während sie einen Becher über die Theke schiebt in einer mir unbekannten Größe. Sie lacht und ich zahle 40 Cent weniger als noch am Tag zuvor; auf meinem Weg zur U-Bahn steht sie vor ihrem Laden und ruft mir winkend »Ciao Bello« hinterher.

Ich bin wie stets in solchen Situationen paralysiert. Folgerichtig werde ich in den nächsten Wochen keinen Fuß mehr in dieses Café setzen. So war es immer.

Rückblickend wird mir deutlich, woher ich kam. Was für Zeiten das gewesen sind! Was das für Zeiten sind! Ich habe bei ihm mehr gelernt als wissenschaftlich zu schreiben. »Anspruchsvoll bist du geworden« sagt eine aus dem Schwarzweißfilm bekannte Figur und streicht mir sachte über den Kopf. Während ich vom Lehnsessel die Straße zum Museum überblicke, denke ich »Pech für die anderen, sie leiden darunter.« Doch: Der, der leidet, bin ich. Auch das habe ich gelernt in der letzten Dekade: Alles wird immer irgendwie gut.

On ne comprend pas
on ne voir jamais
on n’écoute rien

Und dieser Preis, dessen bin ich mir sicher, ist angemessen hoch. Es wird doch niemand verhungern, oder? Es wird noch niemand hier verhungern?!

Peryton

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