Lovesongs von gestern sind kalter Kaffee

Meine Liebe,

ich gehe einfacherweise davon aus, dass du hier liest. Immerhin hast du dich nicht wieder gemeldet, was nur im Hinblick auf die letzte Konversation am Bahnsteig als nicht außergewöhnlich erscheint.
Ich sagte, ich melde mich später irgendwann. Und dass ich dir Musik mitbringe, weil du mir erzählst, dass dir Musik die ich höre, gefällt. Und natürlich kann ich dir alles, aber gerade nicht meine liebste Musik geben, sie wäre dir sofort unerträglich, was vermieden werden muss, schließlich ist es Musik, die ich liebe. So hast du sie selbst zu finden, ich kann sie unmöglich verraten an dich; gäbe ich dir je etwas, dann nie, was mir am Liebsten ist.

Das, du ahnst es, ist ein denkbar schlechtes Fundament für uns zwei. Wenn ich erzähle von damals, rede ich immer vom »Priesterseminar«. Der Begriff, den wir beide unendlich different auslegen, beschreibt gerade darum gut, was ich meine. So kann ich dir doch nur den Hesse empfehlen. Den, glaube ich, mögen wir beide.
Was haben wir disputiert! Damals auf dem Weg in die Stadt, ich für die Wissenschaft und du religiös wider mich. Vor einhundert Jahren hätten wir einen veritablen Briefwechsel auf die Beine bekommen, doch die Zeiten haben sich geändert. Vielleicht liest du ja mit:

Machs gut.

2 Gedanken zu „Lovesongs von gestern sind kalter Kaffee

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