Im Sonnenuntergang

Da ist er…

Sie liegen uns in den Ohren, wie laut die Straße vor dem Haus lärmt. Und es stimmt: Wenn wir uns unterhalten, muss ich häufiger nachfragen, weil Satzhälften im Hupkonzert eiliger Münchener untergehen. Immerhin kann ich mich gut darin beobachten, dass Ich stets höflich Bitte? frage als ein kurzes, zeitsparendes Hä?. Denn wir hier oben auf unserem Balkon haben es nicht eilig. Aber wir haben auch keine Zeit zu verschenken.

Regattaanlage

Als ich vorgestern mit R. von hier an den Stadtrand fuhr und dann in einer Schleife über die Regattastrecke zurück, sind mehrere Radfahrer beinahe in uns gerast, gedankenverloren und auf der falschen Seite des Radwegs. Man sollte ihnen dann aber nicht Penner! hinterherrufen, weil sie sich umdrehen und dabei den nächsten Radler hinter einem selbst gefährden. Das haben wir für Sie getestet.

Sonnenuntergang

Campagnolo

Und dann kommt J.’s SMS, der mich einlädt in den Sonnenschein an den Rand eines Biergartens auf Höhe des völlig überlaufenen Isar-Ufers. Da ist er, der Moment, in dem mich das eher abstößt als freut. Nicht wegen J. selbstverständlich, wegen der Menschenmasse an der Biegung des Flusses, wegen des Wegs dorthin durch die Stadt. Als wir vor ein paar Wochen morgens um halb sechs dort saßen in den ersten Sonnenstrahlen, konnten wir gut beobachten, wie der zivilisierte Mensch seine Umwelt behandelt. Vielleicht ist damals die Entscheidung gefallen, vielleicht auch erst in den letzten zehn Tagen, in denen mir die Rücksichtslosigkeit und Lautstärke sonderbar intensiv vorkommt.

Ich brauche Abwechslung und eine Gruppe zum Fahren, vielleicht nicht mehr in der Innenstadt, vielleicht eher im Süden des Landkreises, wo die Wahnsinnigen nicht wohnen.

2 Gedanken zu „Im Sonnenuntergang

  1. Ich fürchte ja, den meisten von den Pennern wird nicht mal klar sein, was sie falsch machen auf der falschen Seite. Auf Brücken ist das ja auch immer toll, wenn sie einem breitarschig entgegeneiern und dabei runter auf den Fluss oder sonstwohin stieren. Da vermag ein kräftiges „Glotz nach vorne, Du Arsch“ zwar auch nicht die Regel der richtigen Seite zu vermitteln, aber zumindest im besten Fall ein wenig Problembewusstsein zu wecken.

    Bin jedenfalls froh, dass ich nicht zwingend ständig durch Düsseldorf durchpedalieren muss, manchmal nehme ich alter ÖPNV-Hasser sogar lieber die S-Bahn, um mit dem Rad ins niederbergische Hügelland zu kommen. Komischerweise hat es mir kürzlich aber Spaß gemacht, durch Aachen durchzubrettern, und ich hätte mir gewünscht, dass der Mitfahrer da ein bisschen besser mitzieht innerorts. Aber gut, der war auch nicht dabei damals in Mannheim , als ich mir mit einem befreundeten Taxifahrer manchmal Rennen durch die Stadt lieferte und bisweilen mit meinen Raleigh-Renner gegen seinen 5er-BMW gewann.

    Ich glaube, da war ich etwa in Deinem heutigen Alter. ;-)

  2. Heute bin ich schon wieder beinahe vom Rad geholt worden, von einem Autofahrer, der ohne Rücksicht auf Verluste und Radler auf dem dazugehörigen Radweg aus einer Straße geschossen kam, um eine Lücke im Verkehr zu nutzen.

    Mein Rollentrainer hängt noch in einem Postversandzentrum fest (seit drei Tagen!), daher ist das mit dem entspannten Radeln auf dem Balkon noch nicht möglich. Aber Du siehst: Ich arbeite an Alternativen. :-)

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