Die besten Menschen der Welt

Meine liebe Freundin,

wenn du wüsstest, wie oft ich zurückdenke…
Nicht, weil es heute so schlimm ist, weil es damals so unglaublich gut war. Die Zeit in der Allee mit den Pflastersteinen, die uns durch die Südstadt führte jedes Mal hinauf in die Oberstadt, vom kleinen Markt gegenüber der alten Kaserne hinauf in die WG, die den Namen berühmter Vormieter trägt. Wir waren mit Äpfeln und Gemüse beladen und haben den Sommer verquatscht. Ich kann mich an den Lärm der Flügelschläge des Blechhahns erinnern, als sei es gestern gewesen; der Unerbittliche, der die Stunden über den Marktplatz peitschte, den G. immer herunterschießen wollte, wenn er da war. Und ich erinnere die Nacht, in der ich auf dem Markplatz schlief, weil ich die fünfzig Meter nach Hause nicht gehen wollte und morgens um Vier trotz Hochsommers von der Kälte erwachte. 

Damals

Ich stelle zur Zeit beinahe alles in Frage, andere sagen das merkt man mir an. Du würdest dich gut an mein altes Ich erinnern können in diesen Tagen, wirklich einfach war es damals schon nicht. Das war eine komprimierte Zeit. Wie sich im Großen alles wiederholt in Abständen von etwa zwanzig Jahren, wiederhole ich mich im Kleinen viermal so schnell.

Es ist das Bedürfnis von einem der stirbt, die Freunde um sich zu haben: Das Bild vermittelt die Literatur, das Bild vermittelt die Generation unserer Eltern. Du weißt, ich habe die besten Menschen der Welt, mit denen ich lebte und lebe, auch wenn wir uns selten berühren und selten sehen. Es sind die Menschen am Firmament, my personal milky way. »Man müsste« ist ein Satz, den wir streichen müssen. Ein Drittel meines statistischen Lebens ist vorbei, ich sollte nun dreimal so viele Entscheidungen treffen, um im Einklang zu sein.

Damals

Ich lese gerade sehr viel.
Ich schreibe gerade zu selten.

Wir sehen uns bald! 
Herzlich, Dein N.

Photos: G.

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