Archiv der Kategorie: Media

Rund um Medien: Bücher, Filme, Musik

Und um das alles zu begreifen/wird man was man furchtbar hasst, nämlich Cineast

Es ist mir mehrmals passiert, dass ich in ein Gespräch gekommen bin, in dem man sich über Filme unterhielt. Aber: Möchte jemand mit mir über Filme sprechen, werde ich wortkarg. Nicht, weil ich ausschließlich Verachtung übrig hätte für das Mainstreamkino, nicht weil ich die Werke nur eines Regisseurs akzeptiere und alles andere ignoriere, einzig aus dem Grund, weil ich beinahe nie Filme schaue und daher keine kenne. Zwar habe ich vor vielleicht drei Jahren mit dem wunderschönen Mädchen alle Woody-Allen-Filme geschaut, die iTunes vermietet hat, war seitdem allerdings beinahe nie wieder im Kino.

Im Rahmen solcher Gespräche kommt man erstaunlich oft auf Forrest Gump zu sprechen. Es sind seltsame Blicke, die mich treffen, wenn ich Verneine, diesen Film zu kennen.

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J., ein alter Schulfreund, verbrachte seine 11. Klasse in den USA. Ich weiß den Zusammenhang nicht mehr, aber aus irgendeinem Grund blieb mir sein texanisch geprägtes »Life is like a box of chocolades« im Gedächtnis. Seit zwanzig Jahren denke ich an J., wenn mir dieser Satz in den Kopf kommt. Und das passiert hin und wieder. Öfters höre und lese ich an verschiedenen Stellen diese »Lauf, Forrest, lauf!«-Zitate, die sogar in meinem Kopf widerhallten, als ich eine Party in der kleinen Studentenstadt Hals über Kopf verließ. Einmal sah ich die Szene irgendwo, in der die Beinschienen des Jungen beim Laufen zersprangen. Ansonsten kenne ich nur das eine Bild mit dem Briefkopf von Apple.

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Gestern Abend habe ich Forrest Gump zum ersten Mal gesehen. Ich ging davon aus, dass dieser Film eine Komödie sei. Ich weiß nicht, weshalb. Vielleicht, weil ich Komödien mag. Ich hatte mich also gefreut, als das wunderschöne Mädchen vorschlug, den Film doch endlich einmal zu schauen.

Eine Komödie war das nicht.
Doch immerhin: Es war ein sehr schöner Abend.

t: Tocotronic

Auf meinem Grabstein soll einst stehen: Er hatte es versucht

Ist es denn so schwierig, ein Gefühl für Design zu entwickeln, ein Gespür für Form und Funktion, ein Urteilsvermögen über die guten Dinge und über die schlechten? Uns gelang es in den vier Jahren, in denen ich in der Gruppe meines Doktorvaters gearbeitet habe, einen Eindruck zu hinterlassen – was mir ein Freund hinter vorgehaltener Hand verriet: Auf Konferenzen und Meetings konnte man unsere Präsentation, unsere Bilder stets unterscheiden von denen der andern. Weil die Bilder gut aussahen und nicht im unsäglichen Microsoft-Visio-Isometrik-Stil daherkamen. Weil wir wenige Farben verwendeten, die nicht in den Augen brannten. Man sagte, unsere Gruppe sei erkennbar an den schönen Grafiken und Präsentationen.

GrĂĽn

Man kann rot abstufen!
Man muss rot gar nicht verwenden!
Was ist mit Flieder oder pastellenem GrĂĽn?

Ende letzter Woche legte eine Kollegin eines jener Bilder auf meinen Schreibtisch. Ich fand die Grafik schlecht und die Anmerkung schlimm, sie käme von einer Grafikerin. Die Kollegin indes führte Präsentationen der großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften als Positivbeispiele für gutes Aussehen ins Feld. Allein: Alle – alle! – die ich von ihnen bisher sah, fand ich langweilig und gleichgeschaltet, Business-Standard-Einheits-Gewäsch. Ideenloser Murks. Liebloser Dreck.

Doch damit ist sie in guter Gesellschaft. Es geht vielen entweder so oder sie sind nicht bereit, Zeit zu investieren für ein einzelnes Bild. So gibt es tausende Dinge; erst eben besuchte ich die Webseite einer Firma, im Pressebereich einige Bilder. Neben dem Download in Druckqualität konnte man die Bilder im Browser betrachten. Aber: Warum kann ich nicht auf die (vorhanden) Miniaturen klicken sondern muss einen kleinsten Pixelhaufen treffen rechts unten neben dem Bild? Ist ein direkter Link von einer Miniatur zu einer Großansicht wirklich so schwer zu begreifen?! (Nehmt euch meinetwegen den Quellcode vom Bild dieses Eintrags!)

Diese Tatsachen machen mich – als Einäugigen unter Blinden (denn wirklich gute Grafiker spielen natürlich ein paar Ligen höher) – sicher in zweierlei Hinsicht:

  1. Es ist nicht schwer, in diesem Umfeld zu glänzen, den Ruf mitzunehmen oder wieder aufzubauen wo immer ich bin.
  2. Es wird Ă„rger geben meiner Verweigerung gegenĂĽber der Grafikerin wegen, die sich mit jener ersten Grafik empfahl.

Der Idiot

Man hat mir nie auf die Frage, was an mir gefällt, geantwortet:

Twitter

Ich habe heute dort wieder gekĂĽndigt.

Die Erkenntnis im Urlaub, Zusammenhänge lagen plötzlich wie offen vor mir. Seit ich Gedanken umgehend on air stellte, schrieb ich nicht nur weniger in diesem Blog, vor allem auch in das Notizbuch, dass ich mit mir herumzutragen pflege und aus dem ich gewöhnlich den ein oder anderen Gedanken für einen Text kondensiere und also weniger Texte an sich.

All jene Dinge sind mir wichtiger als Nachrichten im Microbloggingdienst, dessen Mitgliedschaft der jĂĽngste Ausbruch meiner seismografischen Euphorie gewesen ist, auf die ich mich in Bezug auf die Relevanz einzelner Aspekte fĂĽr mich verlassen kann.

Ich habe Briefe geschrieben und Texte mit Stift auf Papier. Man hat sie an Wände gehangen und lacht fröhlich, wenn man vorüber schreitet. So gebiert jeder Zweck sein Medium. Ich möchte wieder mehr schreiben. Daher gilt es diesen Baum (jenen einen!) zu fällen.

Der kleine Blumenladen

Beide Gläser sind lange trocken und alles was bleibt, sind die Abdrücke unserer Lippen an ihren Rändern. Der Korken der Flasche ist hinter das Stövchen gerollt, man kann ihn vom Sofa aus nicht mehr sehen.
Das ist, warum er heut noch dort liegt.

Koma

Wenn du gefahren bist, werde ich immer lethargisch.
Ich bin dem überdrüssig, was mich lähmt. Ich arbeite an Fluchtplänen in der Zeit, in der ich atmen kann. Manchmal starre ich stundenlang ins Aquarium und möchte sagen »ich weiß, wie ihr fühlt«.
Und sie – wie der Rest dieser Welt:

»Komm schon. Luft ist überbewertet.«

(Die Photographien gibt es endlich als RSS-Feed.)

Emotionale Intelligenz

Das erste Mal, dass ich meinen Fuß über die Schwelle einer Oper gesetzt habe.

Ein internationales Wochenende liegt hinter uns. Così fan tutte auf italienisch (mit deutschen Übertiteln), Rumba auf französisch (mit deutschen Untertiteln). Naturgemäß hat mir der Inhalt der Oper nicht so gut gefallen wie der Inhalt des Films, der melancholisch-lustig war, tragisch eher.

Ich bin eher derjenige, der sagt, Lorenzo da Ponte hat Unrecht.

Und das glaube ich wirklich.

Und ich bin derjenige, der sagt, es wäre gut zu wissen, es ist wie in Rumba, wenn es so wäre, wie es in Rumba ist.

Das glaube ich wirklich.

Bring back the memories of how it was like when I was young

Ich bin in den letzten Tagen über einen Stapel sagenhafter Analogphotographien gestolpert, die der gute Freund vor zwei Jahren im Mai machte und entwickelte.

AnneAndi
Dennis und EvaDoreen und ich
DoreenIch

Zwar wirken die Bilder auf Fotopapier wesentlich atemberaubender, dennoch gibt es alle Bilder der Serie in dieser Galerie.
Danke, Jens.

Warum die Blogosphäre mehr ist als tumbe Selbstbeweihräucherung

Als wir heute morgen auf die Lahnberge fuhren, versuchte mich der Freund mit dem Vorwurf, Blogs würden lediglich aus Gründen der Selbstprofilierung und -präsentation geschrieben, zu einer angeregten Diskussion hinzureißen.

Private Blogs dienen selbstverständlich zu einem gewissen Maße der Selbstdarstellung, wie allerdings auch ein Gang in die lokale Einkaufsstraße oder ein Besuch beim Friseur. Für diese Blogs wird oftmals der Grund der Zuhörerschaft durch die Leser bei Problemen ausgekramt und es mag sein, dass sie manchem den Psychiater ersetzen. Sie gehen für viele einher mit dem Beigeschmack des »fishing for compliments« und manchem geht es nach einer Portion Mitleid tatsächlich besser.
Weiterhin gibt es Weblogs wie jene eines bekannten A-List-Bloggers, die allein für die Leserschaft schreiben. Auch meines sollte dieser Kategorie zugeordnet werden. Sie dienen nicht weniger der Selbstdarstellung und ich freue mich über jeden Kommentar und jede Spitze in der Grafik der Besucherzahlen. Das absolut Faszinierende ist allerdings das Netzwerk, das sie dahinter aufspannen und die Erreichbarkeit von Ressourcen, die vor wenigen Jahren noch verborgen geblieben wären: Heute erreichte mich ein Kommentar von einem SXF zum Eintrag Als wir träumten.

In meiner Diplomprüfung im Nebenfach Medienwissenschaften lasse ich mich auch über den Bereich »Kommunikation in den neuen Medien« prüfen. Die Dozentin brachte im Vorgespräch die Blogosphäre ins Gespräch und wunderte sich, was deren Reiz ausmachen würde und deren Präsenz im Kommunikationsdiskurs. Auf diese Frage und ihren Satz »vielleicht bin ich einfach zu alt« konnte ich spontan nichts erwidern.
Heute wüsste ich eine Antwort.