Breitcordcouchfahrer

Wahrscheinlich sollten die schneebedeckten Landschaften an uns vorbeifliegen, aber hier tröpfeln wir durch die weite Landschaft, sehen zugefrorene Autos am Bahnübergang warten und erahnen das Mädchen, das hinter dem Lenkrad ihre Hände reibt, um sie zu wärmen. Wir sind unterwegs nach Norden, nach Hamburg. Ich reise der Inspiration hinterher; wenn ich eine Hoffnung habe, sie zu finden, dann ist es in den nächsten vier Tagen dort oben auf dem Kongress.
Ich warte seit einer Stunde auf jemanden, der mir Bahnkaffee bringt.

An der Regattaanlage

Mit zwei weinenden Augen bin ich gefahren, so zerrissen war ich in den vergangen Jahren noch nie. Erstens wegen der anderen zu Hause, zweitens weil ich die 500-Kilometer-Challenge von Rapha nicht mitfahren kann: 500 Kilometer in den sechs Tagen zwischen dem Heiligen Abend und Silvester, 500 Kilometer draußen auf dem Rennrad im Schnee.
Sie nannte mich Breitcordcouchfahrer, weil ich zwar ein Rennrad kaufte mit dem Ziel, das auch bei Regen zu fahren, dann fiel mir jedoch auf, wie schön ich das Rad finde und dass man ihm den Regen und den Schlamm nicht unbedingt zumuten muss. Ein anderer nannte mich auf einer früheren Fahrt Papagei, weil die gelben Überschuhe mich aussehen ließen wie ein Hähnchen.

De Rosa AL+

Ich war vorgestern unterwegs. Es war kalt und ich habe mir die Überschuhe gespart.
Nie haben meine Füße dermaßen lange gebraucht, um aufzutauen und um aufzuhören zu schmerzen. 

3 Gedanken zu „Breitcordcouchfahrer

  1. Ich habe es kommen sehen, dass Dir das De Rosa für Wintereinsätze zu schade sein wird. Tatsächlich ist die Hemmschwelle, bei diesen ungemütlichen Bedingungen loszufahren, mit einem runtergerockteren Rad niedriger, und deswegen bin ich dem Don auch für die Rahmenspende so dankbar. Der Olm passt nahezu perfekt in das Anforderungsprofil einer Winterschlampe. Aber falls es Dich tröstet: Bei dem Schneeregen heute lasse ich das Rad auch stehen. Und die Trainingsfahrt morgen – man wird sehen…

  2. Das Wort »Winterschlampe« habe ich nie verstanden, ich finde es sogar eklig. Aber ja, zu schade trifft es. Und das De Rosa hat so enge Raddurchläufe, dass du häufiger anhalten musst, um den Dreck und die Blätter zu entfernen, die am Reifen schleifen.

    Aber das Rad hat schon die richtigen Farben, um bei Schlechtwetter gesehen zu werden. Nun ist es so, dass ich tatsächlich kein anderes Rennrad habe, das ich in dieser Witterung einsetzen will – was den Besitz legitimiert.
    Man muss nur jedes mal und sofort gleich putzen.

    1. Kenne ein paar Enthusiasten, die sich mit diesem Begriff auch sehr schwer tun. Ging mir anfangs sogar ähnlich, aber mit dem Olmo (dem die Bilder im Blog sehr schmeicheln im Vergleich zur tatsächlichen Erscheinung) passt es so, und ich habe auch keine Probleme damit, das Rad mit all dem Ranz dran im Innenhof abzustellen. Bei den anderen Rädern muss ich immer gleich zumindest das Gröbste säubern, wenn ich mal in Regen gekommen bin.

      Für die 25er Marathon plus, die ich im Winter gern fahre, war das Vorgänger-Winterrad im Hinterbau zu eng. Beim Olmo ist die Gabel oben der Punkt gewesen, an dem es hakte, aber da habe ich mit der groben Feile etwas nachgeholfen. Im Prinzip wäre ein Crosser, bei dem die Reifen (und Bremsen) mehr Spiel haben, das geeignetere Rad für diese Jahreszeit, aber irgendwas in mir sperrt sich dagegen, diese theoretische Einsicht auch in einen Kaufakt umzusetzen.

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